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Engels an Hermann Schlüter
in Hottingen-Zürich

London, 17. März 88

Lieber Herr Schlüter,

Mit der Broschüre ist es wieder nichts für den von Ihnen gesetzten Termin. Es tut mir sehr leid, Sie so an der Nase herumgeführt zu haben, aber ich kann nicht dafür. Ich muß den Vorschriften meines Augenarztes genau folgen, wenn ich endlich wieder ins rechte Geleise kommen will, darf nicht mehr als 2 Stunden schreiben, d. h. muß abbrechen, wenn ich eben recht in Zug komme, und kann oft wegen Korrespondenzdrang gar nicht einmal anfangen. Da ist es besser, ich nehme mir die Zeit und mache das Ding ordentlich. Eine Masse nötiges Material ist mir auch erst in diesen Tagen zugekommen und will studiert sein. Kurz, es ist am besten, Sie folgen Ihrer eignen Konvenienz, und wenn ich so weit bin, schreibe ich Ihnen.

Lehmann der Jüngere1 schreibt ein abscheulich affektiertes Deutsch. Er hat allen Grund, vor der Halbbildung zu warnen, von der er selbst in seiner konfus liberal-konservativ-manchesterlichen Proklamation ein so abschreckendes Beispiel darstellt. Indes, es ist hart, Kaiser spielen zu müssen, wenn man auf dem letzten Loche pfeift. Jedenfalls, wenn er noch 6 Monate vorhält, wird er etwas Schwanken und Unsicherheit in die Wirtschaft bringen, und das ist alles, was wir brauchen. Sowie der Philister eine Ahnung bekommt, daß die bisherige Wirtschaft nicht ewig dauert und im Gegenteil arg wackelt, ist auch der Anfang vom Ende da. Lehmann I2 war der Schlußstein des Gebäudes, der ist ausgebrochen, und es wird sich bald zeigen, wie morsch der ganze Kram ist. Das kann für uns momentane Erleichterung bedeuten, aber auch – unter Umständen – momentane Verschlimmerung, oder aber auch Krieg. Jedenfalls kommt wieder Leben in die Bude.

Beste Grüße an Ede und Liebknecht, wenn er, wie ich vermute, dort ist.

Ihr
F. E.