Friedrich Engels' Testament

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Engels' Testament
vom 29. Juli 1893

Ich, Friedrich Engels, 122, Regent's Park Road, London, widerrufe hiermit alle früher von mir gemachten Testamente und erkläre folgendes als meinen letzten Willen. Ich ernenne meine Freunde Samuel Moore, Lincoln's Inn, Gerichtsadvokat, Eduard Bernstein, 50, Highgate Road, London, Journalist, und Louise Kautsky, die jetzt bei mir, 122, Regent's Park Road, wohnt, zu Vollstreckern dieses meines Testaments und vermache jedem von ihnen die Summe von £ 250 (zweihundertfünfzig Pfund) für seine oder ihre Mühe. Ich vermache meinem Bruder Hermann das jetzt in meinem Besitz befindliche Ölgemälde meines Vaters, und falls der genannte Bruder mir im Tode vorangehen sollte, vermache ich es seinem Sohn Hermann. Ich vermache alle Möbel und sonstige Habe, die sich zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Wohnhaus befinden oder sonst dazugehören, mit Ausnahme von Geld, Wertpapieren oder solchen Gegenständen, über die ich in diesem Testament oder einem Nachtrage dazu eine andere Verfügung treffe, der genannten Louise Kautsky. Ich vermache August Bebel, Berlin, Deutsches Reich, Mitglied des Deutschen Reichstags, und Paul Singer, Berlin, ebenso Mitglied des Deutschen Reichstags, als gemeinsamen Treuhändern die Summe von £ 1000, die sie oder der Überlebende von ihnen dazu verwenden sollen, um die Wahl solcher Personen in den Deutschen Reichstag zu einem solchen Zeitpunkt oder solchen Zeitpunkten und an einem solchen Ort oder Orten zu fördern, welche die genannten August Bebel und Paul Singer oder der Überlebende von ihnen nach ihrem oder seinem freien Ermessen für geeignet halten. Ich vermache meiner Nichte Mary Ellen Rosher, die Frau von Percy White Rosher, The Firs, Brading Road, Ryde, Vertreter und Buchhalter, die Summe von £ 3000.

Ich bestimme, daß alle Manuskripte literarischer Natur in der Handschrift meines verstorbenen Freundes Karl Marx und alle von ihm geschriebenen oder an ihn gerichteten Familienbriefe, die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen, von meinen Testamentsvollstreckern an Eleanor Marx-Aveling, 7, Gray's Inn Square, W.C., die jüngere Tochter des erwähnten Karl Marx, gegeben werden sollen. Ich vermache alle Bücher, die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen und alle mein Urheberrechte den genannten August Bebel und Paul Singer. Ich vermache alle Manuskripte, die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen (mit Ausnahme der erwähnten literarischen Manuskripte von Karl Marx) und alle Briefe (mit Ausnahme der erwähnten Familienbriefe von Karl Marx) den genannten August Bebel und Eduard Bernstein. Was meinen übrigen Nachlaß anbetrifft, so bestimme ich, daß er in acht gleiche Teile aufgeteilt wird; ich vermache drei dieser Teile Laura Lafargue, Le Perreux bei Paris, Frankreich, die ältere Tochter des erwähnten Karl Marx und Ehefrau von Paul Lafargue, Mitglied der französischen Deputiertenkammer; ich vermache drei andere dieser Teile der genannten Eleanor Marx-Aveling, und die verbleibenden zwei Teile des besagten übrigen Nachlasses vermache ich der genannten Louise Kautsky. Ich bevollmächtige meine Testamentsvollstrecker, zu dem oder den ihrem Ermessen entsprechenden Zeitpunkten jeden Teil meines Nachlasses in seiner jeweiligen Anlageform oder seinem jeweiligen Zustand für die volle oder teilweise Befriedigung eines Vermächtnisses oder eines Anteils an dem besagten Rest meines Nachlasses heranzuziehen oder zu übertragen mit der Befugnis, zu diesem Zweck den Wert meines besagten Nachlasses oder eines Teiles oder Teilen davon endgültig so festzulegen, wie sie es für zweckmäßig halten. Zum Zeugnis dessen habe ich, besagter Friedrich Engels, unter dieses mein Testament am heutigen 29. Juli 1893 meine Unterschrift gesetzt.

