Die Analyse des Kapitals, innerhalb des bürgerlichen Horizonts, gehört wesentlich den Physiokraten. Dies Verdienst ist es, das sie zu den eigentlichen Vätern der modernen Ökonomie macht. Erstens die Analyse der verschiednen gegenständlichen Bestandteile, in denen das Kapital während des Arbeitsprozesses existiert und sich auseinanderlegt. Den Physiokraten kann man nicht zum Vorwurf machen, daß sie, wie alle ihre Nachfolger, diese gegenständlichen Daseinsweisen, wie Instrument, Rohstoff etc., getrennt von den gesellschaftlichen Bedingungen, worin sie in der kapitalistischen Produktion erscheinen, kurz, in der Form, worin sie Elemente des Arbeitsprozesses überhaupt sind, unabhängig von seiner gesellschaftlichen Form, als Kapital auffassen und damit die kapitalistische Form der Produktion zu einer ewigen Naturform derselben machen. Für sie erscheinen notwendig die bürgerlichen Formen der Produktion als die Naturformen derselben. Es war ihr großes Verdienst, daß sie diese Formen als physiologische Formen der Gesellschaft auffaßten: als aus der Naturnotwendigkeit der Produktion selbst hervorgehende Formen, die von Willen, Politik usw. unabhängig sind. Es sind materielle Gesetze; der Fehler nur, daß das materielle Gesetz einer bestimmten historischen Gesellschaftsstufe als abstraktes, alle Gesellschaftsformen gleichmäßig beherrschendes Gesetz aufgefaßt wird.
Außer dieser Analyse der gegenständlichen Elemente, in denen das Kapital innerhalb des Arbeitsprozesses besteht, bestimmen die Physio kraten die Formen, die das Kapital in der Zirkulation annimmt (capital fixe, capital circulant1, wenn bei ihnen auch noch mit andren Namen), und überhaupt den Zusammenhang zwischen dem Zirkulationsprozeß und Reproduktionsprozeß des Kapitals. Darauf zurückzukommen im Kapitel über die Zirkulation.
In diesen beiden Hauptpunkten hat A. Smith die Hinterlassenschaft der Physiokraten angetreten. Sein Verdienst – in dieser Beziehung – beschränkt sich auf Fixierung der abstrakten Kategorien, festere Taufnamen, die er den von den Physiokraten analysierten Unterschieden gibt.
||223| Grundlage für die Entwicklung der kapitalistischen Produktion ist, wie wir sahen, überhaupt, daß das Arbeitsvermögen als die den Arbeitern angehörige Ware den Arbeitsbedingungen als im Kapital an sich festhaltenden und von ihnen unabhängig existierenden Waren gegenübertritt. Als Ware ist die Bestimmung des Werts des Arbeitsvermögens wesentlich. Dieser Wert ist gleich der Arbeitszeit, die erheischt ist, um die zur Reproduktion des Arbeitsvermögens notwendigen Lebensmittel zu erzeugen, oder gleich dem Preis der zur Existenz des Arbeiters als Arbeiter notwendigen Lebensmittel. Nur auf dieser Grundlage tritt Differenz zwischen dem Wert und der Verwertung des Arbeitsvermögens ein, eine Differenz, die bei keiner andren Ware existiert, da der Gebrauchswert, also auch der Gebrauch keiner andren Ware, ihren Tauschwert oder die aus ihr resultierenden Tauschwerte erhöhen kann. Grundlage also für die moderne Ökonomie, deren Geschäft die Analyse der kapitalistischen Produktion ist, den Wert des Arbeitsvermögens als etwas Fixes, als gegebne Größe – was er auch praktisch in jedem bestimmten Fall ist – aufzufassen. Das Minimum des Salairs bildet daher richtig die Achse der physiokratischen Lehre. Diese Festsetzung war ihnen möglich, obgleich sie die Natur des Werts selbst noch nicht erkannt hatten, weil dieser Wert des Arbeitsvermögens sich in dem Preis der notwendigen Lebensmittel, daher in einer Summe bestimmter Gebrauchswerte darstellt. Ohne über die Natur des Werts überhaupt klar zu sein, konnten sie daher den Wert des Arbeitsvermögens, soweit es zu ihren Untersuchungen nötig war, als eine bestimmte Größe auffassen. Wenn sie ferner darin fehlten, daß sie dies Minimum als eine unveränderliche Größe auffaßten, die bei ihnen ganz von der Natur bestimmt ist, nicht von der historischen Entwicklungsstufe, [die] selbst eine Bewegungen unterworfne Größe ist, so ändert dies an der abstrakten Richtigkeit ihrer Schlüsse nichts, da die Differenz zwischen dem Wert und der Verwertung Werts begriffen werden. Also auch, wenn der Wert auf Gebrauchswert und dieser auf Stoff überhaupt reduziert wird. Die Agrikulturarbeit ist den Physiokraten daher die einzige produktive Arbeit, weil die einzige Arbeit, die einen Mehrwert schafft, und die Grundrente ist die einzige Form des Mehrwerts, die sie kennen. Der Arbeiter in der Manufaktur vermehrt den Stoff nicht; er verändert nur die Form desselben. Das Material – die Masse des Stoffs – ist ihm gegeben von der Agrikultur. Er setzt allerdings dem Stoff Wert zu, nicht durch seine Arbeit, sondern durch die Produktionskosten seiner Arbeit: durch die Summe der Lebensmittel, die er während seiner Arbeit verzehrt gleich dem Minimum des Salairs, das er von der Agrikultur erhält. Weil die Agrikulturarbeit als die einzig produktive Arbeit aufgefaßt wird, wird die Form des Mehrwerts, die die Agrikulturarbeit von der industriellen Arbeit scheidet, die Grundrente, als die einzige Form des Mehrwerts aufgefaßt.
Der eigentliche Profit des Kapitals, von dem die Grundrente selbst nur ein Abzweiger, existiert bei den Physiokraten daher nicht. Der Profit erscheint ihnen nur als eine Art höherer Arbeitslohn, der von den Grundeigentümern gezahlt wird, den die Kapitalisten als Revenue verzehren (also ebenso in die Kosten ihrer Produktion eingeht wie das Minimum des Salairs bei den gewöhnlichen Arbeitern) und der den Wert des Rohstoffes vermehrt, weil er in die Konsumtionskosten eingeht, die der Kapitalist, [der] Industrielle, verzehrt, während er das Produkt produziert, den Rohstoff in neues Produkt umwandelt.
Der Mehrwert in der Form des Geldzinses – andre Abzweigung des Profits – wird von einem Teil der Physiokraten, wie dem ältern Mirabeau, daher für naturwidrigen Wucher erklärt. Turgot dagegen leitet seine Berechtigung daher, daß der Geldkapitalist Land, also Grundrente, kaufen könnte, ihm also sein Geldkapital soviel Mehrwert schaffen muß, als er erhielte, wenn er es in Grundbesitz verwandelte. Damit ist also auch der Geldzins kein neugeschaffner Wert, nicht Mehrwert; sondern es ist nur erklärt, warum um ein Teil des von den Grundeigentümern erworbenen Mehrwerts dem Geldkapitalisten unter der Form des Zinses zufließt, ganz wie aus andren Gründen erklärt ist, warum dem industriellen Kapitalisten ein Teil dieses Mehrwerts unter der Form des Profits zufließt. Weil die Agrikulturarbeit die einzig produktive Arbeit ist, die einzige Arbeit, die Mehrwert schafft, ist die Form des Mehrwerts, welche die Agrikulturarbeit von allen andren Zweigen der Arbeit unterscheidet, die Grundrente, die allgemeine Form des Mehrwerts. Industrieller Profit und Geldzins sind nur verschiedne Rubriken, worin sich die Grundrente verteilt und zu bestimmten Teilen aus der Hand der Grundeigentümer in die Hand andrer Klassen übergeht. Ganz umgekehrt, wie die spätern Ökonomen seit A.Smith – weil sie den industriellen Profit mit Recht als die Gestalt fassen, worin der Mehrwert ursprünglich vom Kapital angeeignet wird, daher als die ursprüngliche allgemeine Form des Mehrwerts – Zins und Grundrente nur als Abzweigungen des industriellen Profits darstellen, der vom industriellen Kapitalisten an verschiedene Klassen, die Mitbesitzer des Mehrwerts sind, distribuiert worden.
Außer dem schon angegebenen Grund – weil die Agrikulturarbeit die Arbeit ist, worin das Schaffen des Mehrwerts materiell handgreiflich erscheint, und abgesehen von den Zirkulationsprozessen – hatten die Physiokraten mehrere andre Motive, die ihre Auffassung erklären.
Einmal, weil in der Agrikultur die Grundrente als drittes Element erscheint, als eine Form des Mehrwerts, die sich nicht in der Industrie oder nur verschwindend findet. Es war der Mehrwert über den Mehrwert (Profit) hinaus, also die handgreiflichste und auffallendste Form des Mehrwerts, der Mehrwert in zweiter Potenz.
