Lieber Marx,
Gestern vor 8 Tagen schickte ich Dir einen Brief für Harney und habe seitdem keine Antwort von Dir, was mich einigermaßen in Verlegenheit setzen könnte, wenn ein Brief von H[arney], der jeden Tag ankommen kann, rasche Beantwortung erfordern sollte, oder wenn die Unterhandlungen der hiesigen neuen Chartistenclique, wegen eines Besuchs Harneys hier, zum Ziele führten und er mir eines schönen Morgens auf die Kneipe gerückt käme. Ich hoffe, daß Du alles richtig erhalten hast und daß es nicht Unwohlsein ist, was Dich vom Schreiben abhält. Vielleicht sagt Dir der Brief nicht zu oder die Manier, mit der ich ohne weitere Beratung mit Dir sofort auf eigne Faust handelte. Aber gerade deswegen schickte ich ihn Dir ja, und hattest Du etwas auszusetzen, so war nichts einfacher, als dem Harney einfach sagen zu lassen, er solle vorderhand meine Artikel1 nicht drucken lassen, und mir den Brief zurückzuschicken nebst Glossen, which you know would have had all due attention2.
Jedenfalls bin ich Dir noch seit längerer Zeit die Antwort auf die currency-Geschichte3 schuldig. Die Sache selbst ist meiner Ansicht nach ganz richtig und wird sehr dazu beitragen, die verrückte Zirkulationstheorie auf einfache und klare fundamental facts4 zu reduzieren. Über die Ausführung in Deinem Brief finde ich nur folgendes zu bemerken:
1. Gesetzt, im Anfang der period of pressure5 stände die Rechnung der Bank of England, wie Du sagst, mit £ 12 000 000 deposits und 8 Millionen bullion6 oder coin7. Um die überflüssigen £ 4 Millionen bullion loszuwerden, läßt Du sie den Diskontosatz herabsetzen. Ich glaube, daß sie das nicht zu tun brauchte, und soviel ich mich erinnere, ist die Herabsetzung des Diskontosatzes im Anfang der pressure bisher nie vorgekommen. Meiner Ansicht nach würde die pressure sofort auf die deposits wirken und sehr bald nicht nur das Gleichgewicht zwischen bullion und deposits herstellen, sondern die Bank zwingen, den Diskontosatz zu erhöhen, damit das bullion nicht unter ¹/₃ der deposits sinkt. In demselben Maß, wie die pressure zunimmt, stockt auch die Zirkulation des Kapitals, der Umsatz der Waren. Die einmal trassierten Wechsel verfallen aber und wollen bezahlt sein. Daher muß das Reservekapital – die deposits – in Bewegung gesetzt werden – Du verstehst, nicht qua currency8, sondern qua capital9, und so wird der einfache drain of bullion10, nebst der pressure, von selbst hinreichen, die Bank von ihrem überflüssigen bullion zu befreien. Dazu ist nicht nötig, daß die Bank ihren Zinsfuß unter Verhältnissen herabsetzt, die den allgemeinen Zinsfuß im ganzen Lande gleichzeitig steigern.
2. In einer Periode der wachsenden pressure würde, wie ich glaube, die Bank in demselben Maß das Verhältnis des bullion zu den deposits steigern müssen (um nicht in Verlegenheit zu kommen), in welchem die pressure zunimmt. Die 4 überzähligen Millionen würden ihr ein gefundenes Fressen sein, und sie würde sie so langsam ausgeben wie nur möglich. Bei steigender pressure würde, unter Deinen Voraussetzungen, ein Verhältnis des bullion zu den deposits wie ²/₅:1, ¹/₂:1 und selbst ³/₅:1 durchaus nicht übertrieben sein, und um so leichter durchzuführen, als mit der Abnahme der deposits auch die bullion reserve absolut abnimmt, wenn auch relativ zunehmen würde. Der run11 auf die Bank ist hier ebenso möglich wie beim Papiergeld und kann durch ganz gewöhnliche Handelsverhältnisse herbeigeführt werden, ohne daß der Kredit der Bank erschüttert wäre.
3. „Die currency wird zuletzt berührt“, sagst Du. Deine eignen Voraussetzungen, daß sie infolge des stockenden Geschäfts berührt wird und dann natürlich weniger currency nötig ist, führen zu dem Schluß, daß die currency sich gleichzeitig mit der Aktivität des commerces vermindert und ein Teil derselben überflüssig wird in dem Maß, wie die pressure steigt. Fühlbar wird sie freilich erst am Ende, bei hoher pressure, vermindert; aber im ganzen geht doch dieser Prozeß vom Beginn der pressure an vor sich, wenn er sich auch nicht tatsächlich im einzelnen nachweisen läßt. Aber insofern, als dies superseding12 eines Teils der currency Folge der übrigen kommerziellen Verhältnisse, der von der currency unabhängigen pressure ist, und alle andren Waren und Handelsverhältnisse vor ihr davon betroffen werden, und ebenfalls insofern diese Abnahme bei der currency zuletzt praktisch fühlbar wird, insofern wird sie allerdings zuletzt von der Krise berührt.
Diese Glossen, wie Du siehst, beschränken sich rein auf Deinen modus illustrandi13; die Sache selbst ist vollständig in Ordnung.
Dein
F.E.
[Manchester] Dienstag, 25.Febr. [1851]