9
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über die Statistik des neuen Blaubuchs]
[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 23. Juli 1867]

Bürger Marx lenkte die Aufmerksamkeit des Rats auf ein parlamentarisches Blaubuch – „Reports by Her Majesty's Secretaries of embassy and legation on the manufactures and commerce of the countries in which they reside“, 1867 – und zitierte daraus folgenden Auszug:

„In den ersten elf Monaten von 1864 importierte Belgien 7200 Tonnen unbearbeitetes Gußeisen, davon 5300 Tonnen aus Großbritannien. Im entsprechenden Zeitraum von 1865 stieg dieser Import auf 18 800 Tonnen, davon kamen 17 000 Tonnen aus Großbritannien; 1866 stieg der Import auf 29 590 Tonnen, wovon 26 200 Tonnen aus Großbritannien. Andererseits betrug der belgische Gußeisenexport in den ersten elf Monaten von 1864 24 400 Tonnen, wovon 17 200 Tonnen nach Frankreich und 5900 Tonnen nach England gingen, während der Export im entsprechenden Zeitraum von 1866 nicht mehr als 14 000 Tonnen betrug; davon wurden 9600 Tonnen nach Frankreich und nur 241 Tonnen nach Großbritannien exportiert. Die Exporte belgischer Schienen fielen ebenfalls von 75 353 Tonnen in den ersten elf Monaten von 1864 auf 62 734 Tonnen im Jahre 1866.

Es folgt eine Tabelle mit genauen Angaben über den belgischen Import von Eisen und Stahl aller Sorten aus Großbritannien und über den belgischen Export von Eisen und Stahl nach Großbritannien in den ersten elf Monaten von 1866 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum von 1864.

Belgische Importe aus Großbritannien

Die ersten elf Monate
1866
in Tonnen
1864
in Tonnen
Erz- und Feilspäne .................................... 0 1
Roh-, Guß- und Alteisen ............................ 26 211 5296
Bearbeitetes Eisen (Nägel, Draht etc.) ......... 1031 1777
Gußwaren ................................................ 41 24
Schmiedeeisen ......................................... 255 203
Stahlbarren, -platten und -draht ................. 3219 1227
Schmiedestahl .......................................... 522 0
Insgesamt ............................................... 31 289 8528
Die ersten elf Monate
1866 1864
in Tonnen in Tonnen
Erz- und Feilspäne 1768 5555
Roh-, Guß- und Alteisen 241 5920
Bearbeitetes Eisen (Nägel, Draht etc.) 6727 9436
Gußwaren 5 7
Schmiedeeisen 12 0
Stahlbarren, -platten und -draht 50 56
Schmiedestahl 16 5
Insgesamt 8819 20 979

So kann als Ergebnis kurz festgestellt werden:
Belgien exportierte 1864 (in den ersten elf Monaten) nach England 20 979 Tonnen Eisen und Stahl, 1866 jedoch nur 8819 Tonnen, während der britische Export von Eisen und Stahl nach Belgien von 8528 Tonnen im Jahre 1864 auf 31 289 Tonnen im Jahre 1866 stieg.

Marx erinnerte daran, daß sich im vergangenen Jahr einige bürgerliche Zeitungen über die verderblichen Folgen der Existenz von Trade-Unions ereiferten und behaupteten, daß durch deren Tätigkeit die englische Eisenindustrie ihre Positionen verliere und von der belgischen Eisenindustrie verdrängt werde. Keine dieser Zeitungen, die diesen Lärm erhoben hatten, habe das Erscheinen dieses Blaubuches mitgeteilt, geschweige denn über dessen Inhalt berichtet.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

10
[Aufzeichnung einer Rede von Karl Marx
über die Stellung der Internationalen Arbeiterassoziation
zum Kongreß der Friedens- und Freiheitsliga]

[Aus dem Protokoll der Sitzung des Generalrats
vom 13. August 1867]

Bürger Marx lenkte die Aufmerksamkeit auf den Friedenskongreß, der in Genf stattfinden soll. Er halte es für wünschenswert, daß soviel Delegierte wie möglich als Einzelpersonen am Friedenskongreß teilnähmen; es wäre jedoch unklug, offiziell als Vertreter der Internationalen Assoziation daran teilzunehmen. Der Kongreß der Internationalen Arbeiterassoziation sei an sich schon ein Friedenskongreß, da die Vereinigung der Arbeiterklasse der verschiedenen Länder internationale Kriege schließlich unmöglich machen müsse. Hätten die Initiatoren des Genfer Friedenskongresses den Kern dieser Frage wirklich verstanden, dann wären sie der Internationalen Assoziation beigetreten.

Die jetzige Verstärkung der großen Armeen in Europa sei durch die Revolution von 1848 hervorgerufen; große stehende Heere seien das zwangsläufige Ergebnis des gegenwärtigen Zustands der Gesellschaft. Sie würden nicht unterhalten, um internationale Kriege zu führen, sondern um die Arbeiterklasse niederzuhalten. Aber nicht immer gäbe es Barrikaden, die man bombardieren, und Arbeiter, die man erschießen könne; dann bestünde die Möglichkeit, internationale Konflikte vom Zaune zu brechen, damit die Soldaten nicht aus der Übung kommen. Die Verfechter eines Friedens um jeden Preis seien auf dem Kongreß zweifellos in der Mehrzahl. Sie ließen gern Rußland allein im Besitz der Mittel zur Führung eines Krieges gegen das übrige Europa; indes wäre schon die Existenz einer solchen Macht wie Rußland für alle anderen Länder Anlaß genug, ihre Armeen bestehen zu lassen.

Es sei mehr als wahrscheinlich, daß einige französische Radikale die Gelegenheit benützten, um deklamatorische Reden gegen ihre eigene Regierung zu halten, doch diese Reden hätten eine größere Wirkung, wenn sie in Paris gehalten würden.

Wer es ablehne, mitzuwirken an einer Veränderung der Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital, lasse die wirklichen Voraussetzungen für einen allgemeinen Frieden außer acht.

Nach dem Protokollbuch.
Aus dem Englischen.

11
Bericht des Generalrats
der Internationalen Arbeiterassoziation
an den Lausanner Kongreß 1867

I. Vom Genfer Kongreß (September 1866) gestellte Aufgaben

Der Genfer Kongreß stellte dem Generalrat die folgenden Aufgaben:

1. Der Kongreß ermächtigte durch eine Resolution die englischen Delegierten, über die Postdirektoren in der Schweiz, in Frankreich und in England die notwendigen Schritte zu unternehmen, um eine Herabsetzung der Gebühren für die Beförderung von Briefen und Drucksachen zu erreichen.

Der Schweizer Minister stimmte mit der Delegation in allen von ihr vorgeschlagenen Punkten überein, wies aber darauf hin, daß die französische Regierung jede Reform in dieser Hinsicht behindere.

In Frankreich konnten die Delegierten keine Audienz beim Postdirektor erlangen.

