[Paris, um den 1. August 1849]
Lieber Engels!
Ich habe sehr viele Unruhe für Dich ausgestanden und war wirklich erfreut, gestern einen Brief von Deiner Hand zu empfangen.1 Ich hatte Dronke (der hier ist) an Deinen Schwager2 schreiben lassen, um Auskunft zu erhalten. Der wußte natürlich nichts.
Meine ganze Familie ist hier; die Regierung hat mich nach Morbihan, den Pontinischen Sümpfen der Bretagne, ausweisen wollen. Bisher habe ich die Exekution verhindert. Soll ich Dir aber näher sowohl über meine Verhältnisse hier als über die allgemeinen schreiben, so mußt Du mir eine sicherere Adresse schicken, denn hier ist’s sehr ungeheuer.
Du hast jetzt die schönste Gelegenheit, eine Geschichte oder ein Pamphlet über die badisch-pfälzische Revolution zu schreiben. Ohne Deine Teilnahme an dem Krieg selbst hätten wir mit unsern Ansichten über diesen Ulk nicht hervortreten können. Du kannst dabei die Stellung der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ zur demokratischen Partei überhaupt glänzend herausbeißen. Ich bin überzeugt, daß die Sache ziehn und Dir Geldeinbringen wird.
Ich habe Unterhandlungen eingeleitet, um eine politisch-ökonomische Zeit (Monats-)schrift zu Berlin zustande zu bringen, die hauptsächlich von uns beiden geschrieben werden müßte.
Lupus ist auch in der Schweiz, ich glaube in Bern. Weerth war gestern hier, er etabliert eine Agentur zu Liverpool. Der rote Wolff3 wohnt hier bei mir. Die finanziellen Verhältnisse sind natürlich sehr zerrüttet.
Freiligrath ist nach wie vor in Köln. Wäre meine Frau nicht in einem état par trop intéressant4, so würde ich Paris gern, sobald es pekuniär möglich, verlassen.
Leb wohl. Grüß W[illic]h bestens und schreib umgehend unter der Adresse: M. Ramboz, rue de Lille 45.
Dein
K.M.