London, 10. Dez. 1869
Dear Fred,
D’abord1, was die Solinger Sache betrifft. (Sind hier 2 £2 nötig? Ich glaube, nur eins.)
Diese Leute haben mich, den Central Council, den Basler Kongreß etc. gebothered3 mit ihren appeals4. Sie selbst geben zu, daß ihre Produktivgenossenschaft nur ein lokales Interesse hat. Wie können sie erwarten, daß das Ausland – angesichts der Opfer, welche die strikes etc. international kosten, angesichts der Bedrängnisse von hunderten französischer und englischer Produktivgenossenschaften – einen single farthing5 für sie spenden soll? Sie haben gesehn, was die begeisterten Aufrufe Beckers6 ihnen genützt haben.
Andrerseits: Diese Solinger sind für Dich und mich Stützen in der Rheinprovinz. Sie gehörten (the leaders7) zum Bund. Während Lassalles Oberherrschaft brachte, bei Anwesenheit des Marquis Itzig in Köln, derselbe Carl Klein einen toast auf uns, die Redakteure der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“, aus, und Itzig war gezwungen, de faire bonne mine à mauvais jeu8. Ferner: Ihre Genossenschaft war solid und hat sich jahrelang gehalten. Durch den Blödsinn der preußischen Gesetzgebung waren sie genötigt, ihr Kapital zu fixieren und daher ihr Betriebskapital zu schmälern. Dann kam, als die rheinischen Bourgeois ärgerlich wurden, Beschluß der letzteren, sie zu sprengen, teils durch Verkauf ihrer Obligations, teils durch Entziehung aller commercial9 (nicht auf Obligations) gegründeten advances10.
Die Sache hat also doch eine allgemeine und für uns eine persönliche Bedeutung.
Was ich vorschlage, ist dies:
Du schickst den Kerls 50 Taler für Obligations und sagst ihnen zugleich, daß sie doch selbst einsehn müssen, daß Du unter den englischen Bourgeois zu Manchester nichts für sie tun kannst. Du sagst ihnen zugleich – und dies ist fact –, daß ich in London alle möglichen Bemühungen für sie vergeblich gemacht habe. Du sagst ihnen schließlich – und ich werde das sofort versuchen –, daß ich versuchen werde, ob ich unter deutschen Bourgeois Geld für sie aufbringen kann. Ich werde – dies sagst Du ihnen natürlich nicht – an Menke in Hamburg zu diesem Behuf sofort schreiben. Es ist möglich, daß Menke (der Millionär ist und „Das Kapital“ von Anfang bis Ende mit „berichtigenden Noten“, die er mir selbst gezeigt, versehn hat) etwas tut. 2000 Taler sind nichts für diese Leute. Sie werden natürlich d’abord send somebody to Solingen11, um in das Innere der Sache zu sehn. Ist das Geschäft nicht lebensfähig, so soll und darf es nicht unterstützt werden. Wenn das Gegenteil, so bin ich sicher, daß diese Leute (Menke et Co.) das Geld geben werden.
Ad vocem: Irish Question.12 Ich ging letzten Dienstag13 nicht zum Central Council. Meine „family“ erlaubte mir’s nicht – obgleich ich unternommen hatte to open the debates14 –, in diesem fog15 und bei meinem present state of health16 – zu gehn.
Was den Bericht im „Nat[ional] Ref[ormer]“ betrifft17, so ist nicht nur Unsinn mir unterschoben, sondern, was richtig berichtet ist, ist falsch berichtet. Aber ich wollte nicht reklamieren. D’abord, würde ich dadurch den reporter (Harris) beleidigen. Und zweitens, solange ich mich nicht einmische, haben alle diese Berichte gar nichts Offiziöses an sich. Korrigiere ich etwas, so gebe ich zu, daß das andre richtig ist. Und alles, wie es reproduziert ist, ist falsch. Besides18, ich habe Gründe, diese Reports nicht in juristische evidence19 gegen mich zu verwandeln, und das geschieht von dem Augenblicke, wo ich details berichte.
Die Art, wie ich nächsten Dienstag die Sache vorbringen werde, ist die: daß, ganz abgesehn von aller „internationalen“ und „humanen“ justice-for-Ireland-Phrase – die sich im international council von selbst versteht –, es das direkte, absolute Interesse der English Working Class ist, to get rid of their present connexion with Ireland20. Und dies ist meine vollste Überzeugung, und aus Gründen, die ich teilweise den englischen Arbeitern selbst nicht mitteilen kann. Ich habe lange geglaubt, es sei möglich, das irische Regime durch English Working Class ascendancy21 zu stürzen. Ich habe stets diese Ansicht in der „New-York Tribune“ vertreten. Tieferes Studium hat mich nun vom Gegenteil überzeugt. Die englische working class wird nie was ausrichten, before it has got rid of Ireland22. Der Hebel muß in Irland angelegt werden. Dadurch ist die irische question so wichtig für die soziale Bewegung überhaupt.