In England erklärte sich die Regierung nur bereit, eine Denkschrift entgegenzunehmen, in welcher die Tatbestände dargelegt sind. Die Denkschrift wurde vom Generalrat verfaßt, der nun auf eine Antwort wartet.

2. Die Veröffentlichung der Kongreßmaterialien in mehreren Sprachen samt Briefen und Berichten.

3. Die Publikation eines periodischen Bulletins in verschiedenen Sprachen, das alles enthält, was die Internationale Assoziation interessieren könnte; Gewährung jeder Art von Informationen über die Arbeit in den einzelnen Ländern und Zusammenstellung von Berichten über die Kooperativgesellschaften und über die soziale Lage der Arbeiter.

4. Der Generalrat wurde auch aufgefordert, eine statistische Untersuchung der Lage der Arbeiter durchzuführen, die detaillierte und spezielle Berichte über jeden Zweig der Industrie und der Landwirtschaft enthalten und alle zivilisierten Länder umfassen sollte.

Um den Rat in die Lage zu versetzen, seine Aufgaben zu erfüllen, setzte der Kongreß einen jährlichen Beitrag von 30 Centimes je Mitglied fest sowie eine Vergütung von wöchentlich 2 Pfd.St. für den Generalsekretär; die Wahl des letzteren wurde dem Generalrat überlassen.

Als nach der Rückkehr der Delegierten der Rat mit seiner Arbeit begann, erhielt er die Nachricht, daß Polizeiaienten an der französischen Grenze bei Jules Gottraux mehrere wichtige Dokumente beschlagnahmt hatten.

Der Generalsekretär wurde aufgefordert, an den Innenminister von Frankreich zu schreiben, um die Herausgabe der genannten Dokumente zu erreichen. Da dieser Brief ohne Antwort blieb, wurde ein Gesuch an den englischen Außenminister gerichtet; Lord Stanley wies Lord Cowley, den englischen Botschafter in Paris, entsprechend an, die Herausgabe der Dokumente zu erwirken.

Nach wenigen Tagen schon wurden uns diese Dokumente nebst einem Paket mit Nummern der „Tribune du Peuple“ zurückerstattet, einem Paket, das offensichtlich bei einer anderen Person beschlagnahmt worden war.

Dieser Zwischenfall verzögerte die Veröffentlichung der Kongreßmaterialien durch den Rat um mehrere Monate.

Die Dokumente wurden dem Subkomitee zugestellt, damit es den offiziellen Bericht vorbereite.

Da der Generalrat nicht über die Mittel verfügte, um den Generalsekretär zu bezahlen, oblag diese Arbeit den Mitgliedern des Rats, die der Sache genügend ergeben waren, um neben ihrer gewöhnlichen Tätigkeit auch diese Arbeit auszuführen, was aber mehr Zeit beanspruchte.

Als diese Arbeit beendet war, stellte es sich heraus, daß der Mindestpreis, der für den Druck dieses Berichts in einer einzigen Sprache gefordert wurde, 1000 frs. für 1000 Exemplare betrug.

Wollte der Generalrat die Resolution des Kongresses durchführen, war eine sofortige Ausgabe von 3000 frs. notwendig; in der Kasse befanden sich aber in jenem Augenblick nur 22 frs. 90 cts.

Der Generalrat rief die angeschlossenen englischen Gesellschaften zur Zahlung von Beiträgen auf.

Die Zigarrenmacher von London und die Bandweber von Coventry und Warwickshire waren die einzigen, die antworteten.

Der Exekutivrat der Bandweber zeigte bei der Erfüllung seiner Pflichten einen Eifer, den wir hervorheben müssen; da er kein Geld verfügbar hatte und die meisten seiner Mitglieder ohne Arbeit waren, veranstaltete er eine spezielle Geldsammlung unter denen, die arbeiteten.

Als der Generalrat sowohl in Frankreich als auch im Ausland alle Möglichkeiten erschöpft hatte, um den Bericht über den Kongreß zu veröffentlichen, nahm er von dem Bürger Collet, dem Redakteur des „Courrier international“ und des „Working man“, das Anerbieten an, den Bericht in beiden Wochenblättern in französischer und in englischer Sprache zu veröffentlichen; Collet erbot sich außerdem, Stereotypen anzufertigen, um diesen Bericht als Broschüre veröffentlichen zu können; auch verpflichtete er sich, mit dem Generalrat alle Gewinne zu teilen, während er es von vornherein auf sich genommen hatte, alle Verluste zu tragen.

Als die Veröffentlichung der Materialien des Genfer Kongresses von diesen Blättern angekündigt wurde, fand die englische Regierung, die ähnlichen Veröffentlichungen seit mehreren Jahren nichts in den Weg gestellt hatte, einen Vorwand, um die Veröffentlichung aufzuhalten, indem sie von dem Bürger Collet verlangte, daß er zwei Kautionen von mehreren tausend Francs hinterlege. Diese Formalität verzögerte die Veröffentlichung bis zum 9. März. Inzwischen hat der Bürger Collet aus sicherer Quelle erfahren, daß dieser Zwischenfall von der französischen Regierung veranlaßt worden war.

Dies sowie die Beschlagnahme der Denkschrift der Pariser Delegierten läßt klar erkennen, welche Haltung die französische Regierung gegenüber der Internationalen Assoziation einnimmt.

Die Nummern des „Courrier international“, die diesen Bericht enthielten, wurden allen Korrespondenten der Assoziation gratis geschickt. Die Übersetzung ins Deutsche mußte umständehalber unterbleiben, da der Generalrat keine Möglichkeit hatte, sie vorzunehmen.

Obgleich alle Stereotypen hergestellt sind, verhinderte das Fehlen von Geldmitteln bis zum heutigen Tage die Veröffentlichung des Berichts in Form einer Broschüre, die jedoch von allen unseren Korrespondenten dringend gefordert wird.

Um diese Schwierigkeiten zu beheben, hat ein Mitglied des Rats 100 Francs vorgestreckt für den Druck von 1000 Mitgliedsbüchern mit dem Text der Statuten und des Reglements; 800 dieser Mitgliedsbücher wurden versandt, aber von der französischen Polizei beschlagnahmt; dieser Verlust erschwerte die Lage des Generalrats noch, eine Lage, die um so prekärer war, als er von allen Seiten wegen der 1865 und 1866 gemachten Schuld von mehr als tausend Francs behelligt wurde; denn obwohl der Genfer Kongreß die kollektive Verantwortlichkeit für diese Schuld übernommen hatte, nannte er kein wirksames Mittel, sie zu tilgen.

Unter diesen Umständen war der Rat völlig außerstande, irgendeinen Bericht oder ein periodisch erscheinendes Bulletin, wie es der Kongreß beschlossen hatte, zu veröffentlichen; die Folge war, daß die statistische Untersuchung für 1867 aufgegeben werden mußte, weil diese Untersuchung, um wirksam zu sein, sich nicht nur auf die angeschlossenen Gesellschaften beschränken kann, sondern alle Produktionszweige an allen Orten erfassen muß. Diese Arbeit, die beträchtlichen Zeitaufwand und sehr hohe Ausgaben erfordert, konnte vom Generalrat in der pekuniären Situation, in der er sich befand, nicht ausgeführt werden.

