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Engels an Wilhelm Liebknecht
in Berlin

London, 7. 10. 90

Lieber Liebknecht,

„Volksblatt“ 1–4 und 7 Ex. von 5 dankend erhalten, ditto Brief.

Mitarbeiterschaft am „Volksbl[att]“ geschieht gern, wenn Zeit erlaubt und Gelegenheit sich findet. Ich muß aber jetzt wieder alle Journalistik auf eine Weile einstellen, der III. Band1 muß endlich fertig werden.

Wie bei der „N[euen] Z[eit]“ und anderswo stelle ich zwei Bedingungen: 1. daß an von mir unterschriebnen Artikeln nichts geändert wird ohne meine Zustimmung, 2. daß die Honorare, if any2, als mein Beitrag an die Parteikasse bezahlt werden.

Was am „Volksbl[att]“ zuerst zu beseitigen ist, ist der ertötend langweilige Ton, der da eingerissen ist. Das „Hamburger Echo“ ist ein Weltblatt daneben, da sind nur die Leitartikel trocken, sonst herrscht ein großstädtischer, weltmännischer Ton, aber das „Volksbl[att]“ wird größtenteils im Schlaf geschrieben, und Lenchen behauptet, die „Sankt Johann-Saarbrücker Zeitung“ sei interessanter. Diesen Eindruck der Einschläferung hat das Blatt von jeher auf uns gemacht. Det wollen die witzigen Berliner sind? nanu!! Also, bring etwas Leben in die Bude, sonst macht unser Staatsanzeiger dem preußisch-deutschen3 eine gar zu unbillige Konkurrenz – den dürfen wir uns doch nicht zum Vorbild nehmen.

Ich schicke Dir außer fraglichen Blättern noch ein „Daily Chronicle“ mit dem wahren Zusammenhang des letzten gas scares4, wo einige diensteifrige Generale 700 Mann Truppen nach Becton (östlich von East End an der Themse) schicken wollten. Du kannst daraus ersehn, wie das Blatt ist.

Es freut mich, daß Ihr Euch in Berlin so rasch einwohnt.

Tussy wird wohl von Lille mit Guesde zu Euch kommen.

Dein F. E.

Herzliche Grüße an Frau und Kinder.