Lieber Marx,
Hierbei der Brief von Cluß zurück. Die Sache wird wohl auf sich beruhen müssen, bis wir das ganze Hirschsche Aktenstück nebst seiner von Weyd[emeyer] zurückgehaltenen ersten Erklärung (weißt Du was Näheres über diese?) vor Augen haben. Die Geschichte mit Bangya ist nicht angenehm, indessen au bout du compte1 ist es besser, sie jetzt abzumachen als später. Wie Du mir schriebst, hast Du jetzt ja volle Beweise gegen Bangya in der Hand, auch ist der Zerffi ja da, um die Geschichte mit Greif2 zu bezeugen. Da wir jetzt wissen, was kommt, haben wir Zeit, unsre Antwort gehörig zurechtzumachen. Ich werde B[angya]s und des falschen Collmann Briefe heraussuchen3. Die Broschüre4 kann meinetwegen in Amerika gedruckt werden.
In Hirschs Aussage sind manche Sachen ganz richtig, z.B. mit dem Brief von Dir aus Manchester. Dabei lügt und verschweigt er aber natürlich gehörig. So vergißt er zu erzählen, daß er, offenbar nicht ohne Absicht, Dir nach Manchester nachreiste und uns eines Sonntags auf dem Bury New Road mit einem andern Bummler begegnete und im Vorbeigehn ganz laut schrie: „Guten Tag, Marx!“ Du erinnerst Dich, wir wunderten uns, wer es gewesen sei, ce fut notre cher Hirsch5. Ebenso die Geschichte mit dem Brief der Frau Daniels und der Haussuchung.
Es ist komisch, wie viele Coopersche Spione jetzt auftauchen. Chenu, Cherval, Hirsch. Gut ist es, daß der Hirsch bezeugt, B[angya] habe nie etwas über Dich rapportieren können als Privatklatsch.
Die angegebenen Personen müßten erforscht werden. Der Lanckoroński ist offenbar derselbe, den Du als „Graf L.“ in dem Kossuth-Bonaparte-Artikel6 als russischen Agenten denunziert hast. Was Bangya angeht, so sind wir vollständig gedeckt durch Kossuth und Szemere, und da er Manuskript von Szemere in Händen hatte, warum nicht auch von uns? Es ist sehr gut, daß wir immer alles behalten haben, was wir in die Finger bekamen.
Apropos. Der Dronke schimpfte neulich so schrecklich, daß er von mir das Reichen[bach]sche Zirkular nicht at a moment's notice7 erhalten konnte, und jetzt find' ich's in dem Paket amerikanischer Zeitungen wenigstens zehnmal gedruckt. Konnte der Faulenzer es sich nicht selbst heraussuchen?
Pour revenir.8 Ich glaube nicht, daß vorderhand, d.h. bis nach vollständiger Einsicht der Akten, etwas öffentlich geschehen kann; bloß vorbereitende Schritte, u.a. auch Nachspürung, woher das Dokument kommt und wo der Hirsch jetzt ist, was er treibt; im Notfall eine Konfrontation des Kerls, um eine weitere schriftliche Erklärung von ihm auszupressen. Der Fleury-Geschichte wegen des Diebstahls werde ich auch sofort weiter nachforschen, leider ist mein Informant, der ihn persönlich kennt, krank. Besorge mir nur gleich das verlangte Signalement pp.
Die mir zugeschickten amerikanischen Zeitungen hab' ich heute größtenteils durchgestöbert. Manches ist sehr amüsant, aber es ist, so in einem Haufen, doch eine angreifende Arbeit, die einen sehr dumm macht. Sehr nett sind dagegen Cluß' Briefe. Wie ich sehe, stehn die „Enthüllungen“ schon in der „N[eu]-Engl[and]-Zeitung“; es ist doch arg, daß Weydem[eyer] sie nicht in die „Criminal-Zeitung“ gebracht hat. Er wird wenigstens jetzt den Hauptinhalt nachholen müssen – gib ihm doch per nächsten Steamer einen groben Wink deshalb mit dem Scheunentor, sonst denkt er am Ende gar nicht dran.
Den Haufen „Demokraten“ (New-Yorker), worin Weyd[emeyer] seine Artikel anbringt, hab' ich noch nicht gelesen, das wird für heut abend aufgespart.
Unter uns gesagt, ist es mir jetzt so gut wie ausgemacht, daß Monsieur Bangya doch die Kothesche Adresse9 verraten hat. Gut, daß kein Mensch es weiß.
Wird die Geschichte mit Hirsch und Bangya verwickelter, so finden wir am Ende eine neue Arbeit für uns, wenn Du herkommst. Wie sieht es mit Deiner Reise aus? Ich denke doch, Dich spätestens im Mai hier zu sehen.
Meinen Brief vom Freitag mit £3 wirst Du erhalten haben. Beste Grüße an Deine Frau.
Dein
F. E.
[Manchester] Sonntag, 10. April [1853]