II. Die Rolle der Internationalen Arbeiterassoziation
in dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit

Die mannigfache Hilfe, welche die Assoziation in den verschiedenen Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit in einer Reihe von Ländern geleistet hat, zeigt zur Genüge die Notwendigkeit einer solchen Assoziation. Als die Arbeiter sich weigerten, die willkürlichen Bedingungen der englischen Kapitalisten zu akzeptieren, drohten diese, sie durch eingeführte Arbeitskräfte vom Kontinent zu ersetzen. Die Möglichkeit einer derartigen Importation hat mehrere Male genügt, um die Arbeiter zum Nachgeben zu zwingen. Die Tätigkeit des Rats hat verhindert, daß diese Drohungen so offen wie früher gemacht wurden. Stünden heute ähnliche Vorfälle bevor, so genügte die kleinste Andeutung, um die Pläne der Kapitalisten zu vereiteln. Kommt es zu einem Strike oder einem Lockout(1) bei den der Assoziation angeschlossenen Gesellschaften, so werden die Arbeiter aller Länder sofort vom Stand der Dinge informiert und infolgedessen gewarnt vor den Angeboten seitens der Agenten der Kapitalisten. Indes ist diese Tätigkeit nicht nur auf die angeschlossenen Gesellschaften beschränkt, denn die Hilfe der Assoziation wird allen zuteil, die sie fordern.

Mitunter gelingt es den Kapitalisten, einige Unwissende zu ködern, doch diese verlassen die Kapitalisten, sobald sie über ihre Rechte und Pflichten belehrt werden.

Das Kapital betrachtet den Arbeiter nur als eine Produktionsmaschine und nichts weiter; der letzte Lockout der Londoner Korbmacher bietet hierfür ein schlagendes Beispiel. Dies sind die Tatsachen. Die Londoner Korbfabrikanten erklärten ihren Arbeitern, daß sie innerhalb von drei Tagen ihre Gesellschaft aufzulösen und eine Lohnsenkung anzunehmen hätten, anderenfalls, nach Ablauf dieser Frist, sie ihre Werkstätten schließen würden. Angesichts eines derart brutalen Vorgehens empörten sich die Arbeiter und erklärten, daß sie diese Bedingungen nicht annähmen; die Fabrikherren hatten dies vorausgesehen: ihre Agenten waren bereits nach Belgien gereist und brachten Arbeiter herbei... Diese Arbeiter wurden in einem der Londoner Viertel (Bermondsey) unter Eisenbahnbögen zusammengepfercht. Dort mußten sie arbeiten, essen und schlafen, ohne sich entfernen zu können, um jeden Kontakt mit den anderen Arbeitern zu vermeiden. Aber dem Generalrat gelang es, den von den Fabrikherren errichteten sanitären Kordon zu durchbrechen und durch eine Kriegslist bei den belgischen Arbeitern einzudringen; tags darauf kehrten diese Arbeiter, da sie ihre Pflicht begriffen hatten, nach Belgien zurück und wurden für ihre verlorene Zeit von der Gesellschaft der Londoner Korbmacher entschädigt. Als sie abreisten, kam gerade ein weiteres, mit anderen Arbeitern beladenes Schiff an; aber diesmal wurden sie von uns in Empfang genommen und reisten mit dem nächsten Schiff zurück. Es war den Fabrikherren danach unmöglich, sich andere Arbeiter zu beschaffen; sie sahen sich deshalb gezwungen, alles so zu belassen, wie es vorher gewesen war.

Dank eines Aufrufs des Rats an die englischen Gesellschaften erhielten die Pariser Bronzearbeiter moralische und materielle Unterstützung in ihrem Strike; andererseits erhielten die Londoner Schneider ähnliche Unterstützung von den Arbeitern des Kontinents.

Mit demselben Erfolg griff der Rat ein in den Strike der Erdarbeiter, der Gitterwerkemacher, der Friseure, der Zinkarbeiter und der Holzschneider.

III. Die englische Sektion

A. Propaganda

Wenn in England die Propaganda nicht so aktiv gewesen ist wie im vergangenen Jahre, so sind die Gründe dafür leicht aus folgendem abzuleiten: Ein Schritt in liberaler Richtung wird niemals durch die Initiative der Regierung getan; erst wenn fortgesetzte Agitation die Massen entflammt hat, weicht die Regierung schließlich dem Druck des Volkes; Beweis hierfür ist die Frage der Wahlrechtsreform und des Versammlungsrechts in den Parks.

Die englischen Arbeiter messen der Wahlrechtsfrage berechtigterweise eine große Bedeutung bei; sie opfern ihre Zeit und ihre Energie, um imposante Kundgebungen zu organisieren, deren moralische Kraft die Regierung beeindruckt und sie zwingt, dem Volkswillen nachzugeben.

Solange die Arbeiter energisch ihre Bürgerrechte forderten, war es dem Generalrat unmöglich, ihre Aufmerksamkeit auf die sozialen Fragen zu lenken, von denen sie glaubten, daß sie erst in ferner Zukunft gelöst werden könnten.

Die englischen Mitglieder des Generalrats, die vor allen anderen die Pflicht hatten, unsere Propaganda zu unterstützen, konnten sich dieser Bewegung, die wir ins Werk gesetzt hatten und die sie lenken sollten, nicht fernhalten. Der Erfolg hat ihre Bemühungen belohnt, und das Jahr 1867 wird für immer in die Annalen der englischen Arbeiterklasse eingehen als eine ruhmvolle Zeit.

Wenn auch die Propaganda nicht so aktiv gewesen ist, wie sie hätte sein müssen, aus Gründen, die wir oben angegeben haben, so hat sie doch keinen einzigen Augenblick aufgehört. Die für den Anschluß von Arbeitergesellschaften notwendigen Formalitäten erfordern viel Zeit; die demokratische Verfassung der Trade-Unions gestattet dem Exekutivkomitee nicht, einen Beschluß zu einer wichtigen Frage zu fassen, ohne daß vorher alle Zweige darüber diskutiert hätten.

Um den Anschluß einer Gesellschaft zu erreichen, muß man sich an folgenden Weg halten. Man teilt dem Komitee brieflich Ziel und Zweck des Anliegens mit. Das Komitee bestimmt einen Tag zum Empfang einer Abordnung. Wenn die Frage in Erwägung gezogen wird, unterbreitet sie das Komitee den Zweiggesellschaften; dann muß man ein, zwei, zuweilen auch drei Monate warten, ehe man das Ergebnis erfährt. Aus dem soeben Gesagten darf man jedoch nicht schließen, daß allein das Komitee einer Gesellschaft einen Vorschlag unterbreiten oder zurückweisen kann; schon oft haben sich Zweiggesellschaften der Internationalen Assoziation ohne Mitwirkung des Komitees angeschlossen.

