London, 30.Nov. 1867
Dear Fred,
Mit Bezug auf Moses1 werde ich genau Dein Rezept befolgen. Jedenfalls müssen wir den Mann brauchen und zugleich verhindern, daß er uns mißbraucht. Mit Bezug auf Hilberg wäre es in der Tat gut, wenn man diese einzige uns bis jetzt offene „Revue“2 festhalten könnte, aber wie? ist mir noch nicht klar. Ich habe heute morgen copy Schorlemmer erhalten and send him my thanks for it3.
Wenn Du die Blätter gelesen, wirst Du gesehn haben, daß 1. d[er] International Council4 Memorial für die Fenians an den Hardy geschickt, 2. die Debatte über Fenianism (letzten Dienstag vor 8 Tagen5) öffentlich war und die „Times“ Report darüber brachte. Es waren auch Reporters der Dubliner Blätter, „Irishman“ und „Nation“ da. Ich kam erst sehr spät (ich habe seit ungefähr 2 Wochen Fieber gehabt, was erst seit den letzten 2 Tagen vorüber) und hatte in der Tat nicht vor zu sprechen, erstens wegen meines unkomfortablen Körperzustandes und zweitens wegen der Häklichkeit der Situation. Indes wollte mich der chairman6 Westen forcieren, und darum trug ich auf adjournment7 an, wodurch ich verpflichtet, letzten Dienstag8 zu sprechen. Ich hatte in der Tat nicht einen speech9, wohl aber die points10 eines speech11 vorbereitet für Tuesday last12. Indes kamen die Irish Reporters13 nicht, und durch Warten auf sie war es 9 Uhr geworden, während das Lokal uns nur bis 10½ offenstand. Fox hatte, auf meine Veranlassung – (wegen quarrel im Council14 hatte er seit 2 Wochen sich nicht sehn lassen, außerdem seine resignation als member of the council15 eingeschickt mit groben Ausfällen auf Jung) – einen langen speech vorbereitet. Nach Eröffnung der séance16 erklärte ich daher, daß ich wegen belated hour17 das Wort an Fox abtrete. In der Tat – durch die dazwischengekommene Exekution zu Manchester – war unser Gegenstand „Fenianism“ mit augenblicklichen Leidenschaften und Erhitzungen verknüpft, die mich (nicht aber den abstrakten Fox) gezwungen hätten, statt der beabsichtigten sachlichen Analyse des Zustandes und der Bewegung ein revolutionäres Donnerwetter loszulassen. Die irischen Reporters haben mir also durch ihr Wegbleiben und dadurch verspätete Eröffnung der Sitzung großen Dienst geleistet. Ich liebe es nicht, mit Leuten wie Roberts, Stephens etc. mich zu vermengselieren.
Fox’ speech war gut, einmal, weil ein Engländer ihn hielt, dann, soweit die bloß politischen und internationalen aspects gehn. Er bewegte sich aber eben deswegen nur auf der Oberfläche. Die Resolution, die er vorbrachte, war abgeschmackt und inhaltslos. Ich widersetzte mich derselben und ließ sie an das standing committee zurückverweisen.
Was die Engländer noch nicht wissen, ist, daß seit 1846 der ökonomische Gehalt und daher auch der politische Zweck der englischen Herrschaft in Irland in eine ganz neue Phase eingetreten ist, und eben deswegen der Fenianism sich durch sozialistische (im negativen Sinn, als gegen die Appropriation des soil18 gerichtet) Tendenz und als lower orders movement19 charakterisiert. Was kann lächerlicher sein, als die Barbareien der Elisabeth oder des Cromwell, welche die Irländer durch englische Kolonisten (im römischen Sinn) verdrängen wollten, zusammenzuwerfen mit dem jetzigen System, welches die Irländer durch Schafe, Schweine und Ochsen verdrängen will! Das System von 1801–1846 (evictions20 während jener Zeit nur ausnahmsweis, speziell in Leinster, wo der Boden besonders zur Viehzucht taugt) mit seinen rackrents21 und middlemen22 brach zusammen 1846. Die Anticornlawrepeal23, z. T. Resultat, jedenfalls beschleunigt durch den Irish famine24, nahm Irland das Monopol, England in Durchschnittszeiten mit Korn zu versehn. Wolle und Fleisch ward das Losungswort, also conversion of tillage into pasture25. Daher von da an systematic consolidation of farms26. Der encumbered estates act, der eine Masse früherer, bereicherter middlemen zu landlords machte, beschleunigte den Prozeß. Clearing of the Estate of Ireland!27 ist jetzt der einzige Sinn der englischen Herrschaft in Irland. Die dumme englische Regierung in London weiß natürlich selbst nichts von diesem immense change28 seit 1846. Aber die Irländer wissen’s. Von Meaghers Proklamation (1848) bis herab zum Wahlschreiben Hennessys (Tory und Urquhartite) (1866), sprechen die Irländer ihr Bewußtsein hierüber in der klarsten und most forcible manner29 aus.
Fragt sich nun, was sollen wir den englischen Arbeitern raten? Nach meiner Ansicht müssen sie Repeal der Union (kurz den Witz von 1783, nur demokratisiert und den Zeitumständen angepaßt) zu einem Artikel ihres Pronunziamento30 machen. Es ist dies die einzig legale und daher einzig mögliche Form der irischen Emanzipation, die in das Programm einer englischen Partei aufgenommen werden kann. Die Erfahrung muß später zeigen, ob die bloße Personalunion zwischen den 2 Ländern fortexistieren könnte. Ich glaube es halb, wenn es zur Zeit geschieht.
Was die Irländer brauchen, ist:
1. Selbstregierung und Unabhängigkeit von England.
2. Agrarische Revolution. Die Engländer können die mit dem besten Willen nicht für sie machen, aber sie können ihnen die legalen Mittel geben, sie für sich selbst zu machen.
3. Schutzzölle gegen England. Von 1783–1801 blühte die irische Industrie in allen Zweigen auf. Die Union mit Niederwerfung der Schutzzölle, welche das irische Parlament errichtet hatte, zerstörte alles industrielle Leben in Irland. Das bißchen Leinenindustrie bietet in keiner Weise Ersatz. Die Union von 1801 wirkte ganz auf die irische Industrie, wie die Maßregeln zur Unterdrückung der irischen Wollenindustrie etc. von seiten des englischen Parlaments unter Anna, George II. etc. Sobald die Irländer unabhängig, würde die Not sie, wie Kanada, wie Australien etc., zu Protektionisten machen. Ehe ich meine Ansichten im Central Council31 (nächsten Dienstag, diesmal glücklicherweise ohne Gegenwart von Reporters) vorbringe, wäre mir lieb, wenn Du mir in ein paar Zeilen Deine Ansicht mitteilst.
Salut.
Dein
K.M.
Da Moses ein Vetter von Hirsch, wundert’s mich nicht, daß er selbst ein Geweih trägt. He bears it proudly.32