[London, 3. Dezember 1892]
Mein lieber Bonnier,
Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.1 Sie haben die bewundernswerte Angewohnheit, heiß, sehr heiß zu servieren, aber riskiere ich da nicht manchmal, mir die Lippen zu verbrennen? Die bewußte Zeitung erscheint noch nicht.
Sie bitten mich, den Deutschen eine Art Ultimatum im Namen der Franzosen zuzustellen. Nehmen wir an, ich tue das; garantieren Sie mir, daß Paris, in Erwiderung auf eine direkte Anfrage Berlins, nicht sagen würde – ohne mich ganz und gar Lügen zu strafen –, ich hätte übertrieben?
Zum Inhalt Ihres Ultimatums:
1. Warten wir erst ab, was bis zum 1. Mai geschieht und wie dieser 1. Mai verläuft.
2. Von Mai bis August und Zürich kann viel Unerwartetes passieren, was heute noch nicht zu übersehen ist,
3. und um so mehr von August 1893 bis Mai 1894.
Bei der Militärfrage in Deutschland, dem Panama in Frankreich, der irischen Krisis in England – drei akuten hereinbrechenden politischen Krisen – und der allgemeinen industriellen Krise könnten wir, scheint mir, unsere Zeit besser nutzen, als uns darüber zu zanken, wie man am 1. Mai 1894 manifestieren wird! einem Tag, an dem wir vielleicht Besseres zu tun haben werden als zu „manifestieren“!
Was Ihren ewigen Protot angeht, um den schere ich mich ebensowenig wie um seinesgleichen, die Agents provocateurs der deutschen Polizei. Wann werden Sie es ebenso machen?
Jedenfalls scheint es mir recht sonderbar, daß Sie den Engländern, aber nur ihnen, erlauben wollen, sich über die Brüsseler Resolutionen hinwegzusetzen. Was sagt die französische Logik dazu?2
Im übrigen kenne ich nur eine einzige Partei, die das Recht hätte, dem Berliner Parteitag Vorwürfe zu machen. Das ist die österreichische Partei. Die Berliner Maifeiern stehen bis jetzt den Pariser Maifeiern in nichts nach.
Heute schreibe ich an Bebel3; ich teile ihm Ihr Ultimatum mit, aber einstweilen nur als Ihre Privatmeinung.
Aus dem Französischen.