The Firs, Brading Road
Ryde, Insel Wight, 28. Juli 92
Mein lieber Schorlemmer,
Ich hätte doch kaum erwartet, daß meine Befürchtungen wegen Ihrer Mutter so rasch sich erfüllt hätten. Aber der Schlag, den Carls1 Tod ihr versetzte, war doch zu schwer für die alte, schon geschwächte und kränkliche Frau; und andrerseits war sie doch auch noch geistig zu kräftig, als daß man ihr die Nachricht hätte verheimlichen können. So zieht ein Familienunglück das andre nach sich, hoffen wir nur, daß dies das letzte ist. Ich kann den Verlust so recht mit Ihnen fühlen, ich habe vor 18 Jahren auch meine 77jährige Mutter verloren, und ich weiß, welch eigentümliches Band unter den Gliedern einer zahlreichen Familie das Mutterhaus ist und wie unersetzlich es ist, auch bei der größten Einigkeit unter den Kindern. Das Mutterhaus hält eben die ganze jüngere Generation noch zusammen als eine große Familie, stirbt die Mutter, so fühlen sich eben die einzelnen jüngeren Familien weit selbständiger und sondern sich unwillkürlich mehr voneinander ab. Es ist das der natürliche Lauf der Dinge, aber darum nicht minder eine eingreifende Veränderung, und das machte in meinem wie in Ihrem Fall, wo die Mutter den Vater um viele Jahre überlebt hatte, den Verlust auch der Mutter doppelt schmerzhaft.
Bitte versichern Sie auch Ihre Brüder und deren Familien meiner aufrichtigen Teilnahme.
Ihnen selbst wünsche ich eine recht baldige und gründliche Besserung Ihrer Tochter.
Ich bin seit gestern hier bei meiner Nichte auf ca. 10 Tage; sie hat ja Ihre Mutter auch gekannt und will noch ein paar Zeilen dazu schreiben.
Aufrichtigst Ihr
F. Engels
[Nachschrift von Mary Ellen Rosher]
Ich kann diesen Brief meines Onkels nicht abgehn lassen, ohne Ihnen und Ihrer ganzen Familie meine aufrichtige Teilnahme bei dem Tod Ihrer lieben Mutter auszusprechen. Sein Sie alle herzlich gegrüßt von Ihrer
Ellen Rosher