Lieber Marx,
Je te trouve joli en me disant que se suis taciturne comme la mort1, will indes von Retourkutschen abstinieren.
Die klobige Perfidie des Pommern Ruge geht wirklich ins aschgraue. Es wäre am einfachsten, wenn Du eine Erklärung aufsetztest, die wir zusammen unterschrieben. Einzelne persönliche Bemerkungen, wenn allenfalls nötig, könnten in Gestalt von Noten angehangen und von jedem von uns separat unterzeichnet werden. Ich weiß nicht, ob es nötig ist, daß ich privatim noch etwas hinzusetze, es sei denn, daß ich in meiner kommerziellen Stellung meine volle Unabhängigkeit bewahrt habe und so stehe, daß ich mir von meinen „Prinzipalen“, wie Herr Ruge von seinem Vorgesetzten Mazzini, trotz aller früheren atheistischen Renommagen, nicht die Unterschrift zu rührenden Appellen an den bon Dieu2 kommandieren zu lassen [brauche]; und daß ich diese line3 eingeschlagen habe, um nicht in die Notwendigkeit zu kommen, in der andre von Herrn R[uge] gegen uns hervorgehobne Biedermänner sich behaglich befinden, nämlich von demokratischer Bettelei zu leben – oder so ähnlich. Sage mir, ob Du meinst, daß das nötig ist.
Der Artikel mit seiner sittlichen Entrüstung und den kolossalen Lügen gibt übrigens famosen Stoff zur Verhöhnung. Er leitet zugleich auf die Spur der Rugeschen Intrigen. Daß Herr R[uge] und das Mazz[inische] Europäische Komitee dem braven Reverend Dulon sehr in die Nase steigen mußten und daß unter diesen nordgermanischen niedersächsischen Heuldemokraten mit bremisch-wassermäulig-belletristischer Sauce sich der einzig passende Boden für die erhabnen Mazzinischen Manifeste in Deutschland finden konnte, ist sehr natürlich. Die Lichtfreundschaft dieser Herren mußte in Ronge-Mazzini und dem zu Gott zurückgekehrten Ruge erwünschte Bundesgenossen finden und die Ehre, mit den größten Männern der europäischen biedern Demokratie als „deutsches Komitee“ in offizieller Korrespondenz zu stehn, mußte den breiweichen Pfaffen Dulon natürlich empfänglich machen für die Duldung der größten Gemeinheiten gegen die „frivolen“ und gottlosen Leute der „Neuen Rheinischen Zeitung“. R[uge] hat auch die Courage erst, seit er sich einbildet, die „Revue“ sei tot. Ich denke aber, er täuscht sich und wird binnen kurzem ein hübsches Donnerwetter über seinem possierlichen Schädel erleben.
Wäre es nicht gut – da wir doch unmöglich wegen dieses Artikels großen Lärm schlagen und anders als in der „Tages-Chronik“ antworten können – unterderhand den P.P.Dulon durch seinen Freund, den roten Becker4, bearbeiten zu lassen? Wir sind, nach diesen Gemeinheiten, sonst nicht einmal der Aufnahme unsrer Antwort gewiß.
Daß aber die alberne Manier von Schramm und seine unüberlegten Renommagen, die er, nach diesem Artikel zu urteilen, bei seinem Bruder5 gemacht hat, erst diesen Eseln Mut gemacht haben, gegen uns, die „Alleinstehenden, von allen Verlassenen“ so kommun herauszuplatzen, ist sonnenklar. Der Mensch wird jetzt selbst einsehn, von welcher Gemeinheit er das Werkzeug geworden ist, und er muß auch einsehn, daß er sich durch seine Dummheit mehr schadet als andern. Der große R[uge] courtisiert ihn nicht einmal, was er doch dem Tellering halb und halb antut. „K.Schr[amm], nicht zu verwechseln!“ Was macht der Kerl jetzt? Cette affaire est de peu d’importance.6 Erologener und mißverstandner Klatsch, schwerfällige und unverständliche Insinuationen und moralische Aufspreizung – nous avons soutenu, Dieu merci, de bien autres charges!7 Unangenehm ist nur, daß das Ding Deine Frau sehr aufregen wird, und das ist bei den momentanen Zuständen nicht zu wünschen.
Das Europäische Komitee werde ich nächste Woche im „F[rien]d of the P[eo]ple“ gehörig hernehmen; ich hab’s H[arney] schon angezeigt. Ich muß jetzt schließen, es ist Comptoirschluß und bald darauf Postzeit. Nächstens mehr.
Dein
F.E.
[Manchester] Samstag [25.Januar 1851]