„Durch die Landwirtschaft“, wie der naturwüchsige Ökonom Karl Arnd, „Die naturgemäße Volkswirthschaft etc.“, Hanau 1845, p. 461, 462, sagt, wird „ein Wert – in der Bodenrente – erzeugt, welcher in den Gewerben und im Handel nicht vorkömmt; ein Wert, welcher übrigbleibt, wenn aller aufgewendete Arbeitslohn und alle verwendete Kapitalrente ersetzt sind.“
Zweitens. Abstrahiert man vom auswärtigen Handel – was die Physiokraten zur abstrakten Betrachtung der bürgerlichen Gesellschaft richtig taten und tun mußten –, so ist es klar, daß die Masse der in der Manufaktur etc. beschäftigten, selbständig von der Agrikultur losgelösten Arbeiter bestimmt ist – dies die „freien Hände“, wie Steuart sie nennt –, bestimmt ist durch die Masse der Agrikulturprodukte, die die Ackerbauarbeiter über ihren eignen Konsum hinaus produzieren.
„Es ist unverkennbar, daß die relative Anzahl von Menschen, die, ohne selbst Ackerbauarbeit zu leisten, unterhalten werden können, völlig nach den Produktivkräften der Ackerbauer gemessen werden muß.“ (R. Jones, „On the Dist. of Wealth“, London 1831, p. 159, 160.)
Da die Agrikulturarbeit so Naturbasis (sieh hierüber in einem frühen Heft (171)) nicht nur für die Surplusarbeit in ihrer eignen Sphäre, sondern für die Verselbständigung aller andren Arbeitszweige, also auch für den in denselben geschaffnen Mehrwert, so klar, daß sie als Schöpfer des Mehrwerts aufgefaßt werden mußte, solange überhaupt bestimmte, konkrete Arbeit, nicht die abstrakte Arbeit und ihr Maß, die Arbeitszeit, als Substanz des Werts aufgefaßt sind.
||226| Drittens. Aller Mehrwert, nicht nur der relative, sondern der absolute, beruht auf einer gegebenen Produktivität der Arbeit. Wäre die Produktivität der Arbeit erst zu dem Grad entwickelt, daß die Arbeitszeit eines Mannes nur hinreichte, um ihn selbst am Leben zu erhalten, um seine eignen Lebensmittel zu produzieren und reproduzieren, so gäbe es keine Surplusarbeit und keinen Surpluswert, fände überhaupt keine Differenz zwischen dem Wert des Arbeitsvermögens und seiner Verwertung statt. Die Möglichkeit der Surplusarbeit und des Surpluswerts daher geht von einer gegebenen Produktivkraft der Arbeit aus, einer Produktivkraft, die das Arbeitsvermögen befähigt, mehr als seinen eignen Wert wiederzuerzeugen, über die durch seinen Lebensprozeß gebotne Bedürftigkeit hinaus zu produzieren. Und zwar muß diese Produktivität, diese Stufe der Produktivität, von der als Voraussetzung ausgegangen wird, zunächst, wie wir in Zweitens gesehn haben, in der Agrikulturarbeit vorhanden sein, erscheint also als Naturgabe, Produktivkraft der Natur. Hier in der Agrikultur ist von vornherein die Mitarbeit der Naturkräfte – die Erhöhung der menschlichen Arbeitskraft durch Anwendung und Exploitation der Naturkräfte – ein Automat, im großen und ganzen gegeben. Diese Benutzung der Naturkräfte im großen erscheint in der Manufaktur erst bei der Entwicklung der großen Industrie. Eine bestimmte Entwicklungsstufe der Agrikultur, sei es im eignen Land, sei es in fremden Ländern, erscheint als Basis für die Entwicklung des Kapitals. Hier fällt der absolute Mehrwert soweit mit dem relativen zusammen. (Dies macht Buchanan – großer Gegner der Physiokraten – selbst gegen A. Smith geltend, indem er nachzuweisen sucht, daß auch dem Aufkommen der modernen städtischen Industrie Agrikulturentwicklung vorherging.)
Viertens. Da es das Große und Spezifische der Physiokratie ist, den Wert und den Mehrwert nicht aus der Zirkulation, sondern aus der Produktion abzuleiten, beginnt sie, im Gegensatz zum Monetär- und Merkantilsystem, notwendig mit dem Produktionszweig, der überhaupt abgesondert, unabhängig von der Zirkulation, von dem Austausch gedacht werden kann und nicht den Austausch zwischen Mensch und Mensch, sondern nur zwischen Mensch und Natur voraussetzt.
Daher die Widersprüche im System der Physiokratie.
Es ist in der Tat das erste System, das die kapitalistische Produktion analysiert und die Bedingungen, innerhalb deren Kapital produziert wird und innerhalb deren das Kapital produziert, als ewige Naturgesetze der Produktion darstellt. Andererseits erscheint es vielmehr als eine bürgerliche Reproduktion des Feudalsystems, der Herrschaft des Grundeigentums; und die industriellen Sphären, innerhalb deren das Kapital sich zuerst selbständig entwickelt, erscheinen vielmehr als „unproduktive" Arbeitszweige, bloße Anhängsel der Agrikultur. Die erste Bedingung der Kapitalentwicklung ist die Trennung des Grundeigentums von der Arbeit, das selbständige Gegenübertreten der Erde – dieser Urbedingung der Arbeit – als selbständige Macht, in der Hand einer besondren Klasse befindliche Macht, gegenüber dem freien Arbeiter. In dieser Darstellung erscheint daher der Grundeigentümer als der eigentliche Kapitalist, das heißt der Aneigner der Surplusarbeit. Der Feudalismus wird so sub specie2 der bürgerlichen Produktion reproduziert und erklärt wie die Agrikultur als der Produktionszweig, worin sich die kapitalistische Produktion – d.h. die Produktion des Mehrwerts – ausschließlich darstellt. Indem so der Feudalismus verbürgerlicht wird, erhält die bürgerliche Gesellschaft einen feudalen Schein.
Dieser Schein täuschte die adligen Anhänger des Dr. Quesnay wie den schrullenhaft patriarchalischen alten Mirabeau. Bei den weiteren Köpfen ||227| des physiokratischen Systems, namentlich Turgot, verschwindet dieser Schein vollständig und stellt sich das physiokratische System als die innerhalb des Rahmens der feudalen Gesellschaft durchdringende neue kapitalistische Gesellschaft dar. Es entspricht dies also der bürgerlichen Gesellschaft in der Epoche, worin sie aus dem Feudalwesen herausbricht. Der Ausgangspunkt ist daher in Frankreich, in einem vorherrschend ackerbauenden Land, nicht in England, einem vorherrschend industriellen, kommerziellen und seefahrenden Land. Hier ist natürlich der Blick auf die Zirkulation gerichtet, daß das Produkt erst als Ausdruck der allgemeinen gesellschaftlichen Arbeit – [als] Geld – Wert erhält, Ware wird. Soweit es sich daher nicht um die Form des Werts handelt, sondern um die Wertgröße und die Verwertung, liegt hier der profit upon expropriation3, d.h. der von Steuart geschilderte relative Profit zur Hand. Soll aber das Schaffen des Mehrwerts in der Produktionssphäre selbst nachgewiesen werden, so muß zunächst zum Arbeitszweig zurückgegangen werden, worin er sich unabhängig von der Zirkulation darstellt, zur Agrikultur. Diese Initiative ist daher in einem Land vorherrschender Agrikultur geschehn. Den Physiokraten verwandte Ideen finden sich bruchweis bei ihnen vorhergehenden alten Schriftstellern, wie zum Teil in Frankreich selbst bei Boisguillebert. Bei ihnen erst werden sie epochenmachendes System.
Der Agrikulturarbeiter, auf das Minimum des Lohns angewiesen, das strict nécessaire4, reproduziert mehr als dies strict nécessaire, und dies Mehr ist die Grundrente, der Mehrwert, der von den Eigentümern der Grundbedingung der Arbeit, der Natur, angeeignet wird. Es wird also nicht gesagt: Der Arbeiter arbeitet über die für die Reproduktion seines Arbeitsvermögens notwendige Arbeitszeit hinaus; der Wert, den er schafft, ist daher größer als der Wert seines Arbeitsvermögens; oder die Arbeit, die er wiedergibt, ist größer als das Quantum Arbeit, das er in der Form des Salairs erhält; sondern: Die Summe der Gebrauchswerte, die er während der Produktion verzehrt, ist kleiner als die Summe der Gebrauchswerte, die er schafft, und so bleibt ein Surplus von Gebrauchswerten übrig. – Arbeitete er nur die Zeit, die zur Reproduktion seines eignen Arbeitsvermögens nötig, so bliebe nichts übrig. Aber es wird nur der Punkt festgehalten, daß die Produktivität der Erde ihn befähigt, in seiner Tagesarbeit, die als gegeben vorausgesetzt ist, mehr zu produzieren, als er zu konsumieren braucht, um fortzuexistieren. Dieser Surpluswert erscheint also als Gabe der Natur, durch deren Mitwirkung eine bestimmte Masse organischen Stoffs – Samen von Pflanzen, Anzahl Tiere – die Arbeit befähigt, mehr unorganischen Stoff in organischen zu verwandeln.
