London, 10. Januar 1888
Lieber Freund,
Ich hätte Ihnen längst geschrieben, aber ich mußte glauben, daß Sie nicht mehr in Benevent seien, denn auf einer der mir gütigst gesandten Zeitschriften stand eine andre Adresse mit einem mir unbekannten Wohnort. Ich wartete daher bis auf weitere Nachricht von Ihnen.
Die gegen Sie erhobne lächerliche Anklage wegen Unterschlagung von L. 15 000 ist am besten widerlegt durch die Tatsache, daß der Präfekt der Regierung selbst Ihnen Beschäftigung gibt. Hoffentlich zerfällt die ganze Intrige, ehe es zur öffentlichen Verhandlung kommt.
Wie es mit der Hamburger Angelegenheit gegangen ist, weiß ich nicht, von Wedde habe ich weiter nichts darüber gehört. Aber es ist gut, daß nichts daraus geworden ist. Die preußische Regierung hat es endlich fertiggebracht, die Regierung der „Republik“ Hamburg zum Gehorsam zu zwingen. Unsere Zeitung1 dort ist verboten, der Redakteur Wedde, obwohl Hamburger Bürger, aus seiner Vaterstadt verbannt, an zwanzig Sozialisten sind in Altona (preußische Nachbarstadt) verurteilt und werden bei ihrer Freilassung aus Hamburg ausgewiesen. Unter diesen Umständen wären Sie ebenfalls von dort, und als Ausländer aus dem ganzen Deutschen Reich, ausgewiesen worden, und die Kosten des doppelten Umzugs mit Familie wären ruinierend gewesen.
Ich danke Ihnen für die Mühe, die Sie sich mit meiner Biographie geben, und werde Ihre Übersetzung gern revidieren. Aber ich zweifle, ob es sich lohnen wird, dieselbe als Broschüre drucken zu lassen. Ich bin ja in Italien so gut wie unbekannt, und unter denen, die mich allenfalls kennen, sind viele Anarchisten, und diese hassen mich mehr, als sie mich lieben. Doch das überlasse ich Ihnen.
Ihr Manuskript werde ich auch jetzt in einigen Wochen vornehmen können und es Ihnen dann gleich zuschicken. Leider erfordern meine Augen immer noch Schonung.
Mit aufrichtigem Gruß
der Ihrige
F. Engels
„Mefistofele“ I folgt heute abend.