82
Engels an Friedrich Adolph Sorge
in Hoboken

London, 11.Nov. 93

Lieber Sorge,

Hierbei ein Brief an Mrs. Kelley (ex-Wischnewetzky), den Du ihr gefl. zukommen lassen willst. Sobald Du ihre richtige gegenwärtige Adresse hast, sei so gut, ihr auch den beiliegenden Cheque über £ 1.12.11 of Union Bank of London zukommen zu lassen.

In der heutigen „Workman's Times“ lies den Artikel auf der 1. Seite von Autolycus (Burgess) über das Manifest der Fabier. Diese Herren, nachdem sie jahrelang erklärt: the emancipation of the working class can only be accomplished through the Great Liberal Party1, und alle selbstständige Wahlaktion der Arbeiter, gegenüber auch liberalen Kandidaten, für versteckten Torysmus ausgeschrien, und the permeation of the Liberal Party by Socialist principles2 für die einzige Lebensaufgabe der Sozialisten ausgegeben, erklären jetzt, die Liberalen seien Verräter, nix mit ihnen zu machen, und die Arbeiter sollten bei der nächsten Wahl, ohne Rücksicht auf Liberale oder Tories, eigne Kandidaten aufstellen mit Hülfe von £ 30000, die inzwischen von den Trades-Unions aufgebracht werden sollen, – wenn diese, was sicher nicht geschieht, den Fabiern diesen Gefallen tun. Es ist ein vollständiges pater peccavi dieser hochnäsigen Bourgeois, die sich in Gnaden herbeilassen wollen, das Proletariat von oben herab zu befreien, wenn es nur so einsichtig sein will zu begreifen, daß so eine rohe ungebildete Masse sich nicht selbst befreien kann und zu nichts kommt, außer durch die Gnade dieser gescheuten Advokaten, Literaten und sentimentalen Weibsleute. Und nun ist der erste mit Pauken und Trompeten als welterschütternd angekündigte Versuch dieser Herren so brillant gescheitert, daß sie es selbst zugeben müssen. Das ist der Humor von der Geschichte.

Herzliche Grüße Dir und Deiner Frau. Hoffentlich kommt Ihr besser über den Winter als das vorige Mal. Hier fängt's schon an, winterlich zu werden.

Dein
F. E.