Andererseits ist es als selbstverständlich vorausgesetzt, daß der Grundeigentümer als Kapitalist dem Arbeiter gegenübertritt. Er zahlt ihm sein Arbeitsvermögen, das der Arbeiter ihm als Ware anbietet, und im Ersatz dafür erhält er nicht nur ein Äquivalent, sondern eignet sich die Verwertung dieses Arbeitsvermögens an. Die Entfremdung der gegenständlichen Bedingung der Arbeit und des Arbeitsvermögens selbst sind bei diesem Austausch vorausgesetzt. Vom feudalen Grundeigentümer wird ausgegangen, aber er tritt als Kapitalist auf, als bloßer Warenbesitzer, der die von ihm gegen Arbeit ausgetauschten Waren verwertet, nicht nur ihr Äquivalent, sondern ein Surplus über dieses Äquivalent zurückerhält, weil er das Arbeitsvermögen nur als Ware zahlt. Als Warenbesitzer tritt er dem freien Arbeiter gegenüber. Oder dieser Grundbesitzer ist wesentlich Kapitalist. Auch in dieser Hinsicht die Wahrheit des physiokratischen Systems, als die Loslösung des Arbeiters von der Erde und vom Grundeigentum Grundbedingung ||228|| für die kapitalistische Produktion und die Produktion des Kapitals ist.
In demselben System daher die Widersprüche: daß ihm5, das zuerst den Mehrwert aus der Aneignung fremder Arbeit erklärt und zwar letzte auf Grundlage des Warenaustauschs erklärt, der Wert überhaupt nicht eine Form der gesellschaftlichen Arbeit und der Mehrwert nicht Mehrarbeit ist, sondern der Wert bloßer Gebrauchswert, bloßer Stoff, und der Mehrwert bloße Gabe der Natur, die an die Stelle eines gegebnen Quantums organischen Stoffes ein größres Quantum der Arbeit zurückgibt. Einerseits ist die Grundrente – also die wirkliche ökonomische Form des Grundeigentums – von seiner feudalen Hülle abgeschält, auf bloßen Mehrwert, über das Arbeitssalair [hinaus], reduziert. Andrerseits ist wieder feudalistisch dieser Mehrwert aus der Natur, nicht aus der Gesellschaft, aus dem Verhältnis zur Erde, nicht aus dem Verkehr abgeleitet. Der Wert selbst löst sich in bloßen Gebrauchswert, daher Stoff auf. Andrerseits interessiert an diesem Stoff bloß die Quantität, der Überschuß der produzierten Gebrauchswerte über die konsumierten, also das bloß quantitative Verhältnis der Gebrauchswerte zueinander, der bloße Tauschwert derselben, der sich schließlich in Arbeitszeit auflöst.
Es sind dies alles Widersprüche der kapitalistischen Produktion, die sich aus der feudalen Gesellschaft herausarbeitet und letztere selbst nur mehr bürgerlich interpretiert, ihre eigentümliche Form aber noch nicht gefunden hat, wie etwa die Philosophie, die sich erst in der religiösen Form des Bewußtseins herauskonstruiert und damit einerseits die Religion als solche vernichtet, andrerseits positiv [sich] selbst nur noch in dieser idealisierten, in Gedanken aufgelösten religiösen Sphäre bewegt.
Daher auch in den Konsequenzen, die die Physiokraten selbst ziehn, die scheinbare Verherrlichung des Grundbesitzes in [dessen] ökonomische Verneinung und Bestätigung der kapitalistischen Produktion umschlägt. Einerseits werden alle Steuern auf die Grundrente verlegt, oder das Grundbesitztum wird in andren Worten partialiter konfisziert, was die französische Revolutionsgesetzgebung durchzuführen suchte und das Resultat der Ricardoschen ausgebildeten modernen Ökonomie ist. Indem die Steuer ganz auf die Grundrente gewälzt wird, weil sie der einzige Mehrwert ist – daher jede Besteuerung andrer Einkommensformen nur auf einem Umweg, daher nur auf ökonomisch schädlichem Wege, in einer die Produktion hemmenden Weise das Grundeigentum besteuert – wird die Steuer und damit alle Staatsintervention von der Industrie selbst entfernt und diese so von aller Staatsintervention befreit. Angeblich geschieht dies zum Besten des Grundeigentums, nicht im Interesse der Industrie, sondern des Grundeigentums. Damit zusammenhängend: Laissez faire, laissez aller; die ungehinderte freie Konkurrenz, Beseitigung aller Staatseinmischung, Monopole etc. von der Industrie. Da die Industrie nichts schafft, nur verwandelt in andre Form die ihr von der Agrikultur gegebenen Werte, denen sie keinen neuen Wert zusetzt, sondern als Äquivalent nur in andrer Form die ihr gelieferten Werte zurückgibt, so ist es natürlich wünschenswert, daß dieser Verwandlungsprozeß ohne Störungen vor sich geht und in der wohlfeilsten Weise; und dies wird nur durch die freie Konkurrenz bewirkt, indem die kapitalistische Produktion sich selbst überlassen wird. Die Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft von der auf den Trümmern der Feudalgesellschaft errichteten absoluten Monarchie findet also nur im Interesse des in einen Kapitalisten ||229| verwandelten und auf bloße Bereicherung bedachten feudalen Grundeigentümers statt. Die Kapitalisten sind nur Kapitalisten im Interesse des Grundeigentümers, ganz wie die weiter entwickelte Ökonomie sie nur Kapitalisten im Interesse der arbeitenden Klasse sein läßt.
Man sieht also, wie wenig moderne Ökonomen, [wie] Herr Eugène Daire, der Herausgeber der Physiokraten samt seiner gekrönten Preisschrift über dieselben, die Physiokratie verstanden haben, wenn sie ihre spezifischen Sätze über die ausschließliche Produktivität der Agrikulturarbeit, über die Grundrente als den einzigen Mehrwert, über die hervorragende Stellung der Grundeigentümer im System der Produktion, ohne Zusammenhang und nur zufällig zusammengebracht mit ihrer Proklamation der freien Konkurrenz, dem Prinzip der großen Industrie, der kapitalistischen Produktion finden. Man begreift zugleich, wie der feudale Schein dieses Systems, ganz wie der aristokratische Ton der Aufklärung, eine Masse von feudalen Herrn zu Schwärmern für ein System und Verbreitern eines Systems machen mußte, das wesentlich das bürgerliche Produktionssystem auf den Ruinen des feudalen proklamierte.
Wir werden jetzt eine Reihe Stellen durchgehn, teils zur Erläuterung, teils zum Beweis der oben aufgeführten Sätze.
Bei Quesnay selbst in der „Analyse du Tableau Économique“ besteht die Nation aus 3 Klassen von Bürgern:
„die produktive Klasse“ (agricultural labourers6), „die Klasse der Grundeigentümer und die sterile Klasse“ („alle die Bürger, die mit anderen Diensten und mit anderen Arbeiten als denen der Agrikultur beschäftigt sind“). („Physiocrates etc.“, édit. Eugène Daire, Paris 1846, I. partie, p.58.)
Als produktive Klasse, als Klasse, die den Mehrwert schafft, erscheinen nur die Agrikulturarbeiter, nicht die Grundeigentümer. Die Wichtigkeit dieser classe des propriétaires7, die nicht „steril“ ist, weil sie den „Mehrwert“ darstellt, rührt nicht daher, daß sie diesen Mehrwert schafft, sondern ausschließlich daher, daß sie ihn aneignet.
Turgot am entwickeltsten. Bei ihm wird auch das pur don de la nature8 stellenweis dargestellt als Surplusarbeit, und andrerseits die Notwendigkeit des Arbeiters, das über sein Salair Nötige abzugeben, aus der Loslösung des Arbeiters von den Arbeitsbedingungen [erklärt] und dem ihm Gegübertreten derselben als Eigentum einer Klasse, die damit Handel treibt.
Der erste Grund, warum die Agrikulturarbeit allein produktiv, daß sie die Naturbasis und Voraussetzung für das selbständige Betreiben aller anderen Arbeiten.
