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Jenny Longuet an Charles Longuet
in Paris
(Auszug)

[London] 31. Okt. 80

[...] Ich erhielt die „Justice“ mit Deinen beiden Artikeln gestern abend und bin ganz stolz zu sehen, wie gut Du das von mir gesandte Material verwendet hast. Dein Artikel über die Grenze muß eine Sensation hervorrufen, was Du enthüllst, ist in Frankreich ganz neu und sogar in England wenig bekannt, weil es absichtlich unterdrückt wird. Und dann gibst Du dem schweren Stoff eine so amüsante und sarkastische Form, daß sogar der französische Leser die Sache nicht zu trocken finden wird. Leider schickst Du mir aber immer nur ein Exemplar, und ich kann Collet keine Zeitung schicken, was meine Korrespondenz mit dieser kurzarmigen, aber weitblickenden Persönlichkeit aufrechterhalten und Dir einen Überblick über die jetzt vor sich gehenden Intrigen verschaffen würde, und Dir die Mühe ersparte, die Blaubücher selber zu lesen: ich brauche auch den ersten Artikel1 über den Berliner Vertrag für Collet. Papa hat Dein Artikel sehr gefallen – er hat oft geschimpft über die kindischen Faseleien in der „Justice“ über die durch die Türken verursachten Verzögerungen usw. usw. – Verzögerungen, die in Wirklichkeit von den Russen geschickt herbeigeführt worden sind! Papa gefiel auch Dein Artikel über Girardin und las mit Vergnügen das Zitat sur le mâle et l’âne2 von Proudhon. – Aber ich bin überzeugt, Du hast noch mehr das Vergnügen genossen, den Namen Deines Meisters zu zitieren als das Zitat selbst!!! Habe ich recht?

Es tut mir leid, wenn ich bedenke, daß Du Dir die Mühe gemacht hast zu übersetzen, was ich Dir über Irland geschickt habe. Das habe ich niemals beabsichtigt, da ich annahm, Du würdest hier und da ein Stück daraus nehmen und in höchstens einer Stunde eine Art Korrespondenz zusammenschreiben. Da Du eine so ernste Sache daraus machst, werde ich Dir keines meiner Produkte mehr schicken. Es wäre nur Zeitverschwendung für Dich. Meine Absicht war gerade, Dir Zeit zu ersparen, indem ich viel über Irland für Dich las. Es ist so lange her, seit ich Dir meinen Brief geschickt habe, daß ich mich nicht mehr erinnere, was ich geschrieben habe, aber ich vermute, daß die Nachrichten jetzt zu altbacken sein werden.

Die Artikel von Roy habe ich nicht gelesen. Papa ist der Ansicht, daß der zweite alles übertrifft, was bis jetzt über Littré veröffentlicht worden ist.
Grüße und Küsse von allen.

Deine
Jenny

Aus dem Englischen.