[London] 8./4./931
Geehrter Genosse,
Ich habe Ihren Brief vom 21./3. einige Zeit liegenlassen. Da Lafargue und Frau L[afargue] in Begriff standen, hieher zu kommen, wollte ich die Gelegenheit benutzen, wegen Ihrer Anfrage beide Töchter von Marx persönlich zu Rat zu ziehn.
Sie sind nicht nur mir, sondern auch Lafargues gänzlich unbekannt, und Sie werden begreifen, daß es nicht angeht, einem gänzlich Unbekannten eine so wichtige und schwierige Sache zu übertragen wie die französische Übersetzung des II.Bandes des „Kapital".
Außer gründlicher Kenntnis der deutschen Sprache gehört dazu eine ebenso gründliche ökonomische Vorbildung, die man leider bei den jungen Sozialisten nur sehr selten findet. Darüber wäre doch auch noch vorher zu sprechen.
Dann appellieren Sie an meine Mitwirkung – und da kann ich Ihnen nur sagen, daß meine Zeit auf Jahre hinaus durch andre, mindestens ebenso wichtige Arbeiten vollauf in Anspruch genommen ist.
Die Hauptsache aber, wodurch allein Ihre Anfrage einen aktuellen Charakter erhalten kann, ist, daß ein Verleger für die Übersetzung da ist. Haben Sie einen solchen, dann allein würde es der Mühe lohnen, die übrigen Fragen in Erwägung zu ziehn.
Aufrichtigst Ihr ergebener