Friedrich Engels

Als sein letzter Wille von dem genannten Erblasser unterzeichnet in Gegenwart von uns gleichzeitig Anwesenden, die wir in seiner Gegenwart und jeder in Gegenwart des anderen unsere Namen als Zeugen hierunter gesetzt haben.

Friedrich Leßner,
12, Fitzroy Street, Fitzroy Sq. W.C.
Ludwig Freyberger, M.D., L.R.C.P.,
11, Gower Street, Bedford Sq. W.C.

Aus dem Englischen.

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Engels an seine Testamentsvollstrecker

London, 14. November 1894

An die in meinem Testament genannten Testamentsvollstrecker.

1. Die folgenden Zeilen sind Ergänzungen und Erklärungen zu meinem Testament. Sie drücken lediglich meine Wünsche aus und sollen meine Testamentsvollstrecker in keiner Weise rechtlich binden. Im Gegenteil, wo immer sich herausstellen sollte, daß sie der juristischen Bedeutung meines Testaments widersprechen, sollen sie unberücksichtigt bleiben.

2. Es ist mein ausdrücklicher Wunsch, daß mein Leichnam eingeäschert und meine Asche bei erster Gelegenheit ins Meer versenkt werde.

3. Ich wünsche, daß unmittelbar nach meinem Tode eine Abschrift meines Testaments an meinen Bruder Hermann Engels, Barmen oder, im Falle seines Todes, an Hermann Engels junior, Engelskirchen bei Köln, gesandt werde.

4. Falls Sam Moore zum Zeitpunkt meines Todes nicht in England ist und nicht sofort als Testamentsvollstrecker tätig werden kann, werden Bernstein und Louise ohne ihn handeln müssen. In diesem Fall und selbst wenn Sam Moore zwar irgendwo in England, aber nicht in London sein sollte, empfehle ich ihnen, für ihren persönlichen Gebrauch eine Abschrift meines Testaments anzufertigen und das Original an Crosse and Sons, Anwälte, 7, Lancaster Place, Strand, zu übergeben, damit sie es bestätigen lassen und meinen Testamentsvollstreckern juristischen Beistand leisten. Diese letzteren werden sofort für folgende Punkte Sorge zu tragen haben:

a) Bei den Herren Crosse zu ermitteln, welche Schritte sie zu tun haben, um so schnell wie möglich die volle Verfügung über mein Guthaben bei der Union Bank of London Limited in der Regent's-Street-Filiale und das Verfügungsrecht über die Teile meiner Kapitalanlagen zu erlangen, die möglicherweise zur Deckung laufender Ausgaben verkauft werden müssen.

b) Den Wert meines Nachlasses festzustellen. Meine Möbel, Bücher usw. werden abgeschätzt werden müssen. Die Herren Crosse werden dafür sorgen. Der Wert meiner Anlagen in Wertpapieren, Aktien usw. zum Zeitpunkt meines Todes kann nach dem amtlichen Kurszettel für Wertpapiere und Aktien errechnet werden, mit dem meine Makler, die Herren Clayton & Aston, 4, Tokenhouse buildings, Tokenhouse Yard, E.C. meine Testamentsvollstrecker versehen werden.

c) Wie die Herren Crosse meinen Testamentsvollstreckern erklären werden, sind die verschiedenen, in meinem Testament angeordneten Geldvermächtnisse nicht zu ihrem vollen Nennwert auszuzahlen, sondern unterliegen dem Abzug des auf jedes davon entfallenden Anteils an der Erbschaftssteuer.

5. In meinen Büchern wird man verschiedene Geldbeträge verzeichnet finden, die ich im Laufe einer ganzen Reihe von Jahren an Laura und Paul Lafargue, Percy und Ellen Rosher, Edward und Eleanor Marx-Aveling gezahlt habe. Bei diesen Beträgen handelt es sich, wie ich ausdrücklich festzustellen wünsche, nicht um mir geschuldete Darlehen, sondern sie sind und waren vielmehr stets Geschenke von mir. Sie sind daher in keiner Art und Weise zurückzufordern.

