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Jenny Longuet an Charles Longuet
in Paris
(Auszug)

[London] 27. Okt. 80

[...] Ich war sehr froh, daß die Bemerkungen über die orientalischen Ereignisse so gute Früchte tragen. Pelletan hat neulich höchst kindischen Unsinn darüber geschrieben, jede Zeile zeugt von dunkelster Unwissenheit. Dein Artikel ist in dem einfachen, klaren und eleganten Stil geschrieben, für den die französische Prosa berühmt ist und der den Stoff der Abhandlung ganz angenehm schlucken läßt. Aber warum bist Du so geizig? Warum schickst Du mir nicht immer vier Exemplare Deiner eigenen Artikel – oder wenigstens drei. Jetzt habe ich wieder keine Nummer, die ich meinem Korrespondenten Collet schicken könnte, der mehr Material senden würde, wenn er sähe, daß von seinen Informationen Gebrauch gemacht wird. Von Papa kann man unmöglich eine Zeitung zurückbekommen, außerdem könnte ich sie, wenn ich sie auch bekäme, niemandem schicken, da sie über und über mit Blaustiftbemerkungen bedeckt ist. Deshalb konnte ich auch Deinen letzten Artikel nicht gleich an Parnell schicken. Wenn er an der „Justice“ Interesse fände, wäre viel gewonnen. Bemerkungen direkt von ihm würden bei dieser Krisis unschätzbar sein. Deinen Artikel über den Berliner Vertrag hat Papa noch nicht gesehen, deshalb kann ich Dir seine Ansicht nicht mitteilen. Er sagte mir am vorigen Sonntag, als er über die von Pelletan offenbarte Unwissenheit in den orientalischen Angelegenheiten empört war, daß er die „Blaubücher“ bestellen und Dir selbst über die Sache schreiben würde. Lebe wohl!

Deine Dich liebende
Jenny

Aus dem Englischen.