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Engels an Friedrich Adolph Sorge
in Hoboken

London, 30. Sept. 91

Lieber Sorge,

Ich war mit Pumps und Louise K[autsky] 14 Tage in Schottland und Irland, habe seitdem Korrektur der Neuauflage von „Ursprung der Familie“ besorgt, erledige jetzt Briefschulden und mache dann III.Band1 fertig.

Inzwischen inl. Geschäftliches an Mutter Wischnewetzky, das Du hoffentlich ihr zukommen lassen kannst. Außergeschäftliches will ich natürlich nichts mit ihr zu tun haben.

Aus Deinem Brief vom 15. sehe ich mit Bedauern, daß die Gicht Dich plagt. Da ist's allerdings gut, daß Du die stickstoffhaltige Nahrung beschränkst und die körperliche Bewegung vermehrst.

Der Brüsseler Kongreß ist doch besser abgelaufen, als Du denkst, von den Deutschen hat sich nur L[ie]bk[necht] plump betragen, aber er war von Nieuwenhuis in der größten, pfäffisch-jesuitischsten Weise provoziert. Louise, die die Wiener Arbeiterinnen vertrat, sagt, diese gemeinen Angriffe und Insinuationen des N[ieuwenhuis] seien nicht zum Anhören gewesen.

Auch der Trades-Union-Kongreß war ein Erfolg. Die „Alten“ hatten alles aufgeboten, den 8-Stunden-Beschluß von Liverpool umzustoßen, und daß es nur gelang, ein ganz kleines Eckchen abzubröckeln, ist ja schon eine Niederlage für sie und ihre Bourgeoisalliierten. Du hättest die liberalen Blätter lesen sollen, besonders die schottischen, wie die jammerten über die Verirrungen der dem Sozialismus verfallenen englischen Arbeiter.

Das „People“ ist nicht zum Ansehen. So ein albern zusammengekramtes Blatt ist mir lange nicht vorgekommen. Wer ist der Übersetzer meiner „Entwicklung“? Jonas?

Die Sendung an den „Socialiste“ mache ich und berichte darüber später.2

Lafargue ist in Lille als Kandidat aufgestellt, und das gibt ihm das Recht, während der 5 Wochen période électorale3 aus dem Gefängnis zu kommen und zu agitieren. Gewählt wird er schwerlich, aber seine Wahl im Departement du Nord bei allgemeiner Neuwahl ist ihm sicher.

Gilles versucht, mit Hülfe von Hyndman noch fortwährend Dreck auf Aveling zu werfen, das ist aber eher ein Glück: erstens, weil er ein so kolossaler Lump ist, und zweitens, weil es uns mehr und mehr gelingen wird, den Hyndman ans Tageslicht zu ziehen. Nächste Post wieder allerlei.

Herzliche Grüße an Deine Frau und Dich selbst.

Dein
F. E.