Den Davies habe ich extraktweis viel gelesen. Das Buch selbst hatte ich nur oberflächlich durchblättert im Museum. Du verpflichtest mich also, wenn Du mir die auf common property23 bezüglichen Stellen ausschreibst. Du mußt Dir Curran’s „Speeches“, edited by Davies (London: James Duffy, 22 Paternoster Row) anschaffen. Ich wollte Dir es damals mitgeben, als Du in London warst. Jetzt zirkuliert es unter den englischen members of the Central Council24, und Gott weiß, wann ich es wiedersehe. Für die Periode von 1779–1800 (Union) ist es entscheidend wichtig, nicht nur wegen Curran’s „Speeches“ (namentlich gerichtlichen; ich halte Curran für den einzig großen Advokaten (Volksadvokat) des 18. Jahrhunderts, die nobelste Natur, während Grattan parlamentarischer Lump), sondern weil Du darin alle Quellen über die United Irishmen angeführt findest. Diese Periode vom höchsten Interesse, scientifically and dramatically25. Erstens, die Sauereien der Engländer von 1588–89 wiederholt (vielleicht noch gesteigert) 1788–89. Zweitens, in der irischen Bewegung selbst Klassenbewegung leicht nachzuweisen. Drittens die infame Politik des Pitt. Viertens, was die Herrn Engländer sehr ennujieren wird, Nachweis, daß Irland scheiterte, weil, in fact, from a revolutionary standpoint26, die Irländer zu weit avanciert waren für den English King and Church Mob27, während andrerseits die englische Reaktion in England (wie zu Cromwells Zeit) in der Unterjochung Irlands wurzelte. Diese Periode muß in wenigstens einem Kapitel dargestellt werden, Schandsäule für John Bull!
Beiliegend Französisches – und im Gegensatz Freiligrathsches!
Es ist mir lieb, wenn Du das Geld für nächstes Quartal so früh als möglichst schickst.
Apropos. Tussy hat a foolish work28 unternommen, ein Sofakissen zu sticken für Euch für Weihnacht. Ich glaube nicht, daß sie bevor Neujahr fertig wird. Sie erlaubt weder Mama, noch Jennychen, noch Lenchen29, einen Stich zu tun, und tut daher seit Wochen nichts Andres. Dies jedoch ist ein großes Geheimnis, und Du darfst natürlich nicht in der leisesten Weise andeuten, daß Du davon unterrichtet bist. Tussy würde mich auffressen.
Compliments to Mrs. Lizzy.
Dein
K. Mohr
Von dem Französischen, das ich Dir schicke, ist „Gaulois“ – halb bonapartistisch, halb Opposition – stupid. Der „Père Duchêsne“ wird Dich durch seine Frechheit in Erstaunen setzen. Und in solchem state of things30 wagt das Saumensch, die Eugénie, sich vorzudrängen? Sie will durchaus gehangen sein.
Apropos. Die Übersetzung des „Kapital“ goes on31. Jedoch hat Keller sie jetzt unterbrochen. Er will vorher den „18. Brumaire“ herausgeben, glaubt, daß dies unter den jetzigen Zuständen möglich und für Frankreich wichtig.
Was die jetzige irische Bewegung angeht, 3 wichtige Momente: 1. Opposition gegen Advokaten und trading politicans32 und blarney33; 2. Opposition gegen die Diktate der Pfaffen, die (die vornehmen) wie zu O’Connells Zeiten, wie 1798–1800, traitors34; 3. Aufkommen der agricultural labouring class35 gegen die farming class on the last meetings36. (Ähnliches Phänomen von 1795–1800.)
Der „Irishman“ kam nur auf durch die Unterdrückung der Fenian press. Er hatte sich für lange Zeit in opposition to Fenianisme gehalten. Luby etc. of the „Irish People“ etc. waren gebildete Leute, die die Religion als Bagatelle behandelten. Die Regierung steckte sie ins Gefängnis, und dann kamen die Pigotts et Co. Der „Irishman“ bleibt nur so lange etwas, bis jene Leute wieder aus dem Gefängnis heraus sind. Das weiß er, obgleich er jetzt political capital aus der Deklamation für die „felon convicts“37 herausschlägt.