[London, zweite Septemberhälfte 1894]
Nun zu etwas anderem. Der Trades Union Congress zeigt einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem Kongreß vom vergangenen Jahr und beweist, zusammen mit der Wahl in Leicester und anderen Symptomen, daß die Dinge in England in Bewegung sind. Natürlich gibt es hier keinen Fortschritt ohne Übel: nimm die Resolution gegen die Einwanderung ausländischer Arbeiter, die in Norwich gefaßt worden ist; aber mit solchen Widersprüchen und Schwankungen wird man auch „in diesem freien Lande“ noch eine Zeitlang rechnen müssen. Trotz alledem wird der Augenblick kommen, an dem die Massen, wenn sie einen genügenden Grad von Bewußtsein erlangt haben, das verworrene Netz von Intrigen und sektiererischen Zänkereien der „Führer“ zerreißen werden.
Der Krieg zwischen China und Japan scheint mir von der russischen Regierung angestiftet worden zu sein, die Japan als ihr Werkzeug benutzt. Aber was auch immer die unmittelbaren Folgen dieses Krieges sein mögen, eines ist unvermeidlich: der völlige Zusammenbruch des ganzen traditionellen Systems im alten China. Dort wurde ein veraltetes, mit der Hausindustrie verbundenes System der Landwirtschaft künstlich aufrechterhalten durch rücksichtslosen Ausschluß aller störenden Elemente. Dieser Ausschluß alles Ausländischen ist zum Teil durch die Kriege gegen die Engländer und Franzosen durchbrochen worden; dem muß dieser Krieg gegen Asiaten, gegen Rivalen, die engste Nachbarn der Chinesen sind, restlos ein Ende machen. Die zu Lande und zur See geschlagenen Chinesen werden sich europäisieren müssen, werden ihre Häfen dem allgemeinen Handel öffnen, Eisenbahnen und Fabriken bauen und somit das alte System völlig zerbrechen müssen, das so viele Millionen zu ernähren ermöglichte. Ganz plötzlich wird es eine ständig zunehmende Übervölkerung geben, vertriebene Bauern, die zur Küsse zusammenströmen werden, um in fremden Ländern ihren Lebensunterhalt zu suchen. Wenn bis jetzt Tausende auswanderten, werden dann Millionen fortgehen wollen. Und dann werden die chinesischen Kulis überall sein, in Europa, Amerika und Australien, und sie werden versuchen, die Löhne zu senken und den Lebensstandard unserer Arbeiter dem der Chinesen anzupassen. Dann ist die Zeit für unsere europäischen Arbeiter gekommen1. Und die Engländer werden die ersten sein, die unter dieser Invasion zu leiden haben und kämpfen werden. Ich rechne sehr darauf, daß dieser Japanisch-Chinesische Krieg unseren Sieg in Europa um mindestens fünf Jahre beschleunigen und ihn ungeheuer erleichtern wird, da er alle nichtkapitalistischen Klassen auf unsere Seite herüberziehen wird. Nur die Großgrundbesitzer und Fabrikanten werden pro-chinesisch sein.
Pauls Artikel in der „Neuen Zeit“ sind alles in allem sehr gut. Es sind darin einige historische Ansichten, die ihm alle Ehre machen. Die Erklärung über die Ursachen und den Gang der französischen Geschichte seit 1871 ist das Beste, was ich bisher gesehen habe, ich habe daraus eine Menge gelernt.
Aber die considérant2 des Agrarprogramms von Nantes, die es als Pflicht der Sozialisten erklärt, das bäuerliche Eigentum zu erhalten und zu schützen, und sogar das der fermiers und métayers3, die Taglöhner beschäftigen, ist mehr als die meisten Menschen außerhalb Frankreichs werden schlucken können.
Herzliche Grüße von Freybergers.
Immer Dein
F. Engels
Aus dem Englischen.