London, 18.Okt. 93
Mein liebes Löhr,
Liebknecht teilt mir mit, da das Honorar für Pauls Briefe vom Parteivorstand beschlossen werden muß, sei er noch nicht in der Lage zu antworten.1 Das ist ein plausibler Grund. Als wir Berlin verließen, war der Parteivorstand mit sehr wichtigen Dingen beschäftigt; dann mußten Liebknecht und Bebel eine Agitations-Tournee nach Sachsen machen, wo morgen die Wahlen in den sächsischen Landtag stattfinden. Unmittelbar danach beginnt der Kölner Parteitag2, der wiederum die Mitglieder des Vorstands von ihrer regulären Tätigkeit abhält.
Was den Parteitag in Köln betrifft, so schreibt mir Bonnier, il est possible que nous n'irons pas à Cologne, n'ayant pas reçu d'adresse du parti allemand3. Die Adresse steht täglich im „Vorwärts“: „Das Zentral-Empfangsbüro befindet sich: Hotel Durst (nomen est omen!) (früher Gasthof zur Post), Marzellenstr.5, in der Nähe des Zentralbahnhofs und des Doms.“4 Die Adresse der „Rheinischen Zeitung“ ist: Großer Griechenmarkt 115.
An Fortin schreibe ich, daß er seine Hände vom „Dühring“ lassen soll5, daß Mohrs Aufsatz6 fast unmöglich zu übersetzen ist und ich es überdies nicht übernehmen kann, seine Arbeit durchzusehen7. Ich teilte ihm mit, daß der „Dühring“ Dir „gehört“ und daß Du Ravé durchgesehen hast. Ich sagte ihm auch, daß Du Mohrs Aufsatz nicht kennst und vielleicht könne er Dir sein Exemplar überlassen, damit Du es Dir ansehen kannst; aber nichts weiter, keine Hoffnungen, daß Du die Durchsicht für ihn machen würdest oder möchtest.
Es tut mir sehr leid, daß Du Deinen Namen von dem Titelblatt gestrichen hast. Es wäre ein ausgezeichnetes Mittel gewesen, um Verleger, und zwar zahlende, für Deine anderen Übersetzungen zu gewinnen. Du hast es nicht nötig, Dich Deiner eigenen guten Arbeit zu schämen, oder Ravé zu gestatten, sich mit fremden Federn zu schmücken. Es gibt keinerlei Grund dafür, daß Du Dich „im Hintergrund hältst“. Und gerade diese Art Arbeit müßte Dir jetzt Geld einbringen – Ravé wird sicherlich bezahlt und gut bezahlt für seine schlechte Arbeit, die Du erst in die richtige Form bringen mußtest – und ich sehe nicht ein, warum Du nicht ernten solltest, was Du gesät hast.
Grüße von Louise.
Immer Dein
F. Engels
Aus dem Englischen.