Seit dem Genfer Kongreß haben mehr als zwanzig große Arbeitergesellschaften die Abordnungen des Generalrats wohlwollend empfangen; das Ergebnis erwartet er von Tag zu Tag. Andere Gesellschaften haben ihren Anschluß bis zu einem geeigneteren Moment aufgeschoben; eine einzige nur hat den Anschluß mit der Begründung zurückgewiesen, daß sich die Internationale Assoziation mit politischen Fragen befasse.

B. Beiträge

Diese Frage hat den Generalrat lange beschäftigt. Noch als darüber beraten wurde, schloß sich das Exekutivkomitee der Maurer der Assoziation an und faßte den Beschluß, einen jährlichen Beitrag von 1 Pfd.St. zu entrichten.

Im März 1865 entsandte der Generalrat eine Abordnung zur Konferenz der englischen Schuhmacher, wo folgende, von den Delegierten aus Birmingham und Hull vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen wurde:

„Die Konferenz akzeptiert die Prinzipien der Internationalen Assoziation, erklärt ihren Anschluß an sie und verpflichtet die anwesenden Mitglieder, alles zu tun, um diese Prinzipien zu propagieren.“

Die Beitragsfrage wurde beraten, aber nicht gelöst. Bald danach beschloß der Generalrat, daß jeder Gesellschaft, die sich der Assoziation anschließt, eine Urkunde über den erfolgten Beitritt ausgestellt wird; die Gesellschaft soll eine Eintrittsgebühr von 5 Shilling(2) zahlen, ansonsten blieb es dem freien Ermessen der Gesellschaften überlassen, zu entscheiden, in welchem Ausmaße sie dem Generalrat helfen könnten.1

Das von den Gesellschaften eingebrachte Geld war ihrerseits eine Gabe, womit die Kosten des Generalrats für das Entsenden der Delegation zum Genfer Kongreß gedeckt werden sollten.

Das Komitee der Schuhmacher gab zu diesem Zweck 5 Pfd.St.

Um diese Frage zu regeln, schlug der Generalrat einen einheitlichen Beitrag für jedes Mitglied vor.

Der Genfer Kongreß beschloß, den jährlichen Beitrag auf 30 Centimes festzusetzen.

Diese hohen Beitragssummen waren ein unüberwindbares Hindernis für die Delegationen, die der Rat nach dem Kongreß zu den englischen Gesellschaften entsandte.

In dieser Situation beschloß der Rat in seiner Sitzung vom 9. Oktober, den jährlichen Beitrag auf 5 Centimes herabzusetzen. Die Gesellschaft der Schuhmacher (Amalgamated cordwainers Association) teilte uns mit, daß die auf der Konferenz von 1865 angenommene Resolution, die einem jährlichen Beitrag von 5 Pfd.St. zugestimmt hatte, durch die Konferenz von 1867 aufgehoben worden ist.

Das Exekutivkomitee der Maurer gab für das Jahr 1867, wie schon für 1866, 1 Pfd.St.; aber es hat uns noch nicht mitgeteilt, ob sich die ganze Gesellschaft angeschlossen hat oder nicht.

Die Gesellschaft der Schuhmacher zählte im vergangenen Jahre 5000 Mitglieder, die der Maurer 3000 bis 4000.

Zweimal rief der Rat alle angeschlossenen Gesellschaften auf zur Entrichtung der Beiträge für das Jahr 1867. Einige haben bezahlt, andere haben es noch nicht getan; aber keine, außer der Gesellschaft der Schuhmacher, hat sich ihren Verpflichtungen entzogen.

Die vereinigte Gesellschaft der Zimmerleute und Tischler hat erst kürzlich den Beschluß gefaßt, jährlich 2 Pfund an den Generalrat zu entrichten. Im Augenblick wird in den Sektionen die Frage erörtert, ob die ganze Gesellschaft ein Teil der Internationalen Assoziation wird. Diese Gesellschaft, die mehr als 9000 Mitglieder zählt, hat Zweiggesellschaften in ganz England und auch in Wales, Schottland und Irland.

Wir bringen nun eine Liste der angeschlossenen englischen Gesellschaften und der Beträge, die sie im Laufe des Jahres, das seit dem letzten Kongreß verflossen ist, an den Rat gezahlt haben.

Von der britischen Sektion eingezahlte Beträge

1866 1867
Pfd. St. Shilling Pence Pfd. St. Shilling Pence
Arbeiterbildungsverein2 2
Französische Sektion in London 4 9
Zentralsektion der polnischen Emigranten 4 10
Exekutivkomitee der Maurer 1
Erste Zweiggesellschaft der Maurer 8
Die Kunsttischler (vereinigte Gesellschaft) 10 1 13 4
Die Kunsttischler (West End) 5 1 7
Die Buchbinder 8 3 17 6
Die Böttcher 6 6
Exekutivkomitee der Schuhmacher 5
Sektion der Schuhmacher (Darlington) 5
Sektion der Schuhmacher (Nottingham) 5 2 1
Die Zigarrenmacher 5 1 9
Die Bandweber von Coventry 5 1 9
Die Koffermacher 1 5 4
Die Schuhmacher von Kendal 5 1 8
Die Damenschuhmacher (West End) 6 10
Die Schneider von London 3
Die Schneider von Darlington 5 1 8

Gesellschaften, die sich nach dem Kongreß angeschlossen haben

Eintrittsbeiträge Beiträge
Pfd. St. Shilling Pence Pfd. St. Shilling Pence
Die Korbmacher von London 5
Die Stoffdrucker von Lancashire 5 2 1 8
Die Wagenmacher von London 5
Die Wagentapezierer (Taverne „Globe“) 5 1 101/2
Dieselben (Taverne „Crown“) 5 5
Die Weber (elastische Stoffe) 5 5
Die vereinigten Erdarbeiter 5
Die Möbelpolierer 5
Orgelbauer 5 2 1
Musterzeichner und Holzschneider 5
Exekutivkomitee der Zimmerleute 2
Vereinigte Gerber
Klempner

Für die Delegation eingezahlte Beträge

Damenschuhmacher (West End) 4 10
Zigarrenmacher von London 1 1
Die Weber (elastische Stoffe) 1

Die Differenz in den Beträgen zwischen den beiden Jahren läßt sich wie folgt erklären: Im Jahre 1866 wurden die Summen zur Entsendung der Delegierten nach Genf eingezahlt, während in diesem Jahre die Mittel nur für Verwaltungskosten bestimmt sind.

Im vergangenen Jahr sind uns, wie schon gesagt, Schulden entstanden; diese Schulden hat der Generalrat getilgt, soweit ihm das möglich war.

Die Gründe, weshalb angeschlossene Gesellschaften ihre Beiträge noch nicht gezahlt und andere noch keine Mittel für den Kongreß bewilligt haben, sind die Stagnation in der Produktion, die zahlreichen Strikes, die Lockouts und besonders die Bewegung für die Wahlrechtsreform; schließlich der Strike der Londoner Schneider, der im Augenblick die Ressourcen der Trade-Unions aufzehrt.

