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Engels an Marx
in London

Manchester, 9. Juni 1864

Lieber Mohr,

Das Telegramm erhalten und folgen hierbei die andern halben fünf Banknoten. Das Glasphotogramm1 habe ich etwas geputzt und finde jetzt, daß es sehr gut ist, ich werde es heute abend Gumpert und seiner Gattin zeigen.

Daß Liebknecht in Berlin ist, ist allerdings für uns von der höchsten Wichtigkeit, der Überraschung des Itzigs willen, und auch um unterderhand in einem gegebnen Moment unter den Arbeitern Aufklärung über unsre Stellung zu ihm zu verbreiten. Wir müssen ihn jedenfalls dort halten und einigermaßen unterstützen. Wenn Du ihm jetzt Geld schickst, so wird ihn das sehr aufmuntern, und wenn Du glaubst, daß wieder etwas nötig ist, so schreib mir, daß ich Dir eine Fünfpfundnote für ihn schicke.

Apropos Nekrolog für Lupus. Wir müssen eine Art Biographie machen, ich denke, man läßt sie als Broschüre in Deutschland drucken, mit der ganzen Parlamentsverhandlung als Anhang. Laß uns die Sache nicht verschleppen.

Handschriftliche Notizen von Marx über Wilhelm Wolff

Marx' biographische Notizen über Wilhelm Wolff
(Juni 1864)

Wie steht es denn nach Borkheims Berichten mit dem Suezkanal? Ist denn schon wirklich etwas erreicht, das auf baldige Vollendung schließen läßt?

Wie es in Virginien gehn wird, darauf bin ich sehr begierig. Die Kräfte scheinen immer noch sehr nahe balanciert, und ein geringer Zufall, die Möglichkeit, ein einzelnes Grantsches Korps separat zu schlagen, kann Lee wieder das Übergewicht geben. Der Kampf vor Richmond kann schon unter ganz andern Verhältnissen geschlagen werden; denn Butler ist sicher schwächer als Beauregard, sonst hätte er sich nicht auf die Defensive drängen lassen, und wenn sie beide auch gleich stark sind, so wird Lee doch durch die Vereinigung mit Beaur[egard] in Richmond stärker als Grant durch die mit Butler; denn Lee kann von seinem verschanzten Lager aus auf jeder Seite des James River mit ganzer Macht auftreten, während Grant detachieren2 muß (nach der Südseite des Flusses). Ich hoffe aber, daß trotzdem Grant die Geschichte durchführt; jedenfalls ist sicher, daß Lee nach der ersten Schlacht in der Wilderness wenig Lust mehr gezeigt hat, Entscheidungsgefechte im offenen Feld zu liefern, dagegen seine Hauptmacht stets in verschanzten Stellungen gehalten und nur kurze offensive Schläge gewagt hat. Auch gefällt mir der methodische Gang von Grants Operationen. Das ist für dies Terrain und diesen Gegner die einzig richtige Methode.

Für die Solinger3 wird hier mit Sammeln nichts aufzutreiben sein, dagegen versteht es sich, daß ich Dir etwas für sie schicke. Laß mich wissen, wenn es soweit ist, wieviel Ihr für die Reise habt und wieviel sie kostet.

Unser alter Hill hat vorvorgestern endlich seine Kasse abgegeben, kann sich aber begreiflicherweise noch gar nicht vom Kontor trennen; er macht es noch jeden Tag unsicher, ganz in der alten Manier. Heute erst ist er wenigstens den Morgen weggeblieben, aber nach dem Essen konnte er's nicht mehr aushalten.

Viele Grüße.

Dein
F. E.