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Engels an August Bebel
in Berlin
(Entwurf)

[London, Anfang April 1891]

Lieber B[ebel],

Heute komme ich nicht, Dir auf Deinen Brief vom 30. zu antworten – das kommt nächstens1, sobald die Arbeitsmasse es irgend erlaubt –, sondern Dir und Deiner Frau von ganzem Herzen zu Eurer silbernen Hochzeit Glück zu wünschen. Ich hoffe, Ihr werdet auch noch beide am 6. April 1916 die goldene Hochzeit feiern und ein Glas dabei aufs Andenken dieses jetzt schreibenden alten Knaben leeren, der dann längst in Rauch und Asche aufgegangen sein wird.

Das kann ich Dir sagen: es leben nicht viel Leute, denen ich so aufrichtig und so herzlich zu einem solchen Fest meine Glückwünsche darbringen kann wie Dir. Seit wir zusammen korrespondiert und uns dann persönlich nähergetreten, habe ich fortwährend eine Übereinstimmung der Denkrichtung und Denkweise zwischen uns bemerkt, wie sie zwischen Leuten von so verschiednem Entwicklungsgang förmlich wunderbar ist. Das schließt – glücklicherweise – nicht aus, daß man auch über manche Punkte nicht übereinstimmt. Aber das sind dann wieder Punkte, wo entweder mit der Zeit infolge von Diskussion und neuen Ereignissen die Einstimmung sich von selbst einstellt oder wo sie überhaupt auf die Dauer von keiner Bedeutung ist. Und ich hoffe, so bleibt es. Ich glaube nicht, daß je wieder ein Fall vorkommen wird, wo einer von uns beiden einen den andern direkt berührenden Schritt tun müßte, ohne sich vorher mit diesem andern beraten zu haben.2 Und ich wenigstens segne noch heute den Tag, wo Du mit mir in regelmäßigen Briefverkehr tratst.