[London, um den 29. April 1888]
Lieber Liebknecht,
Nebenstehendes heut morgen erhalten.
Es ist gut, daß Fritz1 etwas besser ist. Wenn der junge Wilhelm2 drankommt, grade jetzt, so würde er und B[ismarck] – wenn nicht alle Zeichen trügen – Rußland abfinden, um Erlaubnis zu einem Krieg gegen Frankreich zu bekommen. Es scheinen schon jetzt gewisse eventuelle Abmachungen abgeschlossen. Dadurch, und dadurch allein, würde Boulanger eine Gefahr, für Frankreich wie für Deutschland. Die Franzosen würden geschlagen, aber der Krieg würde langwierig infolge der starken französischen Befestigungen, und andre Leute würden sich einmischen. Wahrscheinlich Östreich und Italien gegen Deutschland, denn Rußlands Erlaubnis zu dergleichen ist nicht zu haben, ohne daß beide den Russen geopfert werden. Das hieße also, daß Bismarck den Russen Konstantinopel erobern hilft, und das hieße den Weltkrieg unter Bedingungen, wo wir ganz sicher schließlich unterliegen: im Bunde mit Rußland gegen die Welt! Ich hoffe, diese Gefahr geht vorüber.
Dein
F. E.