„Seine“ (du laboureur9) „Arbeit bewahrt in der Reihe der unter die verschiedenen Mitglieder der Gesellschaft verteilten Arbeiten denselben Vorrang..., den unter den verschiedenen Arbeiten, die er im Zustand der Vereinzelung zur Befriedigung seiner verschiedenartigen Bedürfnisse aufwenden mußte, die zur Gewinnung seiner Nahrung notwendige Arbeit einnahm. Es handelt sich hier nicht um einen Vorrang der Ehre oder Würde, sondern der Naturnotwendigkeit... Das, was seine Arbeit aus dem Boden über das zur Befriedigung seiner persönlichen Bedürfnisse Notwendige hervorbringen läßt, bildet den einzigen Fonds der Löhne, die alle anderen Mitglieder der Gesellschaft im Austausch für ihre Arbeit erhalten. Indem diese nun den in diesem Austausch erhaltenen Preis benutzen, ihrerseits die Erzeugnisse des Landmanns zu kaufen, geben sie ihm genau nur das zurück“ (in Materie), „was sie erhalten haben. a id="S25"Das ist ein wesentlicher Unterschied ||230|| zwischen diesen beiden Arten von Arbeit.“ (Réflexions sur la Formation et la Distribution des Richesses“ (1766). Turgot, Œuvres, édit. Daire, t. I, Paris 1844, p. 9, 10.)
Wie entspringt nun der Mehrwert? Er entspringt nicht aus der Zirkulation, aber er realisiert sich in derselben. Das Produkt wird zu seinem Wert verkauft, nicht über seinem Wert. Kein Überschuß des Preises über den Wert. Aber weil es zu seinem Wert verkauft wird, realisiert der Verkäufer einen Mehrwert. Dies ist nur möglich, weil er den Wert, den er verkauft, selbst nicht ganz bezahlt hat oder weil das Produkt vom Verkäufer unbezahlten, nicht durch Äquivalent ersetzten Wertbestandteil enthält10. Und dies ist der Fall bei der Agrikulturarbeit. Er verkauft, was er nicht gekauft hat. Dies nicht Gekaufte stellt Turgot zunächst als pur don de la nature dar. Wir werden aber sehn, daß dies pur don de la nature sich ihm unter der Hand in die vom propriétaire11 nicht gekaufte Surplusarbeit der laboureurs12 verwandelt, die er in den Agrikulturprodukten verkauft.
„Sobald die Arbeit des Landmanns über seine Bedürfnisse hinaus produziert, kann er mit diesem Überschuß, den ihm die Natur als reines Geschenk über den Lohn für seine Mühen hinaus gewährt, die Arbeit der anderen Mitglieder der Gesellschaft kaufen. Diese gewinnen durch den Verkauf ihrer Arbeit an ihn nur ihren Lebensunterhalt; der Landmann dagegen erwirbt außer seinem Unterhalt einen unabhängigen und verfügbaren Reichtum, den er nicht gekauft hat und den er verkauft. Er ist also die einzige Quelle der Reichtümer, die durch ihre Zirkulation alle Arbeiten der Gesellschaft beleben, weil er der einzige ist, dessen Arbeit etwas über den Lohn der Arbeit hinaus produziert." (l. c. p. 11.)
In dieser ersten Auffassung erstens das Wesen des Mehrwerts, daß er Wert ist, der im Verkauf realisiert wird, ohne daß der Verkäufer ein Äquivalent dafür gegeben, ohne daß er ihn gekauft hat. Unbezahlter Wert. Aber zweitens wird dies als pur don de la nature aufgefaßt, dieser Überschuß über das salaire du travail13; indem es, überhaupt Gabe der Natur, von der Produktivität der Natur abhängt, daß der Arbeiter fähig ist, in seinem Arbeitstag mehr, als zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens nötig ist, mehr, als sein salaire beträgt, zu produzieren. In dieser ersten Auffassung wird das Gesamtprodukt noch vom Arbeiter selbst angeeignet. Und dies Gesamtprodukt zerfällt in 2 Teile. Der erste bildet sein Salair; er wird sich selbst gegenüber als Lohnarbeiter dargestellt, der sich den Teil des Produkts zahlt, der zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens, seiner Subsistenz nötig ist. Der zweite Teil, der darüber hinausgeht, ist Gabe der Natur und bildet den Mehrwert. Die Natur dieses Mehrwerts, dieses pur don de la nature, wird sich aber näher gestalten, sobald die Voraussetzung des propriétaire cultivateur14 aufhört und beide Teile des Produkts, das salaire und der Mehrwert, verschiedenen Klassen zufallen, der eine dem Lohnarbeiter, der andre dem propriétaire.
Damit sich eine Klasse von Lohnarbeitern bildet, sei es in der Manufaktur, sei es in der Agrikultur selbst – zunächst erscheinen alle manufacturiers nur als stipendiés15, Lohnarbeiter des cultivateur propriétaire16 –, müssen sich die Arbeitsbedingungen von dem Arbeitsvermögen trennen, und die Grundlage dieser Trennung ist, daß die Erde selbst als Privateigentum eines Teils der Gesellschaft erscheint, so daß der andre Teil von dieser gegenständlichen Bedingung zur Verwertung seiner Arbeit ausgeschlossen ist.
„In den ersten Zeiten brauchte der Grundeigentümer vom Bebauer des Landes nicht unterschieden zu werden… In jenen ersten Zeiten, wo jeder arbeitsame Mensch soviel Boden fand, wie er ||231| verlangte, konnte niemand sich veranlaßt fühlen, für einen anderen zu arbeiten… Aber schließlich fand jedes Bodenstück seinen Herrn; und diejenigen, die kein eigenes Grundeigentum erlangen konnten, fanden zunächst keinen anderen Ausweg als den, die Arbeit ihrer Hände – im Dienst der besoldeten Klasse (nämlich la classe des artisans17, kurz aller Nichtagrikulturarbeiter) – „gegen den Überschuß der Erzeugnisse des landbebauenden Grundeigentümers auszutauschen." (p. 12.)
Der propriétaire cultivateur, mit dem superflu considérable18, den die Erde seiner Arbeit gab, konnte
„Leute bezahlen, damit sie seinen Boden bebauten; denn für die, die vom Arbeitslohn leben, war es gleich, ob sie ihn durch diese oder durch irgendeine andere Tätigkeit erwarben. Das Eigentum am Boden mußte daher von der Arbeit der Bodenbebauung getrennt werden und wurde es auch bald… Die Grundeigentümer beginnen… die Arbeit der Bodenbebauung auf entlohnte Bebauer abzuwälzen." (p. 13.)
Damit tritt also das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit in der Agrikultur selbst ein. Es tritt erst ein, sobald eine Anzahl Menschen vom Eigentum an den Arbeitsbedingungen – vor allem dem Grund und Boden – sich losgelöst finden und nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeit selbst.
Für den Lohnarbeiter nun, der keine Ware mehr produzieren kann, sondern seine Arbeit selbst verkaufen muß, wird das Minimum des Salairs, das Äquivalent der notwendigen Lebensmittel, notwendig Gesetz in seinem Austausch mit dem Eigentümer der Arbeitsbedingung.
„Der einfache Arbeiter, der nichts als seine Arme und seinen Fleiß besitzt, hat nichts, außer wenn es ihm gelingt, seine Arbeit an andre zu verkaufen… Bei jeder Art Arbeit muß es dahin kommen, und kommt es in der Tat dahin, daß der Lohn des Arbeiters auf das begrenzt ist, was er notwendig zu seinem Lebensunterhalt braucht." (l.c. p. 10.)
Sobald nun die Lohnarbeit eingetreten ist,
„teilt sich das Produkt des Bodens in zwei Teile: Der eine umfaßt den Lebensunterhalt und den Gewinn des Landmanns, die den Lohn für seine Arbeit und die Bedingung bilden, zu der er es unternimmt, das Feld des Eigentümers zu bestellen; der Rest ist jener unabhängige und verfügbare Teil, den die Erde als reines Geschenk dem gibt, der sie bebaut, über seine Vorschüsse und den Lohn seiner Mühen hinaus; und das bildet den Anteil des Eigentümers oder die Revenue, von der er ohne Arbeit leben kann und die er verwendet, wie er will." (p. 14.)
Dies pur don de la terre19 erscheint jetzt aber schon bestimmt als Geschenk, das sie dem gibt, „à celui qui la cultive"20, also als ein Geschenk, das sie der Arbeit gibt; als Produktivkraft der auf die Erde verwandten Arbeit, eine Produktivkraft, die sie infolge der Benutzung der Produktivkraft der Natur besitzt und so aus der Erde schöpft, aber nur als Arbeit aus ihr schöpft. In der Hand des propriétaire erscheint das Surplus daher nicht mehr als „Geschenk der Natur", sondern als Aneignung – ohne Äquivalent – fremder Arbeit, die durch die Produktivität der Natur befähigt ist, über ihr eignes Bedürfnis hinaus Subsistenzmittel zu produzieren, aber durch ihre Existenz als Lohnarbeit darauf beschränkt ist, von dem Produkt der Arbeit sich nur „ce qui lui est nécessaire pour lui procurer sa subsistance"21 anzueignen.
