[Manchester] 1. Febr. 70
Lieber Mohr,
Erst gestern abend erhielt ich die betreffende „Zukunft“, daher kann ich die Jacobiyana erst heute zurückschicken. Warum der alte Jud Dich nicht genannt hat, ist sehr klar; er schämte sich wie ein Mops, sollte aber doch soviel gewußt haben, daß, nachdem Schw[eitzer] einmal zum Präsident gewählt, überhaupt nur zugegen war, ihm das Plagiat sicher unter die Nase gerieben würde; aber so ein alter Schlaukopf denkt in seiner Dummheit immer, es könne noch gut ablaufen. Wenn das so fortgeht mit den Bekehrungen, so werden wir bald den alten Herrgott aus dem rheinischen Sprichwort verdrängen, nach dem er „wunderliche Kostgänger hat“.
Für die „Democr[atic] News“ werde ich suchen Subsidien aufzutreiben. 12faches Abonnement kann zu nichts führen, da wir hier für die Masse Makulatur platterdings keine Verwendung haben. Auch wüßte ich nicht, was von hier aus berichtet werden könnte.
Dem Wilh[elm]1 werde ich das Betreffende mitteilen; ich vermute, daß er in seinem Blättchen vom „18. Brum[aire]“ nie gesprochen hat. Daß in Leipzig kein Exemplar zu haben, ist sicher gelogen, es sei denn, daß die ganze Auflage verkauft. Apropos, wie geht’s mit der französischen Übersetzung davon und von Deinem Buch?
Ich werde dem Wilh[elm] den „Bauernkrieg“ schicken, aber die Einleitung erst schreiben für den Gesamtabdruck. Für ein Feuilleton, das sich durch 6 Monate und mehr hinziehn kann, eine Einleitung schreiben, hat keinen Sinn.
Es ist ein wahres Glück, daß trotz G. Flourens bei Noirs Begräbnis nicht losgeschlagen ist. Die Wut des „Pays“ zeigt die arge Enttäuschung der Bonapartisten.2 Man kann sich ja nichts Besseres wünschen, als die ganze revolutionäre Masse von Paris außerhalb Paris, ja außerhalb der Festungsmauern, die nur ein paar Durchgänge haben, im freien Felde en flagrant délitsup>3 abzufassen. Ein halb Dutzend Kanonen an den Walldurchgängen, ein Regiment Infanterie in Tirailleurschwärmen und eine Brigade Kavallerie zum Dreinhauen und Verfolgen – und in Zeit von einer halben Stunde war die ganze waffenlose Menge – die paar Revolver, die einige in der Tasche führen mochten, zählen nicht – zersprengt, zerhauen oder gefangen. Da man aber 60 000 Mann Soldaten hatte, konnte man sie sogar in die Festungswälle einlassen, dann diese besetzen und die Menge in dem freien Terrain der Champs Elysées und an der Avenue de Neuilly zusammenkartätschen und niederreiten. Gottvoll! 200 000 unbewaffnete Arbeiter sollten, vom freien Felde aus, das mit 60 000 Soldaten besetzte Paris erobern!
Die französischen Zeitungen heute morgen angekommen. Besten Dank. Hast Du von „Land und Freiheit“ (dem russischen Ding) eine vollständige Übersetzung gelesen? Ich habe jetzt eine, Du kannst sie haben.
Beste Grüße an Deine Frau, Jenny und Tussy.
Dein
F. E.