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Engels an Natalie Liebknecht
in Berlin

Eastbourne, 27. Juli 1893

Liebe Frau Liebknecht,

Mit großer Freude habe ich das Bild von dem Hause im Bruch erhalten, worin ich geboren wurde und meine Kindheit verbrachte. Die Photographie ist sehr gut und zeigt jedes der Details, an welche sich so viele Erinnerungen knüpfen. Es war sehr nett von Liebknecht, die Aufnahme machen zu lassen, bitte sagen Sie ihm meinen besten Dank dafür.

Wenn nicht alle Stricke reißen, komme ich im September auf ein paar Tage nach Berlin und werde dann die Freude haben, Sie alle dort zu begrüßen. Um mich für die lange Reise etwas zu stärken, bin ich auf einige Tage hieher an die See gegangen, es ist Frau Kautsky und mir ganz ausgezeichnet bekommen, morgen gehn wir wieder zurück.

Daß man Ihrem Karl solche Schikanen macht, ist eben preußisch, man verzeiht ihm bürokratischerseits nun einmal seinen Vater nicht.

Und nun noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer silbernen Hochzeit und herzliche Grüße an Sie und Ihre Söhne.

Ganz der Ihrige
F. Engels

[Nachschrift von Louise Kautsky]

Wir werden Sonntag in Gesellschaft von Avelings und andern Freunden 68 Port auf Ihr Wohl leeren. Herzliches Prosit!!

von Ihrer
Louise Kautsky