125
Engels an Marx
in London

Manchester, 29. Nov. 1868

Lieber Mohr,

Überlege Dir die Antwort auf inl. Fragen ganz genau und beantworte sie mir umgehend, so daß ich Dienstagmorgen Deine Antwort habe.

1. Wieviel Geld brauchst Du, um alle Deine Schulden zu bezahlen, so as to have a clear start1?

2. Kannst Du mit £ 350 für die gewöhnlichen regelmäßigen Bedürfnisse im Jahr auskommen (wobei ich Extrakosten durch Krankheit und unvorhergesehene Ereignisse ausschließe), d. h. so, daß Du dabei keine Schulden zu machen brauchst. Wo nicht, so gib mir die Summe an, die dazu erforderlich ist. Alles vorausgesetzt, daß alle alten Schulden vorher abgezahlt sind. Diese Frage ist natürlich die Hauptfrage.

Meine Unterhandlungen mit G[ottfried] E[rmen] nehmen nämlich die Wendung, daß er mich am Ende meines Kontrakts – 30. Juni – abkaufen will, d. h., er bietet mir eine Summe Geldes, wenn ich mich verpflichte, auf 5 Jahre in kein Konkurrenzgeschäft zu gehn, und ihm erlaube, die Firma weiterzuführen. Das ist grade, wohin ich den Mann haben wollte. Da aber in den letzten Jahren die Bilanzen schlecht gewesen sind, so ist es mir fraglich, ob diese Offerte uns in den Stand setzen wird, auf eine Reihe von Jahren ohne Geldsorgen zu leben, selbst den wahrscheinlichen Fall vorausgesetzt, daß wir durch allerhand Ereignisse wieder in Umzug nach dem Kontinent resp. Extrakosten versetzt werden. Die von G[ottfried] E[rmen] mir offerierte Summe (von der bei mir, schon lange ehe er sie mir offerierte, feststand, daß sie eventuell ausschließlich dafür verwandt werde, den Dir nötigen Zuschuß zu decken) würde mich in den Stand setzen, Dir £ 350 jährlich sicher für 5–6 Jahre zuzuweisen und bei außergewöhnlichen Fällen auch selbst noch etwas mehr. Aber Du begreifst, daß alle meine Arrangements umgeworfen würden, wenn sich von Zeit zu Zeit wieder eine Summe von Schulden anhäufte, die aus weiterem Kapital abgetragen werden müßte.

Eben weil meine Rechnung darauf beruhen muß, daß unsre Unterhaltungskosten nicht allein aus Revenue, sondern auch – von vornherein – zum Teil aus Kapital bestritten werden, eben deswegen ist sie etwas kompliziert und muß streng eingehalten werden, oder wir kommen in die Brüche.

Von Deiner Antwort, in der ich Dich bitte, mir gradaus die Sachen darzustellen, wie sie wirklich sind, wird es abhängen, wie ich G[ottfried] E[rmen] gegenüber weiter verfahre. Also bestimme die Summe selbst, die Du regelmäßig jährlich brauchst, und wir werden sehn, was zu machen ist.

Was nach obigen 5–6 Jahren geschehen wird, ist mir freilich selbst noch nicht klar. Wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist, würde ich dann allerdings nicht mehr imstande sein, Dir jährlich £ 350 oder gar mehr zu überweisen, aber immer noch mindestens £ 150. Bis dahin kann sich aber manches ändern und wird Deine literarische Tätigkeit auch imstande sein, Dir etwas einzubringen.

Beste Grüße an Deine Frau und die Mädchen. Von inl. Photogramms schick eins an Laura.

Dein
F. E.