Der Generalrat erhielt von den Gesellschaften zahlreiche Briefe, die diese Lage der Dinge bestätigen und in denen bedauert wird, daß man uns finanziell nicht helfen kann.

IV. Kontinentale und amerikanische Sektionen

Frankreich

Es zählt zu den Aufgaben des Generalrats, mit den selbständigen Zweigen in jenen Ländern zu korrespondieren, wo einschränkende Gesetze es nicht erlauben, ungehindert ein Aktionszentrum zu bilden; so ist zum Beispiel die Situation in Frankreich.

Es wurde weiter oben schon gesagt, daß alle Versuche des Generalrats, die Mitgliederbücher mit den darin enthaltenen Statuten und dem Reglement der Internationalen Assoziation nach Frankreich zu bringen, daran gescheitert waren, daß sich die französischen Behörden unseres Eigentums bemächtigt hatten, obwohl diese Rechtsverletzung durch nichts gerechtfertigt ist. Aber die Hindernisse, welche uns die französische Regierung bereitete, beschränkten sich nicht hierauf. Vergeblich erbaten unsere Korrespondenten die Genehmigung zum Druck unserer Statuten und des Reglements: stets war hartnäckigste Ablehnung die einzige Antwort.

Das Komitee in Lyon, das 1866 Versammlungen mit mehr als 500 Mitgliedern veranstalten konnte, durfte nach dem Genfer Kongreß keine Generalversammlung abhalten.

Die mutige Ausdauer der Mitglieder von Lyon gegenüber den Regierungsbeamten hatte zum Ergebnis, daß sogar die Blindesten erkannten, inwieweit der französischen Regierung an der Befreiung des Arbeiters gelegen ist.

Es ist wichtig festzustellen, daß diese Hindernisse, diese kleinlichen Schikanen nicht einen Augenblick den Fortschritt unserer Assoziation aufgehalten haben.

In Vienne (Departement Isère), wo die Zahl der Mitglieder kaum 80 erreichte, gibt es deren heute über 500.

In Neuville-sur-Saône hat eine unserer Zweiggesellschaften eine Konsumgenossenschaft gegründet und dadurch die Landarbeiter, von denen man bis dahin glaubte, daß sie der Sache mit Abneigung begegnen würden, zur praktischen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben herangezogen.

Unser Korrespondent in Caen teilt uns mit, daß sich in dieser Stadt der Bund der Arbeiter mit jedem Tage festigt. Dank dieser Solidarität konnten die Polsterer, die Mechaniker, die Gerber, die Sattler, die Schmiede etc. die Verkürzung der Arbeitszeit um täglich eine Stunde ohne Lohnabzug durchsetzen.

In Fuveau (Departement Bouches-du-Rhône) zählt die Internationale Assoziation zahlreiche Anhänger unter den Bergarbeitern, deren kürzlicher Strike soviel Aufsehen erregt hat.

Am 5. August d.J. erhielt der Generalrat die Nachricht von der Bildung eines Komitees in Fuveau selbst. Dieser Erfolg ist der mutigen Propaganda des Bürgers Vasseur, eines Mitglieds des Komitees in Marseille, zu danken, der uns am 21. Juli d.J. schrieb:

„Zwischen Kapital und Arbeit ist ein Kampf ausgebrochen, der traurig und komisch zugleich ist: Auf der einen Seite reist eine Bande von Beamten und Angestellten umher und macht Propaganda, um die Arbeiter von der Internationalen Assoziation abzubringen, und auf der anderen Seite eine Handvoll Männer, die sich voller Energie und Hingabe unaufhörlich dem Ansturm unserer Gegner entgegenwerfen und die Ideen der Unabhängigkeit und der Gerechtigkeit in den Reihen der Arbeiter verbreiten.“

Und er fügt abschließend hinzu:

„Keine menschliche Macht wird die Emanzipationsideen, die wir im Lande gesät haben, ausmerzen können, denn unsere Gegner müssen gegen zwei Dinge ankämpfen, die schwer zu besiegen sind: das Recht und den Willen.

Kurz, der Arbeiter versteht, daß, wo ein Wille, auch ein Weg ist, und daß er nur auf sich selbst rechnen darf, will er seine volle politische und soziale Befreiung erringen.

Wir bringen eine Liste der Zweiggesellschaften, die zur Zeit des letzten Kongresses bestanden, und der von ihnen 1866 und 1867 eingezahlten Beträge.

Eingezahlte Beträge
Pfd. St. Shilling Pence
Paris .................................................................... 4
Caen .................................................................... 1
Lyon .................................................................... 11 12
Bordeaux ............................................................ 3 9
Rouen .................................................................. 4 5
Guadeloupe........................................................
Vienne .................................................................. 5 7 6
Neuville-sur-Saône ............................................ 1 5 3
Pantin ..................................................................
Saint-Denis ..........................................................
Puteaux ................................................................
Neufchâteau ........................................................
Lisieux ..................................................................
Condé-sur-Noireau ............................................
Thury-Harcourt ..................................................
Granville ..............................................................
Argentan ................................................................

Neue Zweiggesellschaften, die seit dem Kongreß
gebildet wurden

Pfd. St. Shilling Pence
Die Buchbinder von Paris .................................... 14 4
Castelnaudary ......................................................
Auch ....................................................................
Orléans ..................................................................
Nantes ..................................................................
Villefranche..........................................................
Marseille ................................................................
Fuveau ..................................................................
Le Havre ................................................................
Alger ....................................................................

Schweiz

Aus der Schweiz gingen uns nur die Korrespondenzen des Zentralkomitees zu. Ebenso wie in England besteht dort die Arbeit der Internationalen Assoziation darin, die Arbeitergesellschaften, aber auch möglichst viele Einzelpersonen zu veranlassen, sich ihr anzuschließen; wir möchten allerdings darauf hinweisen, daß die Arbeitergesellschaften in der Schweiz im einzelnen weniger Mitglieder haben als in England.

Hier sind die Städte, wo Zweiggesellschaften gebildet worden sind: Genf, Carouge, Lausanne, Vevey, Montreux, Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds, Locle, Sainte-Croix, Saint-Imier, Sonvillier, Biel, Moutier, Beaucourt, Zürich, Wetzikon, Basel, Bern, Tramelan, Les Breuleux und Les Bois.

Von diesen Zweiggesellschaften 1866 und 1867 erhaltene Gelder

Eingezahlte Beträge
Pfd.St. Shilling Pence
Genf (romanische Sektion) 4
Genf (deutsche Sektion) 1 7 9
La Chaux-de-Fonds 2 4
Locle 17 10

Belgien

Bericht des korrespondierenden Sekretärs für Belgien
an den Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation

Bürger!

