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Engels an Georgi Walentinowitsch Plechanow
in Mornex

London, den 22.Mai 94
122, Regent's Park Road, N.W.

Mein lieber Plechanow,

Gestern, kurz nach Abgang meines Briefes an Sie1, kamen Bernstein und Kautsky zu mir. Das hat mich gezwungen, meine Pläne zu ändern. Ich habe es daher für richtig gehalten – und ohne Ihre ausdrückliche Genehmigung abzuwarten –, beiden Ihren Brief vorzulesen, damit sie sich selbst ein Urteil über das Verfahren von Kritschewski bilden können. Der Eindruck, den dies auf sie gemacht hat, entspricht, so nehme ich an, ganz Ihren Wünschen. Selbst bei ehrlicher Absicht, in den inneren Angelegenheiten und Streitigkeiten der russischen Emigration Neutralität zu wahren, ist das Verfahren von Kritschewski bezüglich der Übersetzung von „Soziales aus Rußland“ tatsächlich nicht zu entschuldigen, nachdem er davon benachrichtigt worden war, daß V.S[assulitsch] die Übersetzung übernommen hat2. Übrigens hatten diese Herren sich der Zustimmung Kautskys für die Übersetzung seines „Erfurter Programms“ versichert; er bildete sich jedoch ein, daß dies in Rußland gedruckt würde, und hatte nicht die geringste Ahnung davon, daß es in der Schweiz herauskommen würde.

Игнатьевъ3 ist, so sagte mir Kautsky, das Pseudonym von Helphand (oder eines ähnlichen Namens), der sich in Stuttgart aufhält; Sie müssen ihn kennen. Aber da ich von Kautsky keine Genehmigung habe, von dieser Mitteilung Gebrauch zu machen, bitte ich darum, sie als streng vertraulich zu behandeln. Nach dem, was Kautsky und Bernstein mir sagten, scheint Helphand ein anständiger Junge zu sein, der mehr aus Versehen als aus böser Absicht in die von Jogiches gestellte Falle gegangen ist.

Freundschaftlichst Ihr
F. E.

Aus dem Französischen.