London, 15. Juli 1887
Meine liebe Laura,
Vielen Dank für Deine Briefe. Schorl[emmer] ist noch bei mir; ein chronischer Magenkatarrh, die große Hitze und das nicht vorhandene glühende Verlangen, sein teures Land wiederzusehen, halten ihn hier. Außer ihm ist auch Fritz Beust aus Zürich eingetroffen, den Du vor acht Jahren hier gesehen hast. Deshalb muß ich mich auf dringende Angelegenheiten beschränken.
Ich war gezwungen, einem jungen Dr. Conrad Schmidt aus Königsberg, der in question sociale1 macht, eine Empfehlung (an Paul) zu geben. Er ist ungefähr der grünste Jüngling, den ich je gesehen habe, war zirka 3 Monate hier, scheint ein anständiger Kerl zu sein, was man heute anständige Kerls nennt, frißt keine Schuhnägel und säuft keine Tinte2. Wenn Paul ihn in der rue Richelieu, Bibliothèque nationale, abgibt, wird er von ihm nicht viel belästigt werden. Er bewundert Zola, in dem er die „materialistische Geschichtsanschauung"3 entdeckt hat.
Der Fieberanfall von Boulanger-Wahn sollte unsere Leute veranlassen, immer wieder l'armement du peuple4 zu fordern, als die einzige Garantie gegen die cäsarischen Anwandlungen der populären Generale. Das ist das einzige Argument gegen das Geschrei der royalistischen Presse, daß Boulanger eine Gefahr sei für – die Republik, sagen sie, und die zukünftige Monarchie meinen sie.
Samstag in einer Woche, am 23. Juli, fahren wir, wie im letzten Jahr, nach Eastbourne, 4, Cavendish Place. Wenn sich Eure Reise nach Jersey verwirklichen sollte, laßt es uns wissen; es sollte mich nicht wundern, wenn Tussy und Edward vom Jerseyfieber angesteckt würden.
Herzliche Grüße von Nim und Jollymeier. In Zuneigung Dein
F. Engels
Aus dem Englischen.