[London] 15. 4. 92
65, Chancery Lane, W. C.
Mein lieber Paul,
Wir haben Dir vor einigen Tagen ein Exemplar des „Chronicle" geschickt, der eine Notiz über Adolphe Smith und die Vertretung der französischen Arbeiter bei der bevorstehenden Demonstration im Hyde Park enthält. In der „Workman's Times" von dieser Woche – von der ich Dir ein zweites Exemplar schicke, obwohl ich annehme, daß Du sie regelmäßig bekommst – wirst Du einige Notizen darüber finden unter der Rubrik „Londoner Notizen" (wie ich glaube), aber auf jeden Fall über der Unterschrift von „Autolycus" – d. h. Burgess, Redakteur der „Workman's Times". Nun ist das Resultat dieser Notiz viel größer und viel unangenehmer gewesen, als Du Dir wahrscheinlich vorstellen kannst, und wenn nicht sehr unangenehme Komplikationen die Folge sein sollen, mußt Du unbedingt an den „Chronicle" und an die „W[orkman's] T[imes]" hierüber schreiben. Das natürlich nur, wenn die Organisationen, deren Mundstück Herr Adolphe ist, wie wir argwöhnen, einfach die possiblistischen sind. – Du weißt, daß Du vor 2 Jahren, als es uns gelang, trotz heftiger Opposition eine Demonstration zu erzwingen, herüberkamst und von den Tribünen des Demonstrationskomitees aus sprachst. Du weißt, daß Eure Partei auch im vergangenen Jahr wieder von uns eingeladen wurde, und Dein Brief, in dem Du die Gründe mitteiltest, warum Ihr keinen Delegierten entsenden konntet, wurde bei der Demonstration öffentlich verlesen. Während der ganzen Zeit hat es der London Trades Council, der nach wie vor mit Herrn Hyndman und den englischen Possibilisten arbeitet, abgelehnt, irgend etwas mit den „Ausländern" gemein zu haben. Und vergiß nicht die sehr wichtige Tatsache, daß der von Shipton & Co. geforderte gesetzliche 8-Stunden-Tag nicht unser gesetzlicher 8-Stunden-Tag ist. Sie wollen den 8-Stunden-Tag nur deshalb gesetzlich eingeführt haben, damit die Überzeit höher bezahlt werden kann.
In Anbetracht all dessen ist unser Komitee, das hartnäckig an dem ganzen Pariser Programm festhält, und besonders die stärkste Körperschaft nicht nur in unserem Komitee, sondern die stärkste aller neuen Unions – die „Gasworkers and General Labourers Union" – tief verletzt und befremdet über die ihm im „Chronicle" zugefügte Kränkung. Thorne kam am Mittwoch her und sagte, daß er es um so merkwürdiger fände, als seine Union, lange bevor man überhaupt an die Internationalen Sekretariate1 dachte, mit der französischen Parti ouvrier die Korrespondenz aufgenommen habe, und er möchte wissen, warum sie jetzt gekränkt werden sollten. Das ist nur ein Fall von vielen. Ich kann Dir nicht sagen, welche unheilvolle Wirkung das haben wird, wenn Du nichts erwidert.
Gestern hatte ich eine lange Unterredung mit dem General hierüber (Edward ist sehr krank, er hat eine böse Halsgeschichte) – und wir beide kamen überein, daß Du als Sekretär der „Parti" für internationale Verbindungen eine Zeile an den „Chronicle" schicken mußt. Die Verzögerung kannst Du leicht damit erklären, daß Du Deine Wähler von Fournies besucht hast. Du solltest schreiben – wenn das zutrifft –, daß Herr A. Smith nur für die Possibilisten spricht, die die reaktionäre Partei sind und nur – Du weißt schon was – vertreten. Daß die Parti ouvrier français an der ersten Demonstration des L[egal] E[ight] H[ours] Committee teilnahm, daß sie, obwohl sie keinen Delegierten entsenden konnte, im vergangenen Jahr hinter diesem Komitee stand und daß Eure Partei (das hoffen wir alle) in diesem Jahr auf unseren Tribünen vertreten sein wird. Die Possibilisten schicken 2 Delegierte. Sicherlich könntet Ihr doch einen schicken. Könnte nicht Delcluze kommen? Es würde doch sehr wenig kosten, von Calais herüberzukommen? Und Ihr könntet auch Bonnier nominieren. Diese beiden (ich weiß, daß Du nicht kommen kannst) würden die anderen aufwiegen.
Auf jeden Fall, mein lieber Paul, mußt Du eine Zeile an den „Chronicle" schreiben (oder besser noch, laß Laura es aufsetzen!2), schreib es ab, und sende es mit weiteren Einzelheiten, falls notwendig, an die „Workman's Times". Aber das muß sofort geschehen.
Deine
Tussy
Warum veranlaßt Du nicht Deine verriers3, sich der Internationalen Flaschenmacher-Vereinigung anzuschließen? Es ist sehr schade, daß sie das nicht tun, und es kostet nur 4 d. (8 Sou!) per annum4 je Mitglied!!
Aus dem Englischen.