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Marx an Engels
in Manchester

Hannover, 25. Sept. 1869

Lieber Fred,

Ich habe heute zwei unangenehme Nachrichten von Haus erhalten. Der kleine Schnappi1 befindet sich sehr schlecht und hat während unsrer kurzen Abwesenheit 1½ Pfund Gewicht verloren. Kugelmann besteht darauf – und schreibt heut in diesem Sinn nach London –, daß Dr. West in London, berühmter Kinderarzt, und wie er glaubt, Professor an Lafargues Hospital (St. Bartholomews) konsultiert werde. – Zweitens, Laure wieder in interesting circumstances2, was für sie selbst und Lafargue gleich pechvoll ist.

Wir sind seit 8 Tagen hier. Wir hielten uns einige Tage in Belgien (Bruges und Lüttich) auf, dann nach Köln. Von da Besuch bei Denker Dietzgen in Siegburg. Von da nach Bonn, von da mit Dampfschiff nach Mainz. Diese Fahrt entzückte Jennychen. Leider getrübt durch zudringlichen Gast. In Bonn hatte ich abends Hagen besucht. Nicht zu Haus. Kommt den folgenden Morgen im Augenblick unsrer Abreise. Unter dem Vorwand, uns bis Rolandseck zu begleiten, bleibt er uns auf dem Hals bis Mainz. In Mainz brachten wir einen Tag bei Stumpf zu, der allerliebste Familie hat (Tochter und Schwester). Bei der Gelegenheit Abstecher nach Wiesbaden. Ems ausgelassen. Einen Tag in Aachen bei Karl Philips.

Bei dieser Tour durch Belgien, Aufenthalt in Aachen und Fahrt den Rhein herauf, habe ich mich überzeugt, daß energisch, speziell in den katholischen Gegenden, gegen die Pfaffen losgegangen werden muß. Ich werde in diesem Sinn durch die Internationale wirken. Die Hunde kokettieren (z. B. Bischof Ketteler in Mainz, die Pfaffen auf dem Düsseldorfer Kongreß usw.), wo es passend scheint, mit der Arbeiterfrage. Wir haben in der Tat 1848 für sie gearbeitet, nur sie genossen die Früchte der Revolution während der Reaktionszeit.

Überall, wo ich durchkam, wußte man nichts von meinem „[Louis] Bonaparte“. Ich habe Meißner keineswegs artige Noten über diesen Punkt zukommen lassen. Bisher hat er nicht geantwortet.

Liebknecht hat mir wieder geschrieben wegen Deines „Bauernkriegs“, der als Propagandaschrift gedruckt werden soll. Da diesmal die Sache unter den Auspizien der Eisenacher Zentralbehörde erscheint, so rate ich Dir, die nötigen Korrekturen zu machen und die Sache ohne weiteres einzuschicken. Da ich in ein paar Tagen wohl Rendezvous mit Wilhelm haben werde3, so schreib mir umgehend über Deine intentions4.

Feuerbach hat in ähnlichem Sinn – mutatis mutandis5 – wie Ruge6 über mein Buch7 an Kapp in New York geschrieben, der die Sache wieder unserem Meyer8 zu St. Louis mitgeteilt hat.

Jennychen hat noch keinen ordre de retour9 von ihren employers10 erhalten. Die Sache ist öklich. Einerseits ist es schwer, so rasch hier fortzukommen. Andrerseits tut die change11 dem guten Kind sehr wohl. Sie sieht ganz brillant aus.

Herzlichste Grüße an Mrs. Burns und Tussychen.
Salut.

Dein
K.M.