„Der Bebauer produziert seinen eigenen Lohn und außerdem die Revenue, die dazu dient, die ganze Klasse der Handwerker und anderer Besoldeter zu entlohnen… Der Grundeigentümer hat nichts ohne die Arbeit des Bebauers" (also nicht durch pur don de la nature); „er empfängt von ihm seine [232] Lebensmittel und die Mittel zur Bezahlung der Arbeiten der anderen Besoldeten… der Bebauer benötigt der Grundeigentümer nur auf Grund der Konventionen und Gesetze." (l.c. p. 15.)
Hier also direkt der Mehrwert dargestellt als der Teil der Arbeit des cultivateur, den sich der propriétaire ohne Äquivalent aneignet und dessen Produkt er daher verkauft, ohne es gekauft zu haben. Nur ist es nicht der Tauschwert als solcher, den Turgot im Aug hält, die Arbeitszeit selbst, sondern der Überschuß der Produkte, den die Arbeit des cultivateur über sein eignes Salair hinaus dem propriétaire liefert; welcher Überschuß der Produkte aber nur vergegenständlicht das Quantum Zeit, das er, außer der Zeit, die er für Reproduktion seines Salairs arbeitet, gratis für den propriétaire arbeitet.
Wir sehn also, wie innerhalb der Agrikulturarbeit die Physiokraten den Mehrwert richtig fassen, wie sie ihn als Produkt der Arbeit des Lohnarbeiters fassen, obgleich sie diese Arbeit selbst wieder in der konkreten Form fassen, worin sie sich in den Gebrauchswerten darstellt.
Die kapitalistische Exploitation der Agrikultur – „Pachten oder Mieten von Land“ – wird, nebenbei bemerkt, von Turgot bezeichnet als „die vorteilhafteste Methode von allen, aber sie setzt ein Land voraus, das schon reich ist“ (l. c. p. 21).
{Bei Betrachtung des Mehrwerts aus der Sphäre der Zirkulation in die Sphäre der Produktion überzugehen. D.h. ihn nicht nur aus dem Austausch von Ware gegen Ware abzuleiten, sondern vom Austausch, wie er innerhalb der Produktion zwischen den Eigentümern der Arbeitsbedingungen und den Arbeitern selbst vorgeht. Auch diese treten sich als Warenbesitzer gegenüber, und daher ist keineswegs vom Austausch unabhängige Produktion unterstellt.}
{Im physiokratischen System [sind] die propriétaires die salariants22, die Arbeiter und manufacturiers in allen andern Industriezweigen salariés oder stipendiés23. Daher auch gouvernants und gouvernés24.}
Turgot analysiert die Arbeitsbedingungen wie folgt:
„In jedem beliebigen Arbeitszweig muß der Arbeiter im voraus über Werkzeuge verfügen und eine genügende Menge Materialien haben, die er bearbeitet; er muß die Möglichkeit haben, bis zum Verkauf seiner Erzeugnisse seinen Unterhalt bestreiten zu können.“ (p. 34.)
Alle diese avances25, diese Bedingungen, unter denen die Arbeit allein vorgehn kann, die also Voraussetzungen des Arbeitsprozesses sind, lieferte die Erde ursprünglich gratis:
„Sie lieferte den ersten Fonds von Vorschüssen, der jeglicher Bodenbearbeitung voranging“ in Früchten, Fischen, Tieren etc., und die Instrumente in Baumzweigen, Steinen, bestiaux26, die sich durch Zeugungsprozeß vervielfältigen, außerdem jährliche Produkte geben in „Milch, Wolle, Häuten und anderen Stoffen, welche neben dem aus den Wäldern geholten Holz den ersten Fonds für gewerbliche Erzeugnisse bildeten.“ (p. 34.)
Diese Arbeitsbedingungen nun, diese avances der Arbeit werden zum Kapital, sobald sie von einer dritten Person dem Arbeiter vorgeschossen werden müssen, und dies ist der Fall von dem Augenblick, wo der Arbeiter nichts besitzt als sein Arbeitsvermögen selbst.
„Als ein großer Teil der Gesellschaft einzig auf seiner Hände Arbeit angewiesen war, mußten jene, die so von ihrem Lohn lebten, zunächst etwas im voraus erhalten, sei es, um sich Rohstoffe zu verschaffen, die sie verarbeiteten, sei es, um bis zur Auszahlung ihres Lohnes zu leben.“ (p.37, 38.)
||233| Turgot erklärt „capitaux“ für „valeurs mobiliaires accumulées“27 (l.c. p.38). Ursprünglich zahlt der propriétaire oder cultivateur täglich direkt das salaire und liefert die Materie, z.B. der Spinnerin von Flachs. Sobald sich die Industrie entwickelt, größere Avancen und Beständigkeit dieses Produktionsprozesses nötig. Dies ist dann unternommen von den possesseurs de capitaux28. Im Preis ihrer Produkte müssen sie zurückhaben alle ihre avances und Profit, gleich dem
„was ihm sein Geld eingebracht hätte, wenn er es zum Ankauf von Grund und Boden verwandt hätte und ihr salaire, denn ohne Zweifel hätte er es bei gleichem Profit vorgezogen, ohne jegliche Mühe von den Revenuen eines Grundstücks zu leben, das er mit demselben Kapital hätte erwerben können.“ (p.39.)
Die classe stipendiée industrieuse ist selbst subdivisée „en entrepreneurs capitalistes et simples ouvriers“29 etc. (p.39). Wie mit diesen entrepreneurs verhält es sich mit den entrepreneurs fermiers30. Sie müssen ebenfalls alle avances ersetzt erhalten, neben dem Profit wie oben.
„Alles das muß im voraus vom Preis der Bodenprodukte abgezogen werden; der Überschuß dient dem Bebauer dazu, dem Eigentümer die Erlaubnis für die Benutzung seines Bodens zu bezahlen, auf dem er sein Unternehmen begründet. Das ist der Pachtzins, die Revenue des Eigentümers, das Nettoprodukt; denn alles, was die Erde hervorbringt, bis zu dem Betrag der zurückfließenden Vorschüsse aller Art und der dabei gemachten Profite, kann nicht als Revenue betrachtet werden, sondern nur als zurückkehrende Bebauungskosten; denn könnte der Bebauer sie nicht erzielen, würde er sich hüten, seine Mittel und seine Mühe auf die Bebauung der Felder anderer Leute zu verwenden.“ (l.c. p.40.)
Schließlich:
„Zwar bilden sich die Kapitalien teilweise aus den ersparten Profiten der arbeitenden Klassen; da aber diese Profite immer aus dem Boden stammen – denn sie werden alle entweder aus der Revenue bezahlt oder aus den Kosten, die bei der Produktion der Revenue mitwirken –, ist es klar, daß die Kapitalien ganz ebenso wie die Revenue aus dem Boden stammen, oder vielmehr, daß sie nichts anderes sind als die Akkumulation desjenigen Teils der vom Boden produzierten Werte, den die Eigentümer der Revenue oder diejenigen, die an ihr teilhaben, jedes Jahr zurücklegen können, ohne ihn für ihre Bedürfnisse zu verwenden." (p. 66).
Es ist ganz in der Ordnung, da die Grundrente den einzigen Mehrwert bildet, [daß] die Akkumulation nur aus ihr stattfindet. Was die capitalistes sonst akkumulieren, knapsen sie ab ihrem salaire (ihrer Revenue, die zu ihrer Konsumtion bestimmt ist, denn so wird der Profit aufgefaßt).
Indem Profit wie salaires zu den frais de culture31 gerechnet wird und nur das surplus wie salaires des propriétaire bildet, ist dieser in der Tat von den frais de culture – und damit als Produktionsagent – ausgeschlossen, ganz wie bei den Ricardians, trotz der honorigen Stellung, die ihm gegeben wird.
Das Aufkommen der Physiokratie hatte zu tun sowohl mit dem Gegensatz zum Colbertismus als namentlich auch mit dem Kladderadatsch des Lawsystystems.
||234| Die Verwechslung von Wert oder vielmehr Gleichsetzung desselben mit Materie und der Zusammenhang, worin diese Ansicht mit der ganzen Auffassungsweise der Physiokraten steht, tritt klar hervor in folgenden Auszügen aus Ferdinando Paoletti: „I veri mezzi di render felici le società"32 (zum Teil gerichtet gegen Verri, der in seinem „Meditazioni sulla Economia politica" (1771) die Physiokraten angegriffen hatte). (Paoletti von Toscana, die angeführte Schrift t. XX, Custodi, Parte moderna.)
