377
Engels an Florence Kelley-Wischnewetzky
in New York

London, 3. Dez. 1887

Sehr geehrte Frau Wischnewetzky,

Wie ich Ihnen auf meiner Postkarte per letzte Post mitteilte, hat Wm. Reeves, der Herausgeber von „To-Day“ und des größeren Teils der populären sozialistischen Literatur in London, den Verkauf des Buchs übernommen. Er schreibt am 1. Dez.:

„Bezugnehmend auf unsere Unterhaltung von heute (Mittwoch) über den Vertrieb von ‚The Condition etc. von Engels‘ werden wir diesen gern besorgen und Exemplare von Ihnen oder dem Herausgeber in Amerika zum Preis von 3 sh. netto gebunden übernehmen, die weiteren Exemplare sollten ungebunden zugesandt werden. Die einzigen Kosten erstünden durch den notwendigen Druck der Titel und deren Einfügung, was ungefähr 10 sh. betragen würde.“

Und weiter am 2. Dez.: „In Beantwortung Ihrer Anfrage wegen des Termins der Abrechnungen gestatten wir uns zu erwidern, daß diese alle sechs Monate erfolgen und der Zahlungstermin einen Monat danach ist. Es versteht sich, daß wir, solange keine anderen Vereinbarungen getroffen werden, mit Ihnen abzurechnen haben.“

Diesen letzten Vorbehalt machte ich, da Reeves sonst den Zahlungen hätte ausweichen können, indem er erklärte, er wüßte nicht, an wen er zu zahlen hätte, an Herrn Lovell oder an mich, und damit eine Verzögerung oder einen Aufschub verursacht hätte. Bei künftigen Verhandlungen können andere Vereinbarungen getroffen werden. Hierzu schreibt er am 1. Dez.:

„Der Preis für andere Schriften ähnlichen Charakters könnte ungefähr mit gleichem Rabattsatz festgelegt werden – das hängt ein wenig davon ab, welcher Preis als Verkaufspreis festgesetzt wird. Ein 6 sh.-Buch wird z. B. dem Handel zu einem etwas geringerem Rabattsatz geliefert als ein 5 sh.-Buch.“

Der Bursche will sich also eine Tür offenhalten, um zu feilschen, und in Zukunft wird es ratsam sein, mich rechtzeitig zu informieren, um seinen Rabatt endgültig zu vereinbaren, ehe Sie auf dem Titelblatt seinen Namen als Londoner Agenten einsetzen. Diese Leute sind alle gleich.

Die obigen Bedingungen gelten natürlich für Bücher, die an ihn frachtfrei und ohne jede Unkosten für ihn geliefert werden. Er sagt, die Fracht sei nur geringfügig. Das mag für den Handel und für Ballen zutreffen, ich weiß aber, daß sie für Pakete an Privatpersonen ganz hübsch hoch ist. Kautsky mußte über 10 sh. für die ihm übersandten Exemplare zahlen, und der Liverpooler Agent (Wheatley) ließ mich 2 sh. 6 d. extra für das Paket bezahlen, das die 1000 Broschüren1 enthielt, obgleich überhaupt keine Fracht zu meinen Lasten ging.

Wir werden der sozialistischen Presse Exemplare zusenden (mit Ausnahme der „Justice“, die eins von Amerika hatte und gerade zwei Zeilen darüber schrieb), dem „Athenaeum“, der „Academy“ und der „Pall Mall Gazette“, sowie an „Weekly Dispatch“ und „Reynolds’s“. „The Commonweal“ (ich hatte Morris ein Exemplar geschickt) hat eine Fortsetzungsreihe mit Auszügen aus dem Buch begonnen, den ersten davon habe ich Ihnen heute zugesandt. Im ganzen sind die Aussichten sehr gut. Nur dürfen wir der Presse die Exemplare erst nach Weihnachten schicken, sonst werden sie liegenbleiben.

Was die Broschüre betrifft, so hat Reeves, wie ich Ihnen sagte, sie unbefugt nachdrucken lassen und wird natürlich zuerst seinen eigenen Haufen verkaufen. Die 1000 Exemplare werde ich Aveling übergeben, damit er sein Bestes tut – sie entweder in Versammlungen verkaufen oder Reeves geben, da er sie brauchen könnte; aber ich befürchte, daß ein großer Teil davon schließlich in Versammlungen umsonst verteilt werden muß.

Mit Ihrer Übersetzung vom „Freihandel“ werde ich mich so bald als nur möglich beschäftigen. Auch ein Vorwort werde ich schreiben, bin aber sicher, daß es nicht unbedingt das sein wird, was Sie wünschen. Es ist mir unmöglich, im voraus auf die mutmaßlichen Argumente amerikanischer Schutzzöllner zu antworten. Ich kenne diese Literatur nicht und habe keine Zeit, mich mit ihr zu beschäftigen. In neun von zehn Fällen würde meine Beweisführung das Ziel verfehlen; und was wir auch immer darüber sagen mögen, sie werden stets einen Ausweg finden und etwas zu sagen haben, was wir nicht voraussehen können. Um sich mit ihnen direkt in eine Polemik einzulassen, muß man in Amerika sein. Und ich habe immer gefunden, daß ein gutes Buch sich seinen Weg bahnt und seine Wirkung hat, was auch die Zeilenschinder von heute sagen mögen.

Aufrichtig Ihr
F. Engels

Aus dem Englischen.