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Engels an Victor Adler
in Wien

London, 22. Juli 1891

Lieber Adler,

Um den Österreichern einen mehr als akademischen Beweis meiner Sympathie zu geben, habe ich Dietz beauftragt, vom Honorar der Neuauflage des „Ursprung der Familie etc." die Hälfte an Dich für Eure Parteikasse – um mich österreichisch auszudrücken – abzuführen. Hoffentlich bedarf es keiner drastischen Diarrhetica1, um dies zustande zu bringen. Wann und wieviel auf einmal (es werden vielleicht Ratenzahlungen) Du erhältst, kann ich nicht sagen, er zahlt 50 Mark für je 1000 Ex., die er druckt, davon erhaltet Ihr 25 Mark.

Wenn Ihr den Empfang in Euren gedruckten Quittungen aufführt mit meinen Initialen: F. E. in London soundso viel, ohne weitere Bemerkungen, wird's mir am liebsten sein.

Nun noch ein Wort: Louise hat sich verstanden, falls Du ihr ein Mandat verschaffst, was ja nicht schwer sein kann, mit auf die Brüsseler Allerweltswachtparade zu gehen. Dabei war aber eine stillschweigende Bedingung, nämlich, daß sie Dich und Bebel oder wenigstens Dich mit nach London brächte auf ein paar Tage. Und ich hoffe, das bringt sie fertig. Ich bin um die Zeit wieder hier und erwarte Euch mit Sehnsucht. Wer weiß, wozu Ihr mich dann hier noch fürs nächste Jahr beredet. Also nicht lange überlegt, und komm mitsamt Deiner Frau!

Dein alter
F. Engels

Nach: Victor Adlers,
„Aufsätze, Reden und Briefe",
Heft 1, Wien 1922.