„Eine solche Vervielfachung des Stoffes", wie die produzioni della terra33 sind, „hat sicher niemals durch das Gewerbe stattgefunden, noch ist sie möglich. Dieses gibt dem Stoff nur die Form, modifiziert ihn nur; folglich wird durch das Gewerbe nichts geschaffen. Aber, entgegnet man mir, das Gewerbe gibt dem Stoff die Form, folglich ist es produktiv; ist dies auch nicht eine Produktion von Stoff, so doch eine von Form. Gut denn, ich will nicht widersprechen. Doch das ist keine Schaffung von Reichtum, sondern im Gegenteil, das ist nichts anderes als eine Ausgabe… Die politische Ökonomie setzt voraus und macht zum Gegenstand der Untersuchung die stoffliche und reale Produktion, die sich allein in der Landwirtschaft findet, da diese allein die Stoffe und die Produkte vervielfacht, die den Reichtum bilden… Das Gewerbe kauft von der Landwirtschaft die Rohstoffe, um sie zu bearbeiten; seine Arbeit gibt – wie wir schon gesagt haben – diesen Rohstoffen nur eine Form, doch fügt sie ihnen nichts hinzu und vervielfacht sie nicht." (p. 196, 197.) „Gebt dem Koch ein Quantum Erbsen, aus denen er euch das Mittagessen bereiten soll; er wird es euch gut gekocht und gut zubereitet auf den Tisch geben, aber in derselben Quantität, die er empfangen hat; gebt aber umgekehrt die gleiche Quantität dem Gärtner, damit er sie der Erde anvertraue; er wird euch, wenn die Zeit dazu gekommen ist, mindestens das Vierfache der empfangenen Menge zurückerstatten. Das ist die wahre und einzige Produktion." (p. 197.) „Den Wert erhalten die Dinge durch die Bedürfnisse der Menschen. Also ist der Wert oder die Vermehrung des Wertes der Waren nicht das Resultat der gewerblichen Arbeit, sondern der Ausgaben der Arbeitenden." (p. 198.) „Kaum ist irgendeine neue Manufaktur aufgetaucht, so dehnt sie sich sofort innerhalb und außerhalb des Landes aus; und siehe da! sehr bald drückt die Konkurrenz anderer Gewerbetreibender und Kaufleute den Preis auf sein richtiges Niveau herab, das … bestimmt wird durch den Wert der Rohstoffe und durch die Erhaltungskosten der Arbeiter." (p. 204, 205.)
In der Agrikultur zuerst von allen Industriezweigen Anwendung der Naturkräfte für die Produktion im großen. Die Anwendung derselben in der industrie manufacturière34 zeigt sich erst bei einer höhern Entwicklungsstufe der letztern auffällig. Aus dem folgenden Zitat kann man sehn, wie A. Smith hier noch die Vorperiode der großen Industrie und daher die physiokratische Anschauung geltend macht und wie Ricardo ihm antwortet vom Standpunkt der modernen Industrie aus.
||235| Im book II, ch.5 [„An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations"] sagt A. Smith mit Bezug auf die Bodenrente:
„Sie ist das Werk der Natur, welches übrigbleibt nach Abzug oder Ersatz alles dessen, was als Menschenwerk betrachtet werden kann. Sie ist selten weniger als ein Viertel und oft mehr als ein Drittel des Gesamtprodukts. Keine gleiche Menge produktiver Arbeit, angewandt in der Manufaktur, kann je eine so große Reproduktion bewirken. In der Manufaktur tut die Natur nichts, der Mensch alles; und die Reproduktion muß immer proportionell sein der Stärke der Agenten, die sie durchführen."
Worauf Ricardo bemerkt [„On the principles of political economy, and taxation"], 2nd edit. 1819, Note zu p. 61, 62:
„Hilft die Natur dem Menschen in der Manufaktur nicht? Sind Wind- und Wasserkraft, die unsere Maschinen antreiben und der Schiffahrt dienen, nichts? Der atmosphärische Druck und die Dampfkraft, die es uns ermöglichen, erstaunliche Maschinen zu benutzen – sind sie keine Naturgaben? Dabei sprechen wir gar nicht über die Wirkungen der Hitze beim Enthärten und Schmelzen von Metallen, über die Zersetzung der Luft beim Färb- und Gärungsprozeß. Es kann keine Manufaktur genannt werden, in der die Natur nicht dem Menschen großzügig und unentgeltlich hilft.
Daß die Physiokraten den Profit nur als einen Abzug von der Rente betrachten:
„Die Physiokraten sagen z.B. vom Preis eines Stückes Spitze, ein Teil ersetze nur das, was der Arbeiter konsumiert hat, und der andere Teil werde bloß aus der Tasche eines Mannes“ (des Landlords nämlich) „in die eines anderen übertragen.“ („An Inquiry into those Principles, respecting the Nature of Demand and the Necessity of Consumption, lately advocated by Mr. Malthus etc.“, London 1821, p.96.)
Aus der Anschauung der Physiokraten, welche den Profit (Zins eingeschlossen) als bloße vom Kapitalisten zu verzehrende Revenue auffassen, geht auch A. Smiths und seiner Nachfolger Ansicht hervor, daß die Akkumulation des Kapitals der persönlichen Abdarbung und Absparung und Entsagung des Kapitalisten geschuldet sei. Sie können das sagen, weil sie nur die Grundrente als die eigentliche, ökonomische, sozusagen legitime Quelle der Akkumulation betrachten.
„Er“, sagt Turgot, nämlich le laboureur35, „ist der einzige, dessen Arbeit etwas über den Arbeitslohn hinaus produziert.“ (Turgot, l.c. p. 11.)
Profit ist hier also ganz eingerechnet in das salaire du travail36.
||236| „Der Bebauer erzeugt über diese Wiedererstattung“ (seines eigenen salaire) „hinaus die Revenue des Grundeigentümers; der Handwerker dagegen erzeugt überhaupt keine Revenue, weder für sich noch für andere.“ (l. c. p. 16.) „Alles, was die Erde hervorbringt, bis zu dem Betrag der zurückfließenden Vorschüsse aller Art und der dabei gemachten Profite, kann nicht als Revenue betrachtet werden, sondern nur als zurückkehrende Bebauungskosten." (l.c. p.40.)
A. Blanqui, „Histoire de l'éc. pol.“, Bruxelles 1839, sagt p. 139:
[Die Physiokraten waren der Ansicht, daß] „die auf die Bebauung des Bodens verwandte Arbeit nicht bloß soviel produzierte, wie der Arbeiter für den eigenen Unterhalt während der ganzen Dauer der Arbeit brauchte, sondern noch einen Überschuß an Wert“ (Mehrwert), „der zur Masse des schon bestehenden Reichtums hinzugefügt werden konnte. Sie nannten diesen Überschuß Nettoprodukt“ (fassen also den Mehrwert auf in der Gestalt der Gebrauchswerte, worin er sich darstellt). „Das Nettoprodukt mußte notwendigerweise dem Eigentümer des Bodens zufallen und bildete in seiner Hand eine Revenue, über die er frei verfügen konnte. Welches war nun das Nettoprodukt der anderen Gewerbszweige? ... Manufakturisten, Handeltreibende, Arbeiter – sie alle waren die Kommis, die Entlohnten der Agrikultur, der souveränen Schöpferin und Verteilerin aller Güter. Die Produkte der Arbeit dieser Gruppen stellen im System der Ökonomisten nur das Äquivalent ihrer Konsumtion während ihrer Arbeit dar, so daß nach Vollendung ihrer Arbeit die Totalsumme des Reichtums absolut dieselbe blieb wie vorher, es sei denn, die Arbeiter oder die Eigentümer hätten das, was sie zu konsumieren berechtigt waren, zurückgelegt, das heißt gespart. Die auf den Boden angewandte Arbeit war so die einzige, die Reichtum produzierte, und die der anderen Gewerbe wurde als steril angesehen, weil sie keine Vermehrung des allgemeinen Kapitals zur Folge hatte."
(Also setzten die Physiokraten das Wesen der kapitalistischen Produktion in die Produktion des Mehrwerts. Dies Phänomen galt es ihnen zu erklären. Und es war das Problem, nachdem sie den profit d'expropriation37 des Merkantilsystems beseitigt hatten.
„Um Geld zu erhalten," sagt Mercier de la Rivière, „muß man es kaufen, und nach diesem Kauf ist man nicht reicher, als man vorher war; man hat bloß in Geld denselben Wert erhalten, den man in Waren hingegeben hat." (Mercier de la Rivière, Ordre naturel et essentiel des sociétés politiques, t. II, p. 338.)
Dies gilt sowohl vom ||237| Kauf als vom Verkauf, wie es vom Resultat der ganzen Metamorphose der Ware gilt, oder deren Resultat, dem Austausch verschiedner Waren zu ihrem Wert, also dem Austausch von Äquivalenten. Woher daher der Mehrwert? D. h., woher das Kapital? Dies das Problem für die Physiokraten. Ihr Irrtum, daß sie die Vermehrung des Stoffs, der infolge der natürlichen Vegetation und Generation die Agrikultur und Viehzucht von der Manufaktur unterscheidet, mit der Vermehrung des Tauschwerts verwechselten. Der Gebrauchswert lag ihnen zugrunde. Und der Gebrauchswert aller Waren auf ein Universale, wie die Scholastiker sagen, reduziert, war der Naturstoff als solcher, dessen Vermehrung in gegebner Form nur in der Agrikultur stattfindet.)
