London, 13. Dez. 90
Lieber Kautsky,
Herzlichen Dank für Deine beiden Briefe und den mir gewidmeten, leider nur zu schmeichelhaften Artikel. Den Geburtstag habe ich glücklich überstanden, war auch draußen kein Nebel, so doch um halb vier in meinem Kopf, als ich zu Bett ging. Es ging mir fast wie Dir an meinem 1883er Geburtstag, wo die Kneiperei um mein Krankenbett stattfand.
Wegen Brentano inl. etwas Vorläufiges, das Du wohl so gut bist, noch in die nächste Nummer der „N[euen] Z[eit]“ zu schmuggeln, wenn’s angeht. Der Mann soll an mich denken. Er möchte die Gl[adstone]schen Briefe in Reserve halten, bis ich geantwortet, das wollen wir ihm doch legen.
Nächstens sollst Du auch einen Beitrag aus dem Nachlaß von Marx haben, ganz was Neues und obendrein höchst Zeitgemäßes und Aktuelles1. Es ist schon kopiert, aber ich muß es erst durchsehn und vielleicht einige Zeilen Einleitung dazu schreiben. Aber bitte, sprich noch nicht öffentlich davon, ich hab’ alle Hände voll mit der Korrespondenz und den Antworten auf die vielen Briefe und kann nicht bestimmt sagen, wann.
Die weiteren Hefte von Marx IV.Band kann und darf ich unmöglich der Post oder andern Vermittlern anvertrauen. Vorderhand also wirst Du nach dem 2.Heft nichts Weiteres bekommen. Das hängt auch damit zusammen, daß in den späteren Heften allerhand Exkurse und durchgestrichne lange Stellen sind, die möglicherweise nicht abgeschrieben zu werden brauchen, so daß dabei fortwährende Beratungen nötig sind, die Arbeit also nur hier getan werden kann. Später, wenn Du mal wieder herkommst und ich in dem Ms. mich mehr habe orientieren können, können wir ja sehn, was zu machen ist. Natürlich, was Du dort hast, machst Du fertig.
Von Heft 8 würdest Du mich verpflichten, wenn Du mir noch 6 Ex. schicktest, das wird wohl genügen.
Jetzt aber muß ich schließen, ich lege noch zwei Zeilen an Dietz bei zur gefälligen Abgabe.
Dein alter
F. Engels