[London, Juli 1884]
[...]1 Ich habe mich geopfert, indem ich einige Hefte der „N[euen] Welt“ durchsah. Das ist so ertötend langweilig, daß es nicht lange ging. Was den Herrn Geiser angeht, so ist seine „Wissenschaft“ [da]2 unangreifbar. Wer sich in einem solchen Pfennigmagazin mit Wissenschaft brüsten tut, beweist schon damit, daß er wirklich auch nichts gelernt hat. Selbst wenn er nicht fortwährend Cholera-Bacillus druckte3 statt bacillus, als ob das Wort von bacca herkomme und nicht von baculus. Es steht zudem in jedem lateinischen Wörterbuch. Die Redensart, daß der Materialismus wie Idealismus beide einseitig seien und zu einer höhern Einheit zusammengefaßt werden müßten, ist uralt und sollte Dich nicht grämen, und daß Atheismus nur eine Negation ausdrückt, haben wir selbst schon vor 40 Jahren gegen die Philosophen gesagt, nur mit dem Zusatz, daß der Atheismus, als bloße Negation der Religion und stets sich auf Religion beziehend, ohne sie selbst nichts, und daher selbst noch eine Religion ist. Die übrige Wissenschaft wird charakterisiert in einem Artikel von Blos über griechische und deutsche Götter, worin allein mir folgende grobe Schnitzer aufgefallen:
1. die „Epistolae obscurorum virorum“ sollen von Reuchlin sein. Sie entstanden in seiner Umgebung, aber er hat weit weniger Teil daran als U. v. Hutten.
2. die griechischen Götter „schmausen Nektar und zechen Ambrosia“!
3. „Met“, alias Meth, wird in Klammern durch „Bier“ erläutert, wo jedes Kind weiß, daß das nicht aus Malz, sondern aus Honig bis heute gemacht wird.
4. Blos kennt nicht einmal die Namen der deutschen Götter, [er]4 gibt bald altnordische, bald deutsche. Neben dem altnordischen Odin, dessen deutsche Namen (altsächsisch Wodan, althochdeutsch Wuotan) er nicht kennt, steht der althochdeutsche Ziu. Odin soll auch eine Frau Freia haben, sie heißt aber altnordisch Frigg, althochdeutsch Fricka, was sogar Richard Wagner besser wußte. Das eine kurze oberflächliche Blumenlese in 10 Minuten! Vor der Wissenschaft wird nicht der kleinste Köter bange! Laß sie sich doch in ihrem Pfennigmagazin brüsten wie die Pfauen, guckt man hinter den Pfauenschweif, so entdeckt man nur den Ort, woher die Exkremente kommen!
Dein
F. E.
Gruß an K.K[autsky].