London, den 9ten April 18581
Lieber Herr Lassalle!
Seit Karl das letzte Mal an Sie schrieb2, hat sein Leberleiden, an dem er schon damals litt und das leider jedes Frühjahr wiederkehrt, so zugenommen, daß er beständig medizinieren mußte und heute sich so unfähig zum Schreiben fühlt, daß er mich beauftragt hat, Ihnen seinen herzlichsten Dank für Ihre vielen freundlichen Bemühungen in seinem Interesse auszusprechen. Auch ich kann nicht umhin, Ihnen meine Freude über das glückliche Zustandekommen des Kontrakts auszudrücken, und ich sehe daraus, daß Sie noch nicht ganz in den theoretischen Arbeiten aufgegangen sind und neben dem Versenken in den „Heraklit“ (an dem ich auch herumstudiere) auch noch Ihr praktisches Geschick bewahrt haben, und, wie die Engländer sagen, „a clever manager“3 geblieben sind. Längst schon hätte Karl Ihnen auch schon länger über Ihr Werk geschrieben; aber alles Schreiben wird ihm so schwer. Die geistige Unruhe und Aufgeregtheit, seine Arbeiten nicht rasch in einem Guß zum Abschluß bringen zu können, trägt natürlich viel zur Verschlimmerung seines Zustandes bei; sowie auch die lästigen Arbeiten für das „daily bread“4, die sich ja auch nicht aufschieben lassen. Indessen hoffen wir doch, daß er imstande sein wird, das Manuskript zu rechter Zeit abzuliefern. Sobald Karl sich wieder etwas besser fühlt, wird er Ihnen schreiben, und so nehmen Sie denn einstweilen mit diesen wenigen Zeilen vorlieb und seien Sie herzlich gegrüßt von
Jenny Marx