Meine Korrespondenz mit Belgien datierte seit dem Strike der Korbmacher. Ich schrieb aus diesem Anlaß an den Bürger Vandenhouten einen Brief, der acht Tage später in der „Tribune du Peuple“ erschien; ich teilte ihm im Namen des Generalrats mit, daß ein Agent der Korbfabrikanten von London abgereist war, um belgische Korbmacher anzuwerben; ich schrieb ihm, daß unsere Organisation mit ihrer ganzen Kraft die Pläne dieses Agenten vereiteln müsse und daß die Solidarität die belgischen Arbeiter verpflichte, jede Anwerbung zurückzuweisen, um den Sieg ihrer englischen Brüder zu sichern.

Ich informierte dann den Bürger Vandenhouten von der Rückkehr einiger belgischer Korbmacher, die nach London gekommen waren im Glauben an die Versprechungen, die ihnen gemacht, doch von den Fabrikherren schließlich nicht gehalten wurden; auch schrieb ich von den brüderlichen Gefühlen der englischen Korbmacher; ich hob in diesem Briefe hervor, wie sehr die Maßnahmen des Generalrats zum Triumph der Arbeiter über die Fabrikherren beigetragen haben.

Mit dem Bürger Brismée führte ich eine Korrespondenz über den Druck des Berichts des Genfer Kongresses. Diese Korrespondenz konnte insofern zu nichts führen, als ich im Auftrage des Generalrats von ihm einen Kredit erbat, den er aber nicht geben konnte. Mein letzter diesbezüglicher Brief blieb unbeantwortet; zweifellos wurde es dem Bürger Brismée, dessen Ergebenheit gut bekannt ist, zu schwer, unser Anliegen förmlich zurückweisen zu müssen; so deute ich jedenfalls sein Schweigen.

Ich habe dem Bürger Vandenhouten einen Brief des Generalrats betreffs der belgischen Zigarrenmacher geschickt und ihn gebeten, diesen Brief der breitesten Öffentlichkeit bekanntzugeben; dasselbe tat ich hinsichtlich der Resolution des Generalrats über den Besuch des Zaren in Paris. Ich habe das Brüsseler Büro von dem Beschluß des Generalrats zum Strike der Londoner Schneider informiert, der den belgischen Schneidern nahelegt, in keinem Falle nach London zu kommen, um in den vom Strike erfaßten Werkstätten zu arbeiten, und alle belgischen Arbeiter aufruft, Solidarität zu üben und die Londoner Schneider materiell zu unterstützen.

Ich habe dem Bürger De Witte in Lüttich, Vorort Saint-Gilles, Nr. 6, und dem Bürger Vandenhouten in Brüssel das Zirkular des Generalrats über den Lausanner Kongreß geschickt mit der Bitte, ihm die größte Aufmerksamkeit zu schenken und es so weit wie nur möglich zu verbreiten.

Ich habe somit alles getan, was mir der Rat aufgetragen hatte, und ich wage zu sagen, daß nie ein Vorwurf aus Belgien gegen mich erhoben wurde. Ich füge diesem kurzen Bericht einige Briefe bei, die ich empfangen habe. Was die Kosten der Korrespondenz anbelangt, so habe ich geglaubt, der Assoziation dieses kleine Opfer wohl bringen zu können.

Gruß und Brüderlichkeit!
Besson

Deutschland und Italien

Die Situation in Deutschland ist immer noch anomal und für die Entwicklung unserer Assoziation wenig günstig. Indes ist es dem Bürger J.Ph.Becker, dem Präsidenten der deutschen Sektion in Genf, geglückt, dort mehrere Zweiggesellschaften zu gründen, über die wir Näheres jedoch noch nicht erfahren haben.

In Italien bestehen reguläre Arbeitervereine in Neapel, Mailand und Genua; wir stehen mit ihnen in Korrespondenz, haben aber noch keine Beiträge von ihnen erhalten.

Amerika

Jahresbericht des Sekretärs für Amerika
beim Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation
(September 1866 bis 27. August 1867)

In Amerika haben sich der Internationalen Assoziation zwei neue Organisationen angeschlossen; wir korrespondieren mit dem Labor National Union's Committee (der Nationalen Arbeiterunion) sowie mit dem Vorsitzenden der International Ironmoulders' Union (Internationalen Union der Eisengießer).

Nachdem ich das Amt des korrespondierenden Sekretärs für Amerika angetreten hatte, war das erste in meinen Bereich fallende Ereignis, daß die Septembernummer 1866 des „Ironmoulders' International Journal" (der „Internationalen Zeitung der Eisengießer") in England eintraf. Die Zeitung wird in Philadelphia herausgegeben von W.H. Sylvis, der gleichzeitig Vorsitzender der Internationalen Union der Eisengießer ist.

Diese Nummer enthielt einen ausführlichen Bericht über den ersten Nationalkongreß der Arbeiter der Vereinigten Staaten, der im vorhergegangenen Monat in Baltimore stattgefunden hatte. Eine Zusammenfassung der Protokolle und der Resolutionen dieses Kongresses ist im Oktober 1866 in der Londoner „Commonwealth" („Republik") erschienen. Es ging daraus hervor, daß der Kongreß in Baltimore von der bevorstehenden Tagung eines analogen Kongresses der Arbeiter der Alten Welt in Genf erfahren und einstimmig beschlossen hatte, die auf diesem Kongreß gebildete Exekutivkommission der Nationalen Arbeiterunion zu ermächtigen, einen Delegierten zu dem europäischen Arbeiterkongreß 1867, d.h. nach Lausanne, zu entsenden.

Aus derselben Zeitung erfuhr ich, daß der Sekretär der Nationalen Arbeiterunion für das Ausland ein Bürger namens William Gibson sei, der in New Haven, Connecticut, lebe. Erst Anfang August d. J. habe ich entdeckt, daß man sich in der Adresse des Bürgers Gibson geirrt hatte; sie ist Norwich (Connecticut), nicht New Haven. Dieser Irrtum der Verfasser des Kongreßberichts wäre für meine Tätigkeit beinahe verhängnisvoll gewesen.

Übrigens habe ich nicht sofort versucht, mit Sekretär Gibson eine Korrespondenz aufzunehmen, weil ich meinte, man sollte diese Korrespondenz mit dem Übersenden des offiziellen Berichts über die Arbeit des Genfer Kongresses beginnen. Die Ursachen, welche die Veröffentlichung dieses Berichts verzögerten, sind schon in dem allgemeinen Bericht des Generalrats dargelegt worden.

Anfang Dezember 1866 trat der Bürger Orsini an den Generalrat heran, teilte uns die Namen fünf in New York lebender, europäischer Sozialisten mit, und bat uns, mit ihnen in Korrespondenz zu treten. Er bat uns außerdem, ihnen Vollmachten zu übersenden, die sie berechtigten, im Interesse der Assoziation in den Vereinigten Staaten tätig zu sein.

Fünf Briefe samt den entsprechenden Vollmachten wurden an die fünf von Orsini benannten Personen abgesandt, aber weder ich noch der Generalrat haben jemals auf einen dieser Briefe eine Antwort erhalten.

