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Engels an Hermann Engels
in Barmen

Manchester, 18.Dez. 1868

Lieber Hermann,

F. Ris in Mittlöden hat sich etabliert als N. Dürst Söhne (Söhne des Kölners), sich von dort nach Zürich verzogen. Er war, glaub’ ich, früher bei Dürst, und der junge Dürst, der damals hier war, sprach recht vorteilhaft von ihm. Nach Bankauskunft aus Glarus soll Ris frs. 10 000 Kredit verdienen.

E. Burghardt ist Neffe und Schwiegersohn von dem Burgh[ardt] von Burghardt, Krenels & Co. (früher Associé von Burgh[ardt], Aders & Co.), den Du kennen wirst. Er etablierte sich hier und hat sicher einmal, wo nicht zweimal falliert, wobei so gut wie nichts herauskam. Ich traf ihn vor langen Jahren manchmal in einem Wirtshaus abends; seit er sich verheiratete, sah ich ihn so gut wie gar nicht mehr, und was er seitdem getrieben, weiß ich absolut nicht. Wozu braucht Ihr aber auch einen Agenten in München?

Sage der Mutter, ich habe von G. E[rmen] noch immer den Kontraktsentwurf nicht, er schiebt’s auf den Advokaten.1 Der Witz ist der, er möchte mich veranlassen, tüchtig Geld schon jetzt aus dem Geschäft zu ziehn, dann hätte er mich fest, aber so grün sind wir auch nicht.

Sei so gut, mir im Lauf des Januar meinen Kontokorrent zu schicken, da ich das noch Schuldige gern, sobald wie ich mit G. E[rmen] im reinen bin, abzahlen möchte. Du kannst auch sagen, ob ich an Funke oder nach dort remittieren soll.

Wenn ich die Sache mit G. E[rmen] hätte aufs äußerste treiben wollen, d. h. riskieren, daß wir brächen, und ich dann irgend etwas andres anfangen müßte, so glaube ich wohl, ich hätte ca. £ 750 mehr herausschlagen können. Aber es kam mir durchaus nicht drauf an, nochmals auf eine 10 Jahre – denn auf kürzere Zeit hätte sich ein neues Geschäft doch nicht verlohnt anzufangen – an den süßen Handel gebunden sein.

Inl. ein Haufen Photographien, wovon Ihr 2 nach Engelskirchen schicken und die übrigen dort verteilen könnt. Für die Mutter ist von jeder Sorte eines bestimmt.

Grüß die Mutter, Deine Frau und alle Geschwister herzlich und amüsiert Euch gut an den Feiertagen.
Mit bestem Gruß

Dein
Friedrich