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Engels an Karl Kautsky
in Stuttgart

London, 9. Jan. 94
122, Regent's Park Road, N.W.

Lieber Baron,

Ede hat Dir wohl schon mitgeteilt, daß ein Stück Ms. vom III.Band (ca. 1/3 Kubikfuß) abgegangen ist. Ich kann Dir jetzt, da es in Hamburg glücklich angekommen, eine kurze Notiz1 für die „N[eue] Z[eit]" darüber geben, sie liegt bei. Bitte ein Ex. mit dem Artikel angestrichen an Otto Meißners Verlag Hamburg schicken zu wollen.

Das 2. Drittel ist in Arbeit, wird hoffentlich bald fertig.

Deine freundlichen Wünsche sowohl für Xmas2 wie Neujahr haben wir im stillen dankend erwidert.

Die Berner Konvention werde ich mir jetzt wohl verschaffen können.3

Auf Cunows Buch bin ich begierig. Der Mann ochst viel in seinem Fach und hat offene Augen.

Es wird Dietz interessieren, daß Laura Laf[argue] meinen „Feuerbach" für die „Ère nouvelle" und späteren Separatdruck ins Französische übersetzt; die erste Hälfte habe ich bereits durchgesehn. Sie übersetzt gewissenhaft und flott.

Ravé, der diesen Ruhm weniger verdient, hat mir wieder mal geschrieben; er hat sich an Deinem „Thomas Morus" versucht, mais c'est bien indigeste4! Der Mann kann nämlich in der Tat nur unvollkommen deutsch, obwohl er ein Elsasser ist und wahrscheinlich von Natur Rawe heißt.

Es freut mich, daß Victor die besten Stellen aus Deinem letzten Artikel sofort aufgegriffen und den Wienern zugänglich gemacht hat. Sie paßten ganz famos für die dortige Situation. Nach V[ictor]s letztem Brief ist jetzt alle Gefahr von Dummheiten vorbei. In der Tat hat sowohl der Gewerkschafts- wie der tschechische Kongreß den Generalstrike auf die lange Bank des Parteitags geschoben, und V[ictor] wird schon sorgen, daß er da noch weiter geschoben wird.

Schluß für heute – noch Massen Briefe. Grüße von Haus zu Haus.

Dein
F. E.