So blieb mein erster Versuch ohne Erfolg. Orsini hat übrigens den Generalrat wissen lassen, daß man in New York großes Interesse an unserer Assoziation zu nehmen beginnt und daß der große Redner Wendell Phillips, ein Abolitionist aus Massachusetts, sich erboten habe, öffentliche Vorträge zugunsten des Fonds unserer Assoziation zu halten, nachdem man ihn davon überzeugt hatte, daß die Ziele und die Führer der Assoziation dieser Unterstützung würdig seien.

Orsini teilt außerdem mit, der irische Demokrat und Patriot James Stephens habe sich in New York als Mitglied unserer Assoziation einschreiben lassen.

Im März 1867 begann der Bericht über die Arbeit des Genfer Kongresses in englischer Sprache im Londoner „International Courier“ zu erscheinen. Sobald vier Nummern dieser Serie erschienen waren, d.h. im April, sandte ich diese an vier Personen, und zwar: eine Serie an die vermeintliche Adresse des Sekretärs Gibson, eine andere Serie an W.H. Sylvis, eine dritte an den Redakteur der „Voice“, einer in Boston (Massachusetts) erscheinenden und den Interessen der Arbeiter ergebenen Tageszeitung, und eine vierte an den Redakteur des „Workingman's Advocate“ in Chicago (Illinois), des Hauptorgans der Arbeiter in den Weststaaten der Amerikanischen Union. Ich habe den Zeitungen, die ich an Sekretär Gibson sandte, einen Brief beigefügt, worin ich auf die hohe Bedeutung hinwies, die der Generalrat einem engen Kontakt und einer ständigen Verbindung mit der Exekutivkommission der Nationalen Arbeiterunion beimißt.

Dieser Brief ist unbeantwortet geblieben, und auch der Empfang der Zeitungen ist mir nicht bestätigt worden. Dieser Mißerfolg erklärt sich sehr einfach daraus, daß Brief und Zeitungen nach New Haven adressiert waren statt nach Norwich.

Die Absendung dieser Dokumente hatte nur ein gutes Ergebnis. Der Redakteur des Londoner „International Courier“ begann seit Mai Exemplare des Chicagoer „Workingman's Advocate“ zu erhalten, und es hat ein Austausch zwischen beiden Zeitungen stattgefunden. Von diesem Zeitpunkt an hat Joseph Collet, der Redakteur des „International Courier“, für seine Leser allwöchentlich Auszüge aus dem Chicagoer „Workingman's Advocate“ veröffentlicht.

Die Veröffentlichung des Berichts über die Arbeit des Genfer Kongresses wurde am 1. Mai beendet; ich sandte die Fortsetzung dieses Berichts an die vier obengenannten Adressen.

Auszüge aus diesem Bericht sind vom Chicagoer „Workingman's Advocate“ nachgedruckt worden. Es war mir nicht möglich, zu erfahren, ob eine der beiden anderen Zeitungen Auszüge daraus veröffentlicht oder sich darüber geäußert hat.

Im Frühjahr hat sich der Generalrat auf eine Bitte des Lyoner Büros hin mit den Möglichkeiten der Auswanderung für eine große Anzahl von Seidenwebern aus dieser Stadt in die Vereinigten Staaten befaßt. Das Lyoner Büro hatte uns wissen lassen, daß viele Seidenweber, unzufrieden mit ihrem Schicksal in der Heimat, in die Vereinigten Staaten auswandern und ihr Handwerk dorthin verpflanzen möchten. Sie wüßten nur gern, ob einige amerikanische Kapitalisten bereit wären, die Kosten für die Reise und für die erste Einrichtung vorzustrecken. Mittlerweile hat mich der Generalrat beauftragt, deswegen an mehrere Zeitungen Amerikas und an verschiedene Staatsmänner zu schreiben. Ich folgte diesem Auftrag. Die Briefe wurden von einem Polen namens Koszek, der nach New York abreiste, nach Amerika gebracht. Wiederum keine Antwort! Ich habe von Koszek seit seiner Abfahrt niemals wieder eine Nachricht erhalten.

Im Juni wurde ich vom Generalrat beauftragt, an W.H. Sylvis zu schreiben, um für die in den Streik getretenen Londoner Schneider Hilfe zu erwirken. Ich habe am 11.Juni geschrieben. Ich benutzte diese Gelegenheit, um Sylvis mein Bedauern darüber auszudrücken, daß ich niemals eine Antwortzeile von Sekretär Gibson erhalten habe. Ich bat ihn, mir den Namen und die Adresse eines anderen Komiteemitglieds der Nationalen Arbeiterunion mitzuteilen.

In seiner vom 25.Juni datierten Antwort teilte er mir die Gründe mit, weshalb die amerikanischen Eisenarbeiter den streikenden Londoner Schneidern nicht hatten helfen können. Er nannte mir auch Namen und Adresse William J.Jessups in New York, eines eifrigen Vorkämpfers der Nationalen Arbeiterunion.

Als ich dem Generalrat von diesem Brief Mitteilung machte, beauftragte mich der Rat, William Jessup unverzüglich von dem Termin des Lausanner Kongresses in Kenntnis zu setzen und ihm mitzuteilen, daß sich der Generalrat freuen würde, in Lausanne einen amerikanischen Delegierten begrüßen zu können. Folglich schrieb ich ihm am 19.Juli. In meinem Briefe erzählte ich von meinen vergeblichen Bemühungen, mit dem Sekretär Gibson in Verbindung zu treten. Gleichzeitig sandte ich Jessup den offiziellen Bericht des Genfer Kongresses.

Auf diesen Brief erhielt ich eine vom 9.August datierte Antwort. Aus dieser Antwort geht hervor, daß Jessup mit Befriedigung den Plan aufgenommen hat, ein Band zu den Arbeitern des Kontinents und Großbritanniens zu knüpfen. Er bedauert die Verzögerung, die durch die falsche Adresse des Sekretärs Gibson verursacht wurde. Er bedauert auch, daß der Zeitpunkt des Chicagoer Kongresses (der 19.August) dem des Lausanner Kongresses so nahe liegt, daß Zeitmangel nicht erlauben wird, einen Delegierten nach Europa entsenden zu können. Ich habe jedoch kürzlich einen Artikel im Chicagoer „Workingman's Advocate“ gelesen, worin es heißt, daß die Entsendung eines Delegierten nach Lausanne eine der ersten Fragen sein wird, mit der sich der Chicagoer Kongreß beschäftigen wird.

Jessup verspricht mir, meinen Brief vom 19. Juli „wegen seiner Wichtigkeit“ auf dem Chicagoer Kongreß zu verlesen und dem Generalrat die Zeitungen zu schicken, die den besten Bericht über den Chicagoer Kongreß enthalten werden. Er schreibt, daß er seine Korrespondenz mit dem Generalrat auch dann fortsetzen möchte, wenn er nicht wieder zum Vizepräsidenten der Nationalen Union gewählt werde, weil er außerdem korrespondierender Sekretär der Arbeiterunion von New York ist. Er begrüßt meinen Vorschlag, Zeitungen mit ihm auszutauschen, die Organe der Arbeiterklasse sind. Soweit die kurze und unvollständige Wiedergabe seines interessanten und herzlichen Briefes.

