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Engels an Laura Lafargue
in Le Perreux

London, 27.Okt. 93

Mein liebes Löhr,
Selbst wenn Fortin ein Geschäftsmann ist, so ist es ihm doch gelungen, mit Hilfe eines Rumänen1 (dessen Geschäftsgebaren teils dem eines polnischen Juden, teils dem eines verschwenderischen Bojaren gleicht), einen ganz schönen Wirrwarr anzurichten.

Ich habe F[ortin] geschrieben, daß Du die „Kritik der Rechtsphilosophie" nicht kennst, daß er jedoch, wenn er es für nötig hält, Dir sein Exemplar der „D[eutsch]-F[ranzösischen] Jahrbücher" schicken möchte, damit Du es lesen und Dir einen Begriff davon machen kannst, ob es – sowohl dem Inhalt als der Form nach – ratsam ist, sie den französischen Arbeitern vorzulegen. In seinem Eifer, Stoff für seine Revue2 zu bekommen, stürzt sich Diamandi auf Dich und macht überdies aus einem Artikel plusieurs3 (Geschäftsprinzip des polnischen Juden, viel zu fordern, um dann nachlassen zu können, wie zum Beispiel:
Was kostet die Elle von dem Stoff?
– Fünfzehn Groschen.
– Fünfzehn sagt er, zwölfeinenhalben meint er, zehn wird er nehmen, sieben und einen halben ist die Sache wert, fünf möcht ich ihm geben, werd' ich ihm bieten zwei und einen halben Groschen!4)
Voilà ce que c'est.⁵ Soll F[ortin] Dir doch erst sein Exemplar schicken, und dann wirst Du sehen, was Du machst.

Was die „Gewaltstheorie"⁶ angeht, so hat mich kein Wort in Fortins Brief zu dem Schluß geführt, daß die Sache schon geschehen ist, und ich glaube es auch nicht.7 Dich glauben zu machen, Du stündest en face d'un fait accompli8, ist auch einer von diesen orientalischen Tricks, die sie im Interesse der Sache für völlig gerechtfertigt halten. Du kommst niemals an die Tatsachen heran und wirst noch weniger zu einem praktischen Ergebnis kommen, ehe Du Diamandi nicht ausschaltest und mit Fortin direkt verhandelst.

Diamandi hat mich wegen der Übersetzung des „Ursprungs" für die „Ère nouvelle" genauso behandelt.9

Ich erhielt heute einige Zeilen von Bebel in Pauls Angelegenheit.10 Die Verzögerung war 1. durch die sächsischen Wahlen, 2. den Kölner Parteitag verursacht, was Sitzungen des Parteivorstands verhinderte und sie mit Arbeiten überhäufte. Sobald B[ebel] und L[iebknecht] nach Berlin zurückgekehrt sein werden, wird die Sache geregelt. Aber B[ebel] schreibt auch, daß gegenüber Pariser Korrespondenten französischer Nationalität großes Mißtrauen vorhanden ist, da bisher jeder von ihnen gerade dann aufgehört hat, Berichte zu schicken, als die französischen Angelegenheiten hochinteressant wurden – sie kümmerten sich dann um ihre eigenen Angelegenheiten und überließen es dem „Vorwärts", selber damit fertig zu werden. Ich werde mein Bestes tun, sie zu überzeugen, daß jetzt, da Paul nicht mehr gratis mit der Eisenbahn fahren kann, das aufhören wird, soweit es ihn angeht, aber ich hoffe, daß unsere Pariser Freunde endlich lernen werden, ein Geschäft als Geschäft zu behandeln und Verpflichtungen als etwas, das zu erfüllen ist – zumindest in der Regel.

Herzliche Grüße von Louise.

Immer Dein
F. Engels

Aus dem Englischen.