6. Als einen Teil der Zahlung des von mir Ellen Rosher hinterlassenen Vermächtnisses ist von meinen Testamentsvollstreckern die Anwartschaft auf bestimmte Gelder zu benutzen, die an Percy Rosher nach dem Tode seines Vaters und seiner Mutter zu zahlen sind – welche Anwartschaft ich genanntem Percy Rosher abgekauft habe. Ich wünsche, daß Ellen Rosher der von mir ausgegebene Betrag angerechnet wird, nämlich £ 250 –, die ich Percy Rosher gezahlt habe, und £30. – Anwaltsgebühren, die diese Transaktion kostete, insgesamt £ 280. –.

7. Ich wünsche mein Testament durch folgende Einzelheiten hinsichtlich der Verfügung über die von mir hinterlassenen Papiere zu ergänzen, nämlich:

a) Alle Papiere in der Handschrift von Karl Marx, mit Ausnahme seiner Briefe an mich, sowie alle an ihn gerichteten Briefe, mit Ausnahme meiner Briefe an ihn, sind an Eleanor Marx-Aveling als der gesetzlichen Vertreterin von Karl Marx' Erben zurückzugeben.

b) Alle an mich geschriebenen Briefe von Percy und Ellen Rosher, Laura und Paul Lafargue, Edward und Eleanor Marx-Aveling oder von meinen Verwandten in Barmen und Engelskirchen oder von der Familie Beust in Zürich sind den Briefschreibern zurückzugeben.

Das ist, glaube ich, alles, was ich zu sagen habe.

Friedrich Engels

P.S. Es versteht sich, daß das honorarium oder die Tantiemen, die für das „Kapital" und für meine „Lage der arbeitenden Klassen" von Sonnenschein gezahlt werden, wie bisher zu zahlen sind – für ersteres an die Erben von Marx und die Übersetzer (3/5 an Laura, 1/5 an Tussy, 1/5 an Jennys Kinder, 4/25 an Sam Moore, 4/25 an Ed. Aveling) und für letzteres vollständig an Florence Kelley.

Aus dem Englischen.

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Nachtrag zu Engels' Testament
26. Juli 1895