Anfang dieses Monats übergab mir der Bürger Marx einen Brief von F.A.Sorge, worin die Bildung eines Zweiges unserer Assoziation in Hoboken, New Jersey, angezeigt wurde.

Etwa zur selben Zeit zeigte mir der Redakteur des Londoner „International Courier" einen als Broschüre erschienenen Aufruf der Exekutivkommission der Nationalen Arbeiterunion, der die Arbeiter der Vereinigten Staaten aufforderte, Vertreter zum Chicagoer Kongreß zu entsenden. Auf dem Umschlag dieser Broschüre fand ich handschriftlich eingetragen den Namen und die Adresse des Sekretärs William Gibson, und erst da begriff ich, daß ich bezüglich seines Wohnorts in einem Irrtum befangen gewesen war. Ich bedaure die kostbare Zeit, die ich durch diesen Irrtum verloren habe. Doch tröste ich mich mit dem Sprichwort: „Besser spät, als nie!“

Dies ist die Geschichte meiner Versuche, die bis jetzt kaum von Erfolg gekrönt waren. Jedoch hinterlasse ich die Dinge in einem Stadium, das für die Zukunft viel verspricht.

Zwei Fragen noch sind zu erwähnen.

Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiter, sich mehr freie Zeit zu erobern, Bemühungen, die unter dem Namen „Bewegung für den Achtstundentag“ bekannt sind, lenkten die Aufmerksamkeit des Genfer Kongresses auf sich. Daher halte ich es nicht für unangebracht, sehr bündig zu rekapitulieren, was mir von den Fortschritten bekannt ist, die in dieser Hinsicht in den letzten zwölf Monaten erzielt worden sind. Die Agitation hat sich mit großer Geschwindigkeit entwickelt und ein sofortiges Echo im Kongreß zu Washington und in den gesetzgebenden Versammlungen der einzelnen Staaten gefunden. Im Repräsentantenhaus der Union ist ein Gesetzentwurf über den Achtstundentag für die im Auftrage der Unionsregierung unternommenen Arbeiten nur wegen Stimmengleichheit vertagt worden.

In mehreren der Staaten haben die gesetzgebenden Versammlungen beschlossen, daß bei Fehlen eines besonderen Kontrakts der Arbeitstag auf acht Stunden beschränkt wird. Auch im Staate New York ist ein solches Gesetz angenommen worden, doch haben die Arbeiter New Yorks noch nicht zu fordern gewagt, daß es auch durchgeführt werde. Die Arbeiter dieses Staates haben sich erst kürzlich auf einem besonderen Kongreß zusammengefunden, um zu beraten, wie sie sich unter diesen Umständen zu verhalten haben. Schließlich wurde beschlossen, daß am 1. November d. J. überall und zur gleichen Zeit die Forderung nach Durchführung des Gesetzes erhoben wird, wobei diese Durchführung möglichst ohne Lohnsenkung erfolgen solle. Falls jedoch eine Lohnsenkung nicht zu umgehen sei, so solle diese akzeptiert werden. Die Mehrheit der Delegierten gab, nach den Diskussionen zu urteilen, ihre Zustimmung zu einer Lohnsenkung kund.

Im Staate Kalifornien ist ein Gesetz über den Achtstundentag noch nicht angenommen worden. Indes hat dort während der 19 Monate, die dem Juli d. J. vorausgegangen sind, das System des Achtstundentags überwogen. Die letzten Informationen aus diesem Staate besagen, daß die Fabrikherren gegen diese Neuordnung den Lockout erklärt haben und daß es infolge dieser reaktionären Versuche zu großen Arbeitseinstellungen gekommen ist.

Ich bin überaus erfreut, dem Rat mitteilen zu können, daß ab 1. Januar nächsten Jahres die Frankierung eines gewöhnlichen Briefes um die Hälfte, d. h. von einem Shilling auf 6 Pence, herabgesetzt wird. Ich spreche ausschließlich von Briefen, die zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gewechselt werden. Ein Vertrag hierüber ist soeben zwischen den beiden Regierungen abgeschlossen worden.

Peter Fox

Sekretär für Amerika beim Generalrat
der Internationalen Arbeiterassoziation

V. Allgemeine Bemerkungen

Das seit dem letzten Kongreß verflossene Jahr war durch einen unaufhörlichen Kampf zwischen Kapital und Arbeit gekennzeichnet: in Amerika, England, Frankreich, Belgien waren Strikes, Lockouts und Verfolgungen der Arbeiter an der Tagesordnung.

Hartnäckig und voll rasender Wut verfolgt das Kapital den Arbeiter, denn es fühlt instinktiv, daß der Tag nahe ist, da die Arbeit den ihr rechtmäßig zukommenden Platz einnehmen wird.

In den Vereinigten Staaten hat eine Gesellschaft 70 000 Dollar ausgegeben, um ihr Existenzrecht gegen die Übergriffe des Kapitals zu verteidigen.

In England ist von den Courts of Law (Gerichtshöfen) entschieden worden, daß die Veruntreuung der Gelder der Trade-Unions (Arbeitervereinigungen) nicht strafbar sei. Eine offizielle Kommission zur Untersuchung der Trade-Unions ist eingesetzt worden, um sie zugrunde zu richten oder zumindest zu behindern.

Der letzte Prozeß, der den Arbeitern durch die Londoner Schneidermeister gemacht wurde, die Verurteilung der Schneider in Paris, die Metzelleien unter den Bergarbeitern in Marchiennes (Belgien) – alle diese Tatsachen zeigen deutlich, daß die Gesellschaft nur aus zwei einander feindlichen Klassen besteht, den Unterdrückern und den Unterdrückten, und daß allein die Solidarität aller Arbeiter der Welt uns die vollständige Befreiung bringen kann. Diese Befreiung ist denn auch das Ziel, nach dem die Internationale Arbeiterassoziation strebt.

Wir schließen mit dem Ruf: „Arbeiter aller Länder, vereinigen wir uns!

Im Namen des Generalrats:

Odger, Präsident
Eccarius, Generalsekretär
W. Dell, Schatzmeister
Shaw, Schatzmeistersekretär

Korrespondierende Sekretäre:

E. Dupontfür Frankreich
K. Marxfür Deutschland
Żabickifür Polen
H. Jungfür die Schweiz
P. Foxfür Amerika
Bessonfür Belgien
Carterfür Italien
P. Lafarguefür Spanien
Hansenfür Dänemark
Nach: „Rapports lus au congrès ouvrier
réuni du 2 au 8 septembre 1867
à Lausanne", Chaux-de-Fonds 1867.
Aus dem Französischen.
Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 16, Berlin: Dietz Verlag 1961, S. 528-548.