151
Marx an Engels
in Manchester

2 July 1858
9, Grafton Terrace, Maitland Park,
Haverstock Hill, London

Lieber Engels,

Der Aufschub in Anzeige Deiner „Kavallerie" verursacht durch großen häuslichen trouble1. Das jüngste Kind2 hat seit Wochen den hooping-cough3, eine sehr ängstliche Krankheit, und meine Frau ist auch sehr unwohl. So bin ich, zusammen mit allerlei andern häuslichen Wirren, verdammt im Arbeiten unterbrochen worden.

Du weißt, daß ich in Jersey unsrem Schramm eine amerikanische Korrespondenz verschafft habe. Jetzt, nach seinem Tode, und nachdem er verschiednemal getreten, ist sein Honorar, some 6 pounds arriviert4 und natürlich Herrn Rudolf5 als Taschengeld zugefallen.

Sonst nichts Neues hier. Ich glaube, dies Londoner deutsche Blättchen, das Gumpert hielt, ist der „vereinigten Demokrat[ie]" sub auspiciis6 des großen Blind unter dem Titel „Neue Welt" zugefallen.

Ich unterstelle, daß Du die Erklärungen des Herrn Türr wie der ungarischen Emigration zu Konstantinopel im „Star" gelesen hast. Wo nicht, schick' ich Dir die „Free Press". Kossuth verharrt einstweilen noch in starrem Schweigen. Unser Auszug aus Bangyas Geschichte in der „Tribune" erschienen.7 Der Skandal in New York wird K[ossuth] zum Sprechen zwingen. Es ist möglich, daß ich so noch direkt in der Geschichte mich erklären muß. Pulszky hatte de longue main8 einen Ausweg in der „Tribune" eröffnet, wo er Bangya als alten Metternichschen (!) Spion bezeichnet. Klapka, den ich einen Augenblick bei Freiligrath sah, bemerkte trocken in bezug auf B[angya]: „finis coronat opus"9. Er scheint sehr blasiert über Kossuth. Macht einstweilen in türkischen Aktienschwindeleien.

Einliegend zwei Briefe aus New York.

Von Ephraim Gescheit10 habe ich seit 2 Wochen nichts gehört. Da ich, of course11, überzeugt war, daß mein Brief12 zu keineswegs diskretem Gebrauch seinerseits berufen war, habe ich ihn sehr vorsichtig gehalten, so that it will be extremely difficult for him to abuse it13. Abgesehn von den speziellen circumstances des case14, worin ich ihm ziemlich wörtlich Deine Ansicht wiederholt, habe ich das Duell nur sofern angegriffen, als es sub specie15 eines Kastenprivilegiums von Kerls in Anspruch genommen wird, die glauben, daß man ihre Insulte anders züchtigen muß als die eines Schneiders, Schusters usw. Solcher albernen Prätention gegenüber und solchen Burschen gegenüber sei es revolutionär, sich auf den „Knotenstandpunkt" und „Holzkomment" zu stellen. Andrerseits der Prinzipienreiterei des Ephraim antworte ich damit, daß das Duell unter die Dinge gehöre, die Aristoteles als „gleichgültig" bezeichne, die man tun und lassen könne. Er habe allerdings recht, daß es Reliquie einer verkommenden Entwicklungsstufe sei, aber bei der „Einseitigkeit und Borniertheit der bürgerlichen Verhältnisse könne sich die Individualität manchmal nur in feudaler Form geltend machen".

Ich erwarte, daß Du unter allen Umständen nächste Woche einen Artikel über Indien16 schickst. Das Material ist immer hinreichend für einen „Tribune"-Artikel, die sonst „Times" etc. abdruckt. Die Hauptsache ist überhaupt nur, daß Artikel geschickt werden.

Salut.

Dein
K.M.

Gruß an Lupus.

Humboldt hat einen sehr „schmeichelhaften" Brief in der „Tribune" veröffentlicht, an Fröbel adressiert, der seine amerikanischen Reisen zusammen veröffentlicht hat.