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Engels an Laura Lafargue
in Le Perreux

London, 6. Aug. 88

Meine liebe Laura,

Wenn Du diesen Brief erhältst, werde ich mit Tussy, Edward und Schorlemmer auf der „City of Berlin" den Küsten der Neuen Welt entgegentreiben. Es ist ein schon seit langem gehegter Plan, nur wurde er beständig durch alle möglichen Hindernisse durchkreuzt, nicht zuletzt durch Sch[orlemmer]s Mißgeschick – doch er wird heute abend hier sein (falls sich keine neuen Unfälle ereignen), und morgen hoffen wir bereits unterwegs zu sein und die Liverpooler Landungsbrücke am Mittwoch1 um fünf p. m. zu verlassen. Die Sache mußte geheimgehalten werden, erstens tatsächlich wegen der vielen Hindernisse, die sie zum Scheitern zu bringen drohten, und zweitens, um mich soweit wie möglich bei meiner Ankunft vor den Interviewern der „N[ew] Y[orker] Volkszeitung" und anderen zu retten (unter denen, wie Sorge schreibt, der kleine Cuno jetzt einer der schrecklichsten ist) sowie vor der zärtlichen Aufmerksamkeit der Exekutive der deutschen Sozialisten usw. von New York, da dies den ganzen Spaß unserer Spritztour verderben und ihren ganzen Zweck vereiteln würde. Ich möchte sehen und nicht predigen, und vornehmlich totalen Luftwechsel usw. haben, um endlich über die Augenschwäche und die chronische Konjunktivitis hinwegzukommen, die, wie Dr. Reeves, Edwards Freund, sagt, vollständig auf Mangel an Spannkraft zurückzuführen ist und wahrscheinlich auf einer längeren Seereise usw. vergehen wird. Als ich Sch[orlemmer] dieses Unternehmen vorschlug, ging er sofort darauf ein, aber er muß natürlich Anfang Oktober wieder zurück sein, so daß sein Vlissingen-Unfall zu sehr ungelegener Zeit kam. Doch das scheint jetzt in Ordnung zu sein, und er wird heute abend erwartet.

Edward und Tussy werden, soweit wir es übersehen können, nicht mit uns zurückkehren, sie werden sicherlich mindestens zwei Wochen länger dort aufgehalten werden.

Unsere Reisenden trafen am Sonnabend hier wohlbehalten ein, wenn auch mit einer halben Stunde Verspätung, und wie Ihr durch unsere Postkarte erfahren haben werdet, fanden Eure Johannisbeeren – sowohl die Beeren als auch der Saft, den Helen – ich meine Nim – herausgepreßt hatte, höchste und allgemeine Anerkennung. Die Begeisterung über Euren Garten ist nahezu grenzenlos, und ich glaube, daß beide, Pumps wie auch Nim, davon träumen. Trotz ihrer ziemlich stürmischen Überfahrt war keine seekrank, sie waren klug genug, sich sofort hinzulegen.

Ich lege einen Scheck über £ 25 bei, damit Ihr etwas habt während meiner Abwesenheit. Werde Euch bei meiner Ankunft wieder schreiben und über Abenteuer, Seeungeheuer, Eisberge und die anderen Wunderdinge des Meeres berichten, falls wir nicht von der irischen Flotte gefangen werden, der es gelungen ist, Samstag abend die englische Blockade zu durchbrechen und die jetzt den englischen Handel zerstört, schottische Küstenstädte einnimmt usw. – ein famoses Vorzeichen für den wahren politischen Sieg der Iren über den britischen Philister, den die nächsten allgemeinen Wahlen gewiß bringen werden.

So leb wohl bis dann. Ich war sehr stolz, von Nim zu hören, daß Du sehr gut aussiehst und jünger denn je. Hoffe, daß Du so bis zu unserem nächsten freudigen Wiedersehen bleibst.

Immer in Zuneigung und mit den freundlichsten Grüßen an Paul

Dein
F. Engels

Aus dem Englischen.