G. Garnier, der Übersetzer A. Smiths und selbst Physiokrat, setzt richtig ihre Ersparungstheorie etc. auseinander. Zuerst sagt er nur, daß die Manufaktur, wie die Merkantilisten von aller Produktion behaupteten, nur einen Mehrwert schaffen kann durch den profit of expropriation38, indem sie die Waren über ihrem Wert verkauft, also nur a new distribution of values created, but no new addition to the created values39 stattfindet.
„Die Arbeit der Handwerker und Manufakturiisten, die keine neue Quelle des Reichtums eröffnet, kann nur profitabel werden durch vorteilhaften Austausch und besitzt nur einen rein relativen Wert, einen Wert, der sich nicht wiederholt, wenn sich nicht von neuem die Gelegenheit ergibt, durch Austausch Gewinn zu bringen." (Seine Übersetzung „Recherches sur la nature et les causes de la richesse des nations", t. V, Paris 1802, p.266.)
Oder die Ersparungen, die sie machen, die values, die sie sichern über die hinaus, die sie deponieren, muß ihrer eigenen consommation abgeknausert werden.
„Zwar kann die Arbeit der Handwerker und Manufakturiisten der allgemeinen Masse des Reichtums der Gesellschaft nichts hinzufügen als die Ersparnisse, welche die Lohnarbeiter und die Kapitalisten machen, aber auf diesem Wege kann sie allerdings zur Bereicherung der Gesellschaft beitragen." (l.c. p.266.)
Und ausführlicher:
„Die Arbeiter in der Landwirtschaft bereichern den Staat durch das Produkt selbst, das ihre Arbeit erzeugt; die Arbeiter der Manufakturen und des Handels könnten ihn dagegen nur durch die Ersparungen auf Kosten ihres eigenen Konsums bereichern. Diese Behauptung der Ökonomisten ist eine Konsequenz der von ihnen eingeführten Unterscheidung und erscheint ganz unbestreitbar. In der Tat, die Arbeit der Handwerker und Manufakturiisten kann dem Wert des Stoffes nichts anderes hinzufügen als den Wert ihrer eigenen Arbeit, das heißt den Wert der Arbeitslöhne und der Profite, die diese Arbeit nach der im Lande jeweils geltenden Rate der einen ||238|| wie der anderen einbringen mußte. Diese Löhne nun, wie hoch oder niedrig sie auch sein mögen, sind das Entgelt für die Arbeit; sie sind das, was der Arbeiter zu konsumieren berechtigt ist und was er vermutlich auch konsumiert; denn nur in der Konsumtion kann er die Früchte seiner Arbeit genießen, und dieser Genuß stellt tatsächlich sein ganzes Entgelt dar. Genau so werden die Profite, wie niedrig oder hoch sie auch sein mögen, ebenfalls als die tagtägliche Konsumtion des Kapitalisten angesehen, von dem man natürlicherweise voraussetzt, daß er seine Genüsse der Revenue anpaßt, die ihm sein Kapital abwirft. Folglich – wenn der Arbeiter nicht auf einen gewissen Teil des Wohlstandes verzichtet, auf den er nach der für seine Arbeit geltenden Rate des Arbeitslohnes ein Recht hat, wenn der Kapitalist nicht einen Teil der Revenue, die ihm sein Kapital abwirft, erspart – wird der eine wie der andere in dem Maße, in dem die Arbeit vollendet wird, den ganzen eben aus dieser Arbeit hervorgehenden Wert konsumieren. Nach Beendigung ihrer Arbeit wird die Gesamtmasse des Reichtums der Gesellschaft dieselbe sein, die sie vorher war, wenn sie nicht einen Teil dessen, was sie zu konsumieren berechtigt waren, was sie konsumieren konnten, ohne als Verschwender zu gelten, erspart hätten. In diesem Falle wäre die Gesamtmasse des Reichtums der Gesellschaft um den ganzen Wert dieser Ersparnisse gewachsen. Man darf also mit Recht sagen, daß die in den Manufakturen und im Handel Tätigen die Gesamtmasse des in der Gesellschaft vorhandenen Reichtums nur durch ihre Entbehrungen vermehren können." (l.c. p.263, 264.)
Garnier fühlt auch ganz richtig heraus, daß A. Smiths Theorie von der Akkumulation vermittelst der Ersparung (A. Smith war sehr von der Physiokratie infiziert, wie er nirgendwo schlagender beweist als in seiner Kritik der Physiokratie) auf dieser physiokratischen Grundlage beruht.
Sagt Garnier:
„Wenn endlich die Ökonomisten behauptet haben, Manufaktur und Handel könnten den nationalen Reichtum nur durch ihre Entbehrungen vermehren, so sagt Smith ganz ebenso, daß man das Gewerbe umsonst betreibe und daß das Kapital eines Landes niemals vergrößert würde, wenn die Ökonomie es nicht durch ihre Ersparungen vermehrte." (liv. II, ch.3.) „Smith ist also mit den Ökonomisten völlig einer Meinung" etc. (l.c.p.270.)
||239| Unter den unmittelbar historischen Umständen, die die Verbreitung der Physiokratie und selbst ihr Aufkommen beförderten, führt A. Blanqui in der vorher zitierten Schrift an:
„Von allen Werten, die in der hitzigen Atmosphäre des Systems (Laws) „aufgeschossen, blieb nichts übrig als der Ruin, die Verzweiflung und der Bankrott. Das Grundeigentum allein war in diesem Sturme nicht untergegangen."
{Darum läßt Herr Proudhon in der „Philosophie de la Misère" auch das Grundeigentum auf den Kredit folgen.}
„Seine Lage hatte sich sogar verbessert, da es – vielleicht das erste Mal seit dem Feudalismus – die Hände wechselte und in hohem Maße aufgeteilt wurde." (l.c. p. 138.)
Nämlich: „Die unzähligen Besitzwechsel, die unter dem Einfluß des Systems vor sich gingen, begannen den Grundbesitz zu zerstückeln... Das Grundeigentum trat zum erstenmal aus jenem Zustande der Erstarrung heraus, in dem es das Feudalsystem so lange gehalten hatte. Das war ein wahres Erwachen für die Agrikultur... Sie" (la terre40) „gelangte nun aus dem Regime der toten Hand in das der Zirkulation." (p. 137, 138.)
Turgot so gut wie Quesnay und seine übrigen Anhänger wollen auch kapitalistische Produktion innerhalb der Agrikultur. So Turgot:
„Pachten oder Mieten von Land... diese letztere Methode" (der großen, auf dem modernen Pachtwesen beruhenden Agrikultur) „ist die vorteilhafteste von allen, aber sie setzt ein Land voraus, das schon reich ist." (Sieh Turgot, l.c. p. 16–21.)
Und Quesnay in seinen „Maximes générales du gouvernement économique d’un royaume agricole“:
„Der zum Getreidebau verwandte Boden soll soweit wie möglich zu großen Pachtgütern vereinigt werden, die von reichen Landwirten“ (i.e. Kapitalisten) „ausgebeutet werden; denn bei den großen landwirtschaftlichen Betrieben sind die Ausgaben für die Erhaltung und Reparatur der Gebäude geringer, die Unkosten verhältnismäßig sehr viel kleiner und das Nettoprodukt sehr viel größer als bei den kleinen.“ [p. 96, 97.]
Zugleich, an besagtem Ort, gibt Quesnay zu, daß die Steigerung der Produktivität der Agrikulturarbeit dem „revenu net“41, also zunächst dem propriétaire, i.e. dem Besitzer des Mehrwerts, zukömmt und daß die relative Steigerung des letztern nicht aus dem Boden, sondern aus gesellschaftlichen etc. arrangements42 zur Steigerung der Produktivität der Arbeit herstammt. ||240|| Denn er sagt am besagten Ort:
„Jede vorteilhafte“ {i.e. au profit du produit net43} „Ersparnis an Arbeiten, die man mit Hilfe von Tieren, Maschinen, Wasserkräften usw. ausführen kann, kommt der Bevölkerung zugute“ etc. [p. 97.]
Zugleich hat Mercier de la Rivière (l.c., t. II, p. 407) eine Ahnung, daß der Mehrwert in der Manufaktur wenigstens (was Turgot für alle Produktion, wie oben erwähnt, entwickelt) etwas zu tun hat mit den Manufakturarbeitern selbst. Am zitierten Platz ruft er aus:
„Mäßigt euren Enthusiasmus, ihr blinden Bewunderer der trügerischen Produkte der Industrie. Ehe ihr ihre Wunder preist, öffnet die Augen und seht, in welcher Armut oder wenigstens in welcher Dürftigkeit dieselben Arbeiter leben, die die Kunst verstehen, zwanzig Sous in den Wert von tausend Talern zu verwandeln; wer profitiert denn von dieser enormen Vermehrung von Werten? Nun! Jene, durch deren Hand sie hervorgebracht werden, kennen nicht den Wohlstand! Ach! Laßt euch warnen durch diesen Kontrast!“
Die Widersprüche des ganzen Systems der Ökonomisten. U.a. Quesnay für absolute Monarchie.
„Die Gewalt soll eine einzige sein… Das System der Gegenkräfte in einer Regierung ist verderblich; es läßt nur den Zwiespalt unter den Großen und die Unterdrückung der Kleinen erkennen.“ (In den oben zitierten „Maximes générales“ etc. [p.81.])
Mercier de la Rivière:
„Schon dadurch, daß dem Menschen bestimmt ist, in der Gesellschaft zu leben, ist ihm bestimmt, unter dem Despotismus zu leben.“ ([l.c.,] t. I, p. 281.)
Und nun gar der „Freund des Volks“, der marquis de Mirabeau! Mirabeau le père! Und grade diese Schule durch das laissez faire, laissez aller wirft den Colbertismus um, überhaupt alle Einmischung der Regierung in das Treiben der bürgerlichen Gesellschaft. Sie läßt den Staat nur noch in den Poren dieser Gesellschaft fortleben, wie Epikur seine Götter in den Poren der Welt! Die Verherrlichung des Grundeigentums schlägt praktisch darin um, daß die Steuern ausschließlich auf die Grundrente zu legen – virtuelle Konfiskation des Grundeigentums durch den Staat, ganz wie bei dem radikalen Teil der Ricardians. Die Französische Revolution, trotz des Einspruchs Ræderers und andrer, nahm diese Steuertheorie an.
Turgot selbst, der radikale Bourgeoisminister, der die Französische Revolution einleitet. Mit all ihrem falschen feudalen Schein die Physiokraten Hand in Hand arbeitend mit den Enzyklopädisten! ||240||
||241| Turgot suchte die Maßregeln der Französischen Revolution zu antizipieren. Durch Edikt vom février44 1776 abolierte er die corporations45. (Dies Edikt 3 Monate nach seiner Publikation revoziert.) Ebenso hob er die corvée des paysans46 für die Straßenbauten auf. Versuchte die Einführung des impôts unique47 auf die Grundrente.
||241| Wir werden später noch einmal auf das große Verdienst der Physiokraten respecting the analysis of capital48 zurückkommen.
Hier also noch das: Der Mehrwert ist verdankt (nach ihnen) der Produktivität einer besondren Art der Arbeit, der Agrikultur. Und im ganzen ist diese besondre Produktivität geschuldet der Natur selbst.
Bei dem Merkantilsystem ist der Mehrwert nur relativ. Was der eine gewinnt, verliert der andre. Profit upon alienation oder oscillation of wealth between different parties49. Im Innern eines Landes findet also in der Tat keine Bildung von Mehrwert, das Gesamtkapital betrachtet, statt. Sie kann nur stattfinden im Verhältnis der einen Nation zu den andren Nationen. Und der Überschuß, den die eine Nation über die andre realisiert, stellt sich dar in Geld (Handelsbilanz), weil eben Geld die unmittelbare und selbstständige Form des Tauschwerts ist. Im Gegensatz hierzu – denn das Merkantilsystem leugnet in der Tat die Bildung von absolutem Mehrwert – will die Physiokratie den letztern erklären: das produit net. Und da sie am Gebrauchswert festhält, die Agrikultur die einzige Bildnerin desselben.
Einer der naivsten Ausdrücke der Physiokratie – wie weit entfernt von Turgot – findet sich in dem alten Demagogenriecher und königlich-preußischen Geheimrat Schmalz. Z.B.:
„Wenn ihm“ (au bailleur des bienfonds50, dem Grundeigentümer) „die Natur auch das Doppelte des rechtmäßigen Zinses zahlt, aus welchem einleuchtenden Grunde könnte man sich anmaßen, ihn dessen zu berauben?“ („Econ. politique“, traduit par Henri Jouffroy etc., t. I, Paris 1826, p. 90.)
Das Minimum des salaire so ausgedrückt bei den Physiokraten, daß die consommation (oder dépense) des ouvriers est égale au salaire qu'ils reçoivent51. Oder wie Herr Schmalz dies allgemein ausdrückt (l. c. p. 120):
„Der durchschnittliche Arbeitslohn in einem Berufe ist gleich dem, was im Durchschnitt ein Mensch dieses Berufes in der Zeit seiner Arbeit konsumiert.“
„Die Grundrente ist das einzige Element des Einkommens der Nation: ||242|| Sowohl die Zinsen der Kapitalanlagen als auch der Arbeitslohn für alle Arten von Arbeit bringen das Produkt dieser Grundrente nur aus einer Hand in die andere.“ (Schmalz, l. c., t. I, p. 309, 310.)
„Die Verwendung des Bodens, seine Fähigkeit, seine Kraft zur jährlichen Reproduktion der Grundrente, ist alles, was den nationalen Reichtum ausmacht.“ (l. c. p. 310.)
„Wenn man auf die Grundlagen, auf die ursprünglichen Elemente des Wertes aller wie immer gearteten Dinge zurückgeht, muß man anerkennen, daß dieser Wert nichts anderes ist als der Wert der einfachen Naturprodukte. Das heißt, obwohl die Arbeit den Dingen einen neuen Wert zufügt, und so den Preis erhöht, besteht dieser neue Wert oder dieser Preis doch nur aus der Summe der Werte aller jener Naturprodukte, die auf Grund der neuen Form, die die Arbeit ihnen gegeben hat, zerstört, konsumiert oder vom Arbeiter auf irgendeine Weise verbraucht worden sind.“ (l. c. p. 313.)
„Diese Art Arbeit“ (die eigentliche Agrikultur) „ist die einzige, die dazu beiträgt, neue Körper zu schaffen; sie ist daher auch die einzige, die bis zu einem gewissen Grade als produktiv angesehen werden kann. Was die zubereitenden oder gewerblichen Arbeiten betrifft..., so geben sie einfach den Körpern, die die Natur hervorgebracht hat, eine neue Form.“ (Schmalz, l. c. p. 15, 16.)
Verri (Pietro): „Meditazioni sulla Economia politica“. (Zuerst gedruckt 1771) t. XV, Custodi, Part. mod., p. 21, 22:
„Alle Erscheinungen des Weltalls, seien sie hervorgerufen von der Hand des Menschen oder durch die allgemeinen Gesetze der Physik, sind nicht tatsächliche Neuschöpfungen, sondern lediglich eine Umformung des Stoffes. Zusammensetzen und Trennen sind die einzigen Elemente, die der menschliche Geist immer wieder bei der Analyse der Vorstellung der Reproduktion findet; und ebenso verhält es sich mit der Reproduktion des Wertes und des Reichtums, wenn Erde, Luft und Wasser auf den Feldern sich in Korn verwandeln, oder auch wenn sich durch die Hand des Menschen die Abscheidung eines Insekts in Seide verwandelt, oder einige Metallteilchen sich anordnen, um eine Repetieruhr zu bilden.“
Ferner: Die Physiokraten nennen
„die Klasse der Manufakturarbeiter steril, weil nach ihrer Meinung der Wert der Manufakturprodukte gleich ist dem Rohmaterial plus den Nahrungsmitteln, die die Manufakturarbeiter während der Zeit der Fabrikation konsumieren“. (l. c. p. 25.)
||243| Verri macht dagegen aufmerksam auf die konstante Armut der contadini52 im Gegensatz zur progressiven Bereicherung der artigiani53 und fährt dann fort:
„Das beweist, daß der Gewerbetreibende in dem Preise, den er empfängt, nicht nur den Ersatz verausgabter Konsumtion erhält, sondern einen gewissen Teil darüber hinaus; und dieser Teil ist eine neue Quantität des Wertes, geschaffen in der jährlichen Produktion.“ (l. c. p. 26.) „Der neugeschaffene Wert ist also jener Teil des Preises des landwirtschaftlichen oder des gewerblichen Produktes, den sie über den ursprünglichen Wert der Materialien und die während ihrer Verarbeitung notwendigen Konsumtionskosten hinaus geben. In der Landwirtschaft müssen der Same und die Konsumtion des Landmannes in Abzug gebracht werden, ebenso in der Manufaktur das Rohmaterial und die Konsumtion des Manufakturarbeiters; und um ebensoviel wird jährlich neuer Wert geschaffen, wie der übrigbleibende Rest beträgt.“ (l. c. p. 26, 27.)