London, 6. Juli1 1888
Meine liebe Laura,
Heute schreibe ich geschäftlich, daher kurz und, wie ich hoffe, angenehm. Jollymeier kam gestern abend und reist nächste Woche nach Deutschland ab, wahrscheinlich am Mittwoch. Er wird nicht genügend Zeit haben, um über Paris zurückzukehren, doch sieht der jetzige Plan vor, daß Nim ihn bis Koblenz begleitet und dann nach St. Wendel reist, um ihre Freunde zu besuchen. Sie beabsichtigt, über Paris zurückzufahren, vorausgesetzt, daß Du und die Kinder2 dort seid. Würdest Du deshalb so gut sein und uns durch einen Brief, möglichst am Sonntag, aber spätestens am Montag, Bescheid geben, ob Du 1. zu Hause sein wirst und 2. ob die Kinder um den 26. oder 28. Juli in Asnières sein werden?
Mit ziemlicher Sicherheit hätte Dich Pumps zu gleicher Zeit besucht, da auch sie hoffte, mit Jollymeier mitfahren zu können, doch am letzten Sonntag kam sie mit der Nachricht, daß ihr Junge die Masern habe, und das wird sie wohl hier festhalten.
Tussy und Edward sind noch auf ihrem Schloß, und sie beabsichtigen, irgendwann im August nach Amerika zu fahren, wo Edward die mise en scène3 dreier seiner Stücke beaufsichtigen wird, die gleichzeitig in New York, Chicago und Gott weiß wo sonst noch gespielt werden sollen. Ich glaube nicht, daß sie insgesamt mehr als 8 bis 10 Wochen fort sein werden. Wenn sich seine dramatischen Erfolge in dem Tempo fortsetzen, wird er vielleicht nächstes Jahr auf Kosten irgendeines Theaterimpresarios nach Australien gehen müssen.
Unsere Züricher Freunde sind noch nicht untergebracht – aber auf dem Wege dazu. Es ist höchst erstaunlich, wieviel Ärger, Verzögerungen und Laufereien durch das Londoner System der monopolistischen Hausbesitzer verursacht werden, die den Pächtern ihre eigenen Bedingungen vorschreiben. So ist man gezwungen, will man von einem der letzteren ein Geschäftslokal übernehmen – und das muß man –, es dem Gutdünken des großen Hausbesitzers zu überlassen, einem zu erlauben, die notwendige Maschinerie in Gang zu setzen. Die französischen oder preußischen bürokratischen Eingriffe sind nichts dagegen. Und das haben die Londoner seit Jahrhunderten ertragen, und selbst jetzt wagen sie kaum dagegen zu rebellieren!
Freundliche Grüße an Paul.
In Zuneigung Dein
F. Engels
Aus dem Englischen.