168
Engels an Laura Lafargue und Eleanor Marx-Aveling

An Laura Lafargue und Eleanor Marx-Aveling

Meine lieben Mädels,

Ich muß wegen meines Testaments1 einige Worte an Euch richten.

Erstens werdet Ihr feststellen, daß ich mir erlaubt habe, über alle meine Bücher, einschließlich der nach Mohrs Tod von Euch erhaltenen, zugunsten der deutschen Partei zu verfügen. Diese Bücher stellen in ihrer Gesamtheit eine so einzigartige und zugleich so vollständige Bibliothek für die Geschichte und das Studium des modernen Sozialismus sowie aller Wissenschaften, an die er anknüpft, dar, daß es schade wäre, sie wieder auseinanderzureißen. Sie zusammenzuhalten und gleichzeitig denen zur Verfügung zu stellen, die sie benutzen möchten, ist ein schon vor langer Zeit geäußerter Wunsch Bebels und anderer Führer der deutschen Sozialistischen Partei; und da sie tatsächlich die zu diesem Zweck Geeignetsten scheinen, habe ich eingewilligt. Ich hoffe, daß Ihr mir unter diesen Umständen meine Tat verzeihen und auch Eure Einwilligung geben werdet.

Zweitens. Ich habe mich so manches Mal mit Sam Moore unterhalten, welche Möglichkeit es gibt, um in meinem Testament in irgendeiner Weise für die Kinder unserer lieben Jenny zu sorgen. Unglücklicherweise steht dem das englische Gesetz im Wege. Es könnte nur unter fast unmöglichen Bedingungen geschehen, wobei die Unkosten weit mehr verschlingen würden als die in Frage kommenden Gelder. Ich mußte es daher aufgeben. Statt dessen habe ich jedem von Euch drei Achtel von dem vermacht, was nach Auszahlung des Erbes usw. von meinem Vermögen verbleibt. Davon sind zwei Achtel für Euch selbst bestimmt, und das dritte Achtel soll jede von Euch für Jennys Kinder in Verwahrung erhalten und so verwenden, wie Ihr und der Vormund der Kinder, Paul Lafargue, es für das Beste haltet. Auf diese Weise seid Ihr jeder Verantwortung vor dem englischen Gesetz ledig und könnt so handeln, wie es Euer Gerechtigkeitssinn und Eure Liebe zu den Kindern erfordern.

Die Gelder, die ich den Kindern für Honoraranteile an Mohrs Werken schulde, sind in meinem Hauptbuch eingetragen und werden von meinen Testamentsvollstreckern der Seite ausgezahlt, die nach dem englischen Gesetz der legale Vertreter der Kinder sein wird.

Und nun lebt wohl, meine lieben, lieben Mädel. Möget Ihr lange leben, in körperlicher und geistiger Frische, und Euch dessen erfreuen!

London, 14.Nov. 1894
Friedrich Engels

Tussy wird Meißner, Dietz und die „Vorwärts“-Buchhandlung2 in Berlin informieren müssen, daß sie von jetzt an alle Summen, die den Erben von Karl Marx als Honorar usw. zustehen, an sie direkt zu zahlen haben. Was Sonnenschein angeht, so muß das auf eine andere Weise geregelt werden, da die Abmachung über das „Kapital“3 zwischen ihm und mir getroffen worden ist.

F. E.

Aus dem Englischen.