Manchester, 13. Okt. 1867
Lieber Mohr,
Ich habe dem K[ugelmann] zwei Artikel1 von verschiednen Standpunkten über das Buch geschrieben und zugeschickt; ich denke, sie sind so, daß fast jede Zeitung sie nehmen kann, und danach kann er dann andre machen. Das wird ihm schon etwas helfen.
An Siebel schreib' ich morgen, ich muß erst wissen, wo der Kerl und wie seine Gesundheit ist.
An Borkheim ist geschrieben.
Liebknecht macht sich recht gut; er hat von uns doch soviel behalten, daß er einsieht, die einzige richtige Politik bestehe darin, gegen alles ohne Ausnahme zu stimmen. Das hat er bisher redlich getan. Wenn Du ihm dieser Tage wieder schreibst, kannst Du ihn auf folgendes aufmerksam machen: Der letzte Artikel des Freizügigkeitsgesetzes lautet: Die Fremdenpolizei wird durch dies Gesetz nicht berührt. So daß, was man als norddeutscher Bürger gewinnt, man als „Fremder" wieder verliert. Hier würde es großen Effekt machen, wenn L[iebknecht] beantragte: Die Fremdenpolizei ist abgeschafft. Solch ein Blödsinn besteht überhaupt bloß auf dem Kontinent; der Antrag würde großen Effekt machen. Es wäre ihm überhaupt unter den Fuß zu geben, den Bürgern vorzuhalten, wie er, der Kommunist, genötigt ist, gegen sie für ihre eignen Sachen aufzutreten. Die Rede von Liebknecht war übrigens in der „Köln[ischen] Z[eit[un]g" viel besser als in der „Zuk[un]ft".
Die Sachen über Vogt haben mich sehr gefreut.2 Trotz seiner Manöver hat ihn Dein Angriff3 doch vollständig ruiniert, und nur die liberale Bourgeoisie hält ihn noch als deutschen Véron.
Stumpf4 will weiter nichts, als daß Du ihm Material, theoretisches und faktisches, darüber geben sollst, wie es zugeht, daß der Kleinbürger allmählich dem Proletarier verfällt. Das weißt Du übrigens ebensogut wie ich, willst Dich bloß an der Arbeit vorbeidrücken. Allerdings meint der gute Stumpf, das ließe sich so auf einer Briefseite machen –, so daß er was damit anzufangen wisse. Das bezweifle ich jedoch.
Dronke.5 Borkheim ist grade so ein Skandalsucher wie der Kleine6, und wenn die 2 was über einander sagen, so wird es six et one and half a dozen of the other7 sein. Dronke hat immer noch soviel jus8 im Köpfchen, daß er sich bei jetzigen Auslieferungsvertragszeiten vor direkter criminal prosecution9 gehütet haben wird. Du weißt übrigens, wie im Commerce selbst die direktest kriminellen Geschichten unter einfach zivilrechtlicher Form besorgt werden können. Jedenfalls aber ist der Kleine viel zu schlau und viel zu gierig gewesen.
Strohn ist immer der alte kuriose Kerl. Die Idee, eine Äußerung, die er selbst x-mal getan, auf sich zu beziehen, sobald ich sie ausspreche!10
Auf Borkheims „Perle" bin ich begierig. Im Fach der literarischen Eitelkeit ist der Kerl reiner „Jid".
Gumpert hat einen Vetter hier, ex-kurhessischer, jetzt preußischer Leutnant. Der Kerl kam mit großen Erwartungen zu den Preußen, fand aber den alten Kamaschendienst wieder in vollem Flor. Turnen etc. auf Kommando betrieben, Parademarsch, strammes Exerzieren etc. Dabei mag manches übertrieben sein, aber sicher ist, daß auch das Paradewesen durch die letzten Erfolge eine gewisse Sanktion bekommen hat. Die Übertreibung rührt aus der unangenehmen Empfindung her, die die neueingetretenen Offiziere schon gemacht haben, daß 9 aus je 10 von ihnen es nicht zum Stabsoffizier bringen. Der Kerl sucht auch nur nach einer Gelegenheit, um aus der Sauce herauszukommen.
Beste Grüße an Deine Frau, die Mädchen und Lafargue.
Dein
F. E.