London, 29. Juni 84
Lieber Ede,
1. Hierbei „Kapital und Lohnarbeit“ zurück. Der schlesische Abdruck bedurfte allerdings sehr der Revision. Ich habe allerdings nicht die Zeit gehabt, durchweg mit dem Original zu vergleichen, sondern nur an den störendsten Stellen, Ihr habt’s aber da und könnt’s bei der Korrektur besorgen.
2. Porträt von Marx werde ich bei demselben Mann, der das meinige gemacht, noch eins machen lassen und schicken. Es ist keine Kreidezeichnung, sondern vergrößerte Photographie. Wie aber wird der Farbendruck ausfallen, wenn der Mann den Mohr und seine eigentümlich dunkle Farbe nie gesehn?
3. Paket mit 40 „Umwälzung“1 ging vorgestern adressiert: Volksbuchhandlung, 3, Kasinostr., Hottingen-Zürich, Switzerland, „Books, Value £ 3 Carriage forward“ (d. h. unfrankiert) von hier ab per Continental Parcels Expreß, die Korrespondentin der deutschen Reichspost und schweizerischen Post, auch der französischen Paketanstalten. Die Vereinssachen von Zürich kommen hier auch auf diesem Wege an. Paketpost zwischen England und Kontinent existiert nicht, daher auch, wenigstens für hier, keine „Postpakete à 5 Kilo“; Teilung würde hier doppelte Kosten machen, Nichtteilung in 2 Pakete sicher die Sendung dort nicht so sehr verteuern wie hier die Teilung.
4. Schorl[emmer] schreibt, daß sein Bruder Ludwig in Darmstadt trotz Abonnementsbescheinigung im „Sozialdemokrat“ noch immer nicht eine einzige Nr. erhalten hat. Ist das allgemeines oder spezielles Pech? Bitte nachsehn zu lassen.
5. Sozialistische Gedichte speziell von Weerth kann ich keine besorgen. Im alten Moses Heßschen „Gesellschaftsspiegel“ von 1845 stehn welche, ich glaube, Du kennst sie aber schon. Von einer Sammlung seiner Gedichte habe ich einmal was gehört, aber sie nie gesehn. Jedenfalls hat er ebensowenig wie wir eine solche herausgegeben.
6. Archivar muß warten, ich habe nicht die Zeit, meine eignen Sachen in Ordnung zu bringen, komme ich daran, wird seiner reichlich gedacht werden. Aber jetzt muß vor allem der 2. Band „Kapital“ fertig werden. Die Sache geht flott voran, die vorläufige Redaktion von ca. 1/3 ist fertig und schreitet fort im Maß von 1/2 Druckbogen ca. per Tag, oder etwas weniger. Sobald wir an den letzten Abschnitt kommen (die Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals), kann Eisengarten das hierfür existierende Ms. von 1878 abschreiben, mit meiner Hülfe; während ich dann Schlußredaktion vornehme mit dem schon Fertigen. So werden wir in nicht gar zu langer Zeit fertig, und dann geht’s ans 3. Buch, das wichtigste.
Erst dann kann daran gedacht werden, die alten Ms. von vor 48 zu ordnen und druckfertig zu machen – im Auszug. An Lust fehlt mir’s nicht, aber hier ist Arbeit nötig, d. h. Zeit.
Also Du kommst doch schließlich auch zu der Ansicht, daß man mit den „weisen Männern“ am Ende doch noch ganz gut fertig wird. Ich habe mir ein paar Nrn. „Neue Welt“ kommen lassen, um die Herren mal chez eux2 kennenzulernen. Bis jetzt bloß die Redaktionsbriefkasten gelesen, deutsche Schuljungenschnoddrigkeit, wo ein sehr zahmes Korrespondenzpublikum voraussetzt.
Im übrigen laß Dich nicht durch Nadelstiche reizen, das ist erste Regel im Kampf, und bedenke, daß
Nichts Schöneres gibt es auf der Welt
als seine Feinde zu beißen,
als über all die plumpen Geselln
seine schlechten Witze zu reißen.
Gruß an Kautsky.
Dein
F. E.