London, 1. Juni 1894
Werter Herr,
Vergangene Woche sandte ich Ihnen Bogen 7 bis 16 inkl. des III. Bandes1 und hoffe, daß Sie sie erhalten haben.2 Ich schickte sie eingeschrieben, und mein Name stand als Absender auf der Rückseite (L. K[autsky]).
Ich freue mich, daß die „Essays“ Erfolg haben, hoffentlich ist eine neue Auflage im Druck. Es wäre sehr schön, wenn ich einen deutschen Übersetzer für das Buch finden könnte, unglücklicherweise werden die meisten Übersetzungen aus dem Russischen ins Deutsche von Damen besorgt, die im allgemeinen keine gute Vorbildung für ökonomische Arbeiten mitbringen.
Vielen Dank für den russischen „Ursprung“ usw., die Übersetzung scheint mir, soweit ich sie gelesen habe, sehr gut, und auch der Zensor ist offenbar mit dem Buch im ganzen sehr glimpflich umgegangen.
Die Bogen sind recht spät abgegangen, aber daran war der Verleger3 schuld, der die Sendung lange verzögerte. Es macht sehr viel Arbeit, die Korrekturen eines solchen Buches zu lesen. Sie werden in den übersandten Bogen die Lösung der Frage finden, wie sich die verschiedenen Mehrwertsraten zu ein und derselben Durchschnittsprofitrate ausgleichen, ferner das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate sowie eine Darstellung der Art und Weise, wie das Kaufmannskapital an der Verteilung des Mehrwerts partizipiert. Dieser Teil wird mit Bogen 21 abgeschlossen, in dem der 5. Abschnitt beginnt: Die Spaltung des Profits in Zins und „Unternehmergewinn“4, Geldkapital im allgemeinen, Banken und Kredit. Dieser Abschnitt nimmt ein ganzes Drittel des Buches ein; er hat mir mehr Mühe gemacht als alles übrige. – Das letzte Drittel besteht aus Abschnitt VI: Grundrente, und VII: Die drei Arten der Revenue: Rente, Profit (Zins), Arbeitslohn.
Der letzte Teil des Manuskripts ist in Druck. Aber erst jetzt merke ich, wie enorm viel Arbeit liegengeblieben ist, da alles nicht unbedingt Notwendige zurückgestellt werden mußte, um den 3. Bd. zu beenden. Das muß auch als Entschuldigung gelten, wenn ich jetzt nicht auf einige der früher zwischen uns erörterten ökonomischen Fragen zurückkomme. Wie die Dinge liegen, haben wir beide, denke ich, reichlich Arbeit, und stellen diese Diskussion besser für ein andermal zurück.
Ihr sehr ergebener
L. K.
Die Bde. über die industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung Rußlands (Chicagoer Ausstellung) habe ich erhalten. Herzlichsten Dank. Die Bücher sind wirklich sehr nützlich, besonders wenn man sie mit den „Essays“ vergleicht.
Aus dem Englischen.