Ich, Friedrich Engels, 41, Regent's Park Road, London, früher 122, Regent's Park Road, ebenda, erkläre dies für den ersten Nachtrag, den ich am heutigen 26. Juli 1895 meinem vom 29. Juli 1893 datierten Testament anfüge. Ich widerrufe das in meinem erwähnten Testament gemachte Vermächtnis von £ 3000 an meine Nichte Mary Ellen Rosher, die Frau von Percy White Rosher, und vermache ihr statt dessen die Summe von £ 2230; und ich vermache ihr ferner die Anwartschaft des erwähnten Percy White Rosher auf bestimmte Gelder, für deren Zahlung er im Falle des Todes seiner Eltern gemäß deren Ehevertrag Anwärter ist oder war – welche Anwartschaft ich von ihm für die Summe von £ 240 gekauft habe, was mich zusätzlich £ 30 Anwaltsgebühren, zusammen £ 270 kostete. Ich bestimme, daß alle Geldzahlungen, die ich ohne Gegenleistung an Percy White Rosher, seine Ehefrau Mary Ellen Rosher, Paul Lafargue, seine Ehefrau Laura Lafargue, Doktor Edward Aveling, seine Ehefrau Eleanor Marx, Eugen Oswald und Friedrich Leßner oder an irgendeinen von ihnen gemacht habe, als Geschenke an die Betreffenden betrachtet werden, und dementsprechend vermache ich sie ihnen. Ich vermache Doktor Ludwig Freyberger, 41, Regent's Park Road, London, als Anerkennung und in Würdigung der unermüdlichen Sorgfalt, mit der er mich jahrelang als Arzt behandelt hat, ohne je eine Bezahlung anzunehmen, die Summe von £ 80 für jedes seit dem 1. Juli 1893 bis zu meinem Tode abgelaufene volle Jahr; und ferner die Summe von £ 50 für den, sei es auch noch so kleinen, Teil des Jahres vom 1. Juli vor meinem Tod bis zu meinem Todestag. Aber ich mache dieses Vermächtnis davon abhängig, daß er an mich oder meinen Nachlaß keine Forderung für seine ärztlichen Dienste stellt. Ich bevollmächtige meine Testamentsvollstrecker und weise sie an, der in meinem Testament Louise Kautsky genannten Louise Freyberger, die jetzt die Ehefrau des erwähnten Doktor Freyberger ist, vor der Verfügung über die Vermietung meines Hauses Nr. 41, Regent's Park Road, auf dem Wohnungsmarkt die Wahl zu überlassen, diesen Mietvertrag zu übernehmen unter der Bedingung, daß der Mietzins gezahlt wird, die im Vertrag festgelegten Bedingungen erfüllt und mein Nachlaß sowie die Testamentsvollstrecker gegen alle Forderungen des Vermieters auf Grund des Vertrages gesichert werden; die erwähnte Entscheidung ist innerhalb eines Monats nach meinem Tod schriftlich einem anderen meiner Testamentsvollstrecker als der genannten Louise Freyberger mitzuteilen. Während ich in meinem erwähnten Testament bestimmt habe, daß alle von Karl Marx geschriebenen oder an ihn gerichteten Familienbriefe, die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen, von meinen Testamentsvollstreckern an Eleanor Marx-Aveling übergeben werden sollen, widerrufe ich hiermit die besagte Bestimmung hinsichtlich der Familienbriefe und bestimme statt dessen, daß alle von dem erwähnten Karl Marx geschriebenen oder an ihn gerichteten Briefe (mit Ausnahme meiner Briefe an ihn und seiner Briefe an mich), die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen, von meinen Testamentsvollstreckern der erwähnten Eleanor Marx-Aveling als der gesetzlichen persönlichen Vertreterin des erwähnten Karl Marx übergeben werden sollen; und weiter bestimme ich durch diesen Nachtrag, daß alle zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz befindlichen Briefe meiner Verwandten in Barmen und Engelskirchen, von Percy W. Rosher oder dessen Ehefrau Ellen, von Paul Lafargue oder dessen Ehefrau Laura, von Doktor Edward Aveling oder dessen Ehefrau Eleanor Marx, von Doktor Ludwig Freyberger oder dessen Ehefrau Louise und von der Familie Beust in Zürich von meinen Testamentsvollstreckern den entsprechenden Briefschreibern zurückgegeben werden. Demgemäß widerrufe ich hiermit das in meinem besagten Testament enthaltene Vermächtnis zugunsten von August Bebel und Eduard Bernstein hinsichtlich „aller Briefe (mit Ausnahme der erwähnten Familienbriefe von Karl Marx)" und vermache statt dessen den besagten August Bebel und Eduard Bernstein alle Briefe (mit Ausnahme derer, von denen dieses Nachtragstestament bestimmt, daß sie Eleanor Marx-Aveling zu übergeben sind, sowie mit Ausnahme derer, über die in diesem Nachtragstestament anderweitig verfügt ist). Und vorbehaltlich des oben Gesagten bestätige ich mein besagtes Testament. Zum Zeugnis dessen habe ich hierunter am oben angegebenen Tag und Jahr meine Unterschrift gesetzt.

Friedrich Engels

Erklärt und unterzeichnet von dem oben genannten Friedrich Engels als Nachtrag zu seinem Testament in Gegenwart von uns gleichzeitig Anwesenden, die wir in seiner Gegenwart und jeder in Gegenwart des anderen unsere Unterschrift als Zeugen hierunter gesetzt haben.

Ada Pearce, Krankenpflegerin, 41, Regent's Park Road
S. Nichols Nichols, Köchin, 41, Regent's Park Road

Aus dem Englischen.