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Engels an Marx
in London

Manchester, 13.Dez. 1868

Lieber Mohr,

Wenn das Kuvert sie hält, schicke ich Meyer und Serno zurück, sonst morgen vom Kontor aus, wo ich größere Kuverts habe.

Bei Meyer hat mich die Zusammenstellung von Böhmen und Chinesen amüsiert. Sonst wird mir sein falscher Jacob-Grimm-Stil doch etwas zu arg, die Kunst, mit geheimnisvollen Umschweifen möglichst wenig und das wenige unklar zu sagen.

Der Serno schreibt für einen Russen merkwürdig schlechtes Französisch, an seiner Broschüre muß ihm stark geholfen worden sein. Wenn Schaute1 das wüßte, daß Du mit einem Russen korrespondierst! Du kannst ihm dann antworten 1., daß der Name Serno, als Maskulinum, im Großrussischen unmöglich ist, weil o Neutralendung, dagegen im Kleinrussischen Mannsnamen auf o sehr häufig, der Mann also gar kein Moskowiter, sondern Ruthene – Maloróss2 ist; 2., daß er gebornes Mitglied der Schwefelbande ist: serny – сѣрный – heißt schwefelig, von sera, Schwefel, Solovjevič heißt Sohn der Nachtigall. Auf das Blättchen dieser Leute3 bin ich begierig, namentlich was er, Serno, für eine Wissenschaft entwickeln wird, da er ja so über die Ignoranz der Franzosen schimpft. Indes ist so ein französisches Organ immer sehr gut, viel besser als die belgischen Proudhonistenblätter.

Die Geschichte mit Schaute ist sehr hübsch.4

Jetzt versteh’ ich erst, was Du mit der Cottongeschichte gemeint hast; daß sich dies auch auf die Vorräte in Garn und Gewebe bezog, hattest Du allerdings ausgelassen. Dann aber ist zu bemerken, daß Du, um die Sache rationell zu erklären, 1861 mit hineinnehmen mußt, wo die kolossale 4-Millionen-Ernte von 1860 allmählich herüberkam. Wie die Ellison & H[aywood] dies auslassen können, ist mir unbegreiflich, falls nicht die Leute einen bestimmten Geschäftszweck bei ihrer Statistik hatten. Die große Amerikanische Ernte von 1860, die 61 nach England kam zur Zeit der paper blockade, ist die Basis der ganzen späteren Produktion. Ich will sehn, daß ich Dir hierüber, wenigstens was rohe Baumwolle betrifft, das Nötige schicke. Natürlich ändert dies nichts daran, daß ohne den amerikanischen Krieg 1861/62 ein ganz kolossaler Kladderadatsch, und diesmal aus reiner, unverfälschter und unverhüllter Überproduktion, hätte kommen müssen.

Das Beschweren mit China clay (dies China liegt in Derbyshire und Staffordshire, es ist feine Töpfererde, und china heißt hier Porzellan) ist erst seit 1863/64 aufgekommen. Es war mehrere Jahre Geheimnis verhältnismäßig weniger. Neulich ist einer deswegen zu 1060 £ damages5 verdonnert worden, ich hoffe, sobald ich aus dem Geschäft bin, gehn sie dem Gottfried auch auf den Leib von wegen dem Talkstein, den er für Baumwollengarn verkauft. Tussy mag wohl über das Garn schimpfen, wenn 25 bis 30% davon saure Mehlspeise versüßt mit Talkstein sind.

Ich bin sehr froh, daß der Arsenik so gewirkt hat und noch wirkt. Ich wäre mit der Schweinerei mit G[ottfried] E[rmen] im reinen.6 Ich kann dem Hund nicht über den Weg trauen und muß nach allen Regeln der Vorsicht handeln. Bis jetzt hab’ ich noch nicht einmal den Vertragsentwurf, was er auf den Advokaten schiebt, ich aber darauf, daß er selbst noch spintisiert, was er mir noch Schikanöses hineinsetzen könnte. Glücklicherweise hab’ ich einen Schreibbrief von ihm in der Hand, worin er selbst mir den betreffenden Vorschlag macht, und hab’ ich das Memorandum, das dem Advokaten gegeben wurde als Basis, selbst aufgesetzt. Aber ich merke schon jetzt, daß ihm daran liegt, daß ich Geld aus dem Geschäft ziehe, ehe ich mit ihm ganz im reinen bin – damit hätte er mich in der Hand und könnte mich zwacken. Sobald ich indes den Entwurf habe und finde, daß er fairly drawn up7 ist, schicke ich Dir so viel, daß Du die Schulden abzahlen und etwas cash in hand8 behalten kannst, und von Neujahr an fängt dann das neue Arrangement an. Ich komme möglicherweise selbst auf ein paar Tage zu Dir, wovon aber Schaute und Konsorten nichts wissen dürfen.

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädel.

Dein
F. E.