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Jenny Marx an Engels
in Manchester

[London, um den 17. Januar 1870]

Lieber Herr Engels,

Selten ist wohl ein hamper so à propos1 gekommen als der gestrige. Die Kiste war eben ausgepackt, und die 50 schlanken Männer standen in Reih und Glied in der Küche, als Dr. Allen und sein partner, ein junger schottischer Doktor, kamen, um den armen Mohr zu operieren, so daß gleich nach der Operation der Mohr mit seinen 2 Äskulapen sich an dem köstlichen Braunenberger stärken konnten. Die Geschichte war diesesmal wieder sehr schlimm. Seit 8 Tagen hatten wir alle Mittel, Umschläge, basilicum etc. etc., die schon so oft geholfen hatten, angewendet: allein ganz umsonst. Das Geschwür wuchs beständig, die Schmerzen wurden unerträglich und es war keine Öffnung und Ausfluß hervorzubringen. Geschnitten mußte werden, und so entschloß der Mohr sich denn endlich zu dem unvermeidlichen Schritt, einen Doktor zuzuziehen. Er spürte gleich nach dem sehr tiefen Einschnitt große Erleichterung und, obgleich er heute morgen noch nicht schmerzfrei ist, so ist er doch im ganzen viel viel besser und wird hoffentlich in ein paar Tagen genesen sein. Nun muß ich aber mit einem förmlichen Sündenregister gegen ihn hervorrücken. Seit er von Deutschland zurück ist, und namentlich nach der Hannoverschen Kampagne, war er unwohl, hustete beständig und statt sich zu hegen und pflegen, fing er an, auf Mord und Brand Russisch zu studieren, ging wenig mehr aus, aß unregelmäßig und zeigte den Carbuncle unter dem Arm erst, nachdem er schon bedeutend angeschwollen und verhärtet war. Wie oft habe ich Sie, lieber Herr Engels, seit Jahren im stillen hierher gewünscht!! Manches wäre anders. Ich hoffe nun, daß er sich diese letzte Erfahrung zur Warnung nehmen wird. Bitte, lieber Herr Engels, machen Sie ihm in Ihren Briefen jetzt keine Bemerkungen hierüber. Er ist in diesem Augenblick so leicht irritiert und würde sich über mich sehr ärgern. Mir war es aber eine solche Erleichterung, mein Herz bei Ihnen auszuschütten, da ich ganz ohnmächtig bin, irgend etwas in seiner Lebensweise zu ändern. Vielleicht ließe sich durch Gumpert einmal ernstlich mit ihm reden, wenn er wieder nach Manchester kommt. Der ist noch der einzige Arzt, in den er Vertrauen hat. In unserm Hause herrscht jetzt eine so allgemeine Verachtung gegen alle Medizin und alle Ärzte; und doch sind sie noch immer notwendige Übel, ohne die man nicht durchkommt. Was haben Sie zu dem zweiten Neujahrsgeschenk gesagt, das Laura uns gemacht hat!2 Ich hoffe, daß das rasche Tempo ein Ende nimmt; sonst könnte man ja bald singen

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10 little nigger-boys!3