London, 16. März 1887
Lieber Sorge,
Besten Dank für Deine Briefe vom 28. Febr. und 2. März nebst Beilagen und für Deine vielfachen Bemühungen. Das Zirkular der Exekutive hiermit zurück, da wir es haben. Auf den „Volkszeitungs“-Artikel (Avelings Antwort hatte der saubre Jonas also einen ganzen Monat unterschlagen, ehe er sich zum Druck entschloß) haben wir sofort heute incl. Antwort an J[onas] geschickt, sollte er sie nicht drucken und Du dann irgendwelchen Druck auf ihn ausüben können, so wäre das vortrefflich. Sein Artikel scheint aber schon einen gewissen Rückzug anzudeuten.
Die große Streitfrage wegen der bedenklichen items in A[velings] Rechnung wird nun wohl durch unser Zirkular vom 26.Febr. ihre Lösung gefunden haben. Es ist doch wunderbar, daß die Leute, die sich über solche Einzelheiten, die außer dem Zusammenhang gar nicht zu verstehn sind, skandalisieren – daß diese Leute sich nicht sagen, man müsse doch auch erst die andre Seite über diesen Zusammenhang hören, ehe man sich ein Urteil erlaubt. Alle diese Posten würden sich auch in Liebk[nechts] Rechnung finden, wenn dieser überhaupt eine gegeben hätte. Der aber sagte, die Partei muß alle meine Kosten tragen, und da schreibe ich gar nichts auf. Und damit war man zufrieden. Daß Aveling dann z.B. in Boston fast alle Kosten nicht nur für L[iebknecht], sondern auch für seine Tochter1 gezahlt, davon schweigt dann die Exekutive, obwohl es in den Rechnungen steht, und wir anständig genug waren, es nicht ins Zirkular zu setzen. So ließ L[iebknecht] allen Wein etc., während sie zusammen reisten, auf A[velings] Zimmer bringen und also auch auf A[velings] Rechnung setzen. Alles das weiß die Exekutive und verschweigt es. Aber am gemeinsten ist, daß sie ihr Zirkular dort am 7.Jan. versandten, es uns aber erst am 3.Febr. zuschickten, so daß sie einen ganzen Monat ungestörten Verleumdungsvorsprung gewann, ehe wir nur erfuhren, auf was denn eigentlich A[veling] angeklagt sei.
Daß die Resolution von den meisten Sektionen angenommen, glaube ich bis auf weiteres nicht. Die Art und Weise der Behandlung der Knights of Labor geht, wenn ich nach A[velings] und Tussys Berichten gehe, schnurstracks gegen die Meinung der Sektionen des ganzen Westens. Ist es aber doch der Fall, dann kann sich die ganze „Partei“ begraben lassen.
Ein wahres Glück, daß Du mir den „Soz[ialist]“ zuschickst. Bisher konnte ich das von der Exekutive erhaltene zweite Ex. an Kautsky oder Avelings geben, so daß es seinen Nutzen hatte. Diese Woche hat die saubere Gesellschaft mir das Blatt nicht mehr zugeschickt. Daraus schließe ich, daß die nächsten Nrn. wieder Gemeinheiten gegen A[veling] enthalten werden.
An Müller in S[aint] Paul ist geschrieben mit Aufforderung, das 2. Zirkular vom 26.Febr. auch drucken zu lassen. Während die Exekutive die Journalistik unterderhand in ihrer Weise nach Herzenslust ausbeutet, will sie offenbar A[veling] das Onus zuschieben, wenn er zuerst selbst veröffentlicht.
Daß A[veling] dem „N[ew] Y[ork] Herald“ nicht antwortet, schien uns hier selbstverständlich. Der Artikel war so schauerlich absurd, und dazu sagten beide, es sei gar nicht Sitte in Amerika, auf solche Possen ernsthaft zu antworten. Nach meiner Kenntnis des „Herald“ hätten sie’s auch schwerlich genommen. Und als der Artikel hier reproduziert, hat A[veling] sofort geantwortet. Aber wenn A[veling] auch den „Herald“-Artikel beantwortet hätte, was hätte ihm das gegen die Exekutive genützt? Es scheint mir also eine faule Ausrede von Schewitsch. Überhaupt wundre ich mich über die kolossale Schlappigkeit der meisten New-Yorker Leute, die dabei an den Tag gekommen. Die Exekutive verbreitet faustdicke Lügen, und jedermann glaubt ihr – von Jonas zu Schewitsch und zu den Wischnewetzkys! Da scheint die Exekutive denn doch in New York eine große Autorität zu sein.
Leider keine Zeit mehr, Dir noch diverse Zeitungen heut zu schicken – morgen sollen sie abgehn – Postschluß.
Dein
F. E.