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Engels an Karl Kautsky
in Stuttgart

Lieber K[autsky],

Brief soeben eingesprungen. Schade, daß Du Schmidt nicht nach dort bekommen, er wäre ganz Dein Mann gewesen. Meiß[ner] schreibt, er versende erst jetzt Rezensionsex. der 4. Aufl.1 zugleich mit Anti-B[rentano]2, und beides sei an „N[eue] Z[eit]" abgegangen. Du kannst also sofort loslegen, bis Dein Artikel gedruckt, hast Du beides jedenfalls. Wo nicht, schreib an O.M[eißner] und beziehe Dich auf mich und auf diese meine Mitteilung.

Ein Elsässer, Henri Ravé, augenblicklich brummend, der Bebels „Frau" übersetzt hat und jetzt unter Laura L[afargue]s Kontrolle meinen „Ursprung" übersetzt, will wissen, ob Dein „Th[omas] Morus" wert ist, übersetzt zu werden. Ich habe ihm das Buch empfohlen, aber gleichzeitig geschrieben, ich würde Dich auffordern, ihm ein Ex. zu schicken, damit er sich selbst davon überzeugen könne. Adresse: H.R[avé], détenu à la prison3, Poitiers (Vienne, France).

Die Franzosen haben jetzt alle Hände voll mit ihren eignen Sachen, 1. Mai, die sich daran knüpfenden Verhandlungen mit den Possibilisten sowohl allemanistischer wie broussistischer Richtung – wobei die Unsern die Schiedsrichter spielen!! – usw. und mit ihrem „Socialiste", daß dies Paul L[afargue]s Nichtarbeiten für die „N[eue] Z[eit]" erklärt. Komisch ist, daß die Franzosen gegenüber den zerfallenden Possibilisten grade die Politik befolgen, die M[ar]x im Begleitbrief 1875 gegenüber den Lassalleanern anempfahl, und zwar bis jetzt mit Erfolg – welchen der Brüsseler Kongreß wohl besiegeln wird.

Viele Grüße.

Dein